„Gefängnis Strumpf, Zuchthaus Schuh“: Ein um 3,5 Zentimeter erhöhter Schuhabsatz erhöht die Belastung der kleinen Vorderfußknochen um 50 Prozent, sagte Irmgard Lorenz.
„Normale Füße sieht man heute kaum mehr.“ Diese überraschende Aussage machte Irmgard Lorenz, ehemalige Krankenschwester in der Abteilung Gefäßchirurgie am Uniklinikum Würzburg, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bildung für alle“ des Seniorenrats im großen Sitzungssaal des Rathauses. Sie weiß, wovon sie spricht, gehörte doch die Versorgung von Patienten mit Beinleiden zu ihren Aufgaben. Ihren Vortrag hatte sie überschrieben: „Wenn Füße schreien könnten.“
Mit Fotos von kranken Füßen schockte sie ihr zahlreiches Publikum – nicht alle konnten die Bilder der teils völlig verunstalteten Ballen, Zehen und Nägel ertragen.
Spreizfuß, Knickfuß, Senkfuß, Plattfuß, Hohlfuß, Fersensporn, deformierte Zehen, Ballenzeh – das sind die häufigsten Krankheiten.
Zunächst erläuterte sie das komplizierte System „Fuß“, das aus 26 Knochen, Muskeln Nervenbahnen, Sehnen und Blutgefäße besteht. Ein Mensch macht im Jahr rund fünf Millionen Schritte, und die Füße müssen das komplette Körpergewicht tragen. Das Schuhwerk (zu eng, zu hohe Absätze, zu wenig Spielraum für die Zehen) habe starken Einfluss. Weil die Füße aber auch „das Bild des Körpers“ (Lorenz) sind, könne man an ihrem Zustand auch andere körperliche Leiden diagnostizieren.
Ein Problem sah die Referentin auch darin, dass häufig zu spät ein Podologe aufgesucht wird – erst wenn die Schäden unübersehbar oder die Schmerzen zu groß geworden sind. Sie zeigte aber auch auf, dass heutzutage zahlreiche Behandlungs- und Operationsmethoden Besserung bringen können.
Text und Foto: Frank Lauer