Ein sehr gut gefüllter Kirchenraum, gespannte Stille und am Ende minutenlanger, stehender Applaus – der szenische Kirchenabend „Glaube, Glanz & Geschichten“ in der Pfarrkirche St. Emmeram wurde zu einem eindrucksvollen Höhepunkt im Jubiläumsjahr 700 Jahre Pfarrei Waidhaus.
In rund einer Stunde nahmen 19 Mitwirkende, darunter auch Kinder und Jugendliche, das Publikum mit auf eine bewegende Reise durch sieben Jahrhunderte Pfarreigeschichte. Dabei wurde schnell deutlich: Es ging nicht um trockene Historie, sondern um gelebten Glauben – um Menschen, ihre Hoffnungen, ihre Zweifel und ihren Zusammenhalt.
Das Stück stammt aus der Feder von Josef Kleber, der zugleich die Spielleitung innehatte und selbst in mehreren Rollen auf der Bühne stand. Mit viel Gespür für Dramaturgie gelang es ihm, die Geschichte der Pfarrei in eindrucksvollen Bildern und Szenen lebendig werden zu lassen.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen hatten die Darstellerinnen und Darsteller, die ihre Rollen mit großer Authentizität und spürbarer Hingabe verkörperten. Die Erzählerin Cordula Schmucker führte souverän, ruhig und zugleich eindringlich durch den Abend und gab den einzelnen Szenen einen klaren Rahmen.
Schon der ruhige Prolog, in dem die ersten Mönche den Glauben in die Region bringen, ließ den Kirchenraum zur Bühne werden. Mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1326 begann die greifbare Geschichte der Pfarrei, die in weiteren Szenen eindrucksvoll fortgeführt wurde.
Besonders eindringlich zeigte sich der Abend in den Szenen der Reformation und Gegenreformation, in denen die Verunsicherung und Zerrissenheit der Menschen spürbar wurde. Einen emotionalen Höhepunkt erreichte das Stück in der Feldpost-Szene: Der Brief eines Soldaten aus dem Krieg ließ den Kirchenraum verstummen – hier flossen sichtbar Tränen im Publikum.
Einen starken Kontrast dazu bildeten die Szenen rund um die wiederkehrenden Brände, die Zerstörung der Kirche und den mutigen Wiederaufbau. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr die Gemeinschaft getragen hat – durch schwere Zeiten ebenso wie durch Aufbruch und Erneuerung.
Mit der Darstellung des Glaubens im Alltag – bei Taufe, Gebet und Gemeinschaft – wurde der Bogen in die Gegenwart geschlagen. Die anschließenden Szenen des Neubeginns und der Weiterentwicklung der Pfarrei machten deutlich, dass Kirche kein statisches Gebilde ist, sondern sich stetig weiterentwickelt.
Ein besonderer Moment des Abends war die Glockenszene: Die fünf Glocken von St. Emmeram wurden nicht nur beschrieben, sondern klanglich erlebbar gemacht – als Stimmen, die das Leben der Menschen seit Generationen begleiten.
Auch die musikalische Gestaltung trug maßgeblich zur Wirkung bei. Die Musikerinnen und Musiker hatten die Umrahmung eigenständig erarbeitet und setzten mit Orgel, Klarinetten und weiteren Instrumenten eindrucksvolle Akzente, die das Geschehen vertieften und trugen.
Nochmals für einen echten Gänsehautmoment sorgte schließlich das gemeinsame Schlusslied „Großer Gott, wir loben dich“, bei dem sich Darsteller und Publikum zu einem eindrucksvollen Klangbild vereinten.
Im Finale verband sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem starken Bild der Gemeinschaft. Die Botschaft war klar: Kirche lebt – durch die Menschen, die sie gestalten.
„Wir wollten Geschichte nicht nur erzählen, sondern erlebbar machen – dass sie die Menschen so berührt, hat uns selbst überwältigt“, sagte Josef Kleber, PGR-Sprecher und Vorsitzender der Dorfbühne.
Das generationenübergreifende Gemeinschaftsprojekt von Pfarrei, Dorfbühne Waidhaus und Musikverein Waidhaus zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Glaube und Zusammenhalt vor Ort sind – und dass diese Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.
