Wenn sie sich an diesem Wochenende das Grab auf dem Grinzinger Friedhof genau angeschaut haben, dann haben sie bemerkt, wie eine farbenfrohe Blume daraus erwachsen ist. Der spätromantische Komponist Gustav Mahler, selbst berühmt für den Einbau neuer, mutiger Effekte in seine Symphonien, schickte damit einen herzlichen Gruß nach Retzbach mit der Bemerkung: Ihm hat´s gefallen, was die beiden Musiker des Jazz-Duos „Duoloque“, Thomas Klopfer (Klavier) und Hans Molitor (Trompete, Flügelhorn), mit seinen Motiven angestellt haben. Und mit ihm applaudierten auch Jean Paul, Georg Friedrich Haendel und viele andere All-Stars aus Literatur und Musik. Denn darin lag das Geheimnis dieses sehr anregenden Jazzabends. Die beiden Vollblutmusiker mischten Klassik mit Jazz, eigene Kompositionen mit Ohrwürmern und zauberten daraus ein vielseitiges und schmackhaftes musikalisches Menü.
Die Formation Duo erfordert von beiden Beteiligten ein Höchstmaß an Konzentration und Können. Die zwei Musiker spielen nicht nur ausgezeichnet, sie leben ihre Instrumente. Der Pianist Thomas Klopfer ersetzte ein ganzes Orchester, war für die Wahrung des Taktes genauso verantwortlich wie für seine variantenreichen Ausflüge ins Melodische. Immer mit einem Ohr bei seinem Partner arrangierte er ein harmonisches Zusammenspiel, sorgte durch zwei eigenständige Vorträge für die notwendigen Pausen beim Trompeter und überzeugte bei Soli und Improvisation mit virtuoser Fingerfertigkeit. Hans Molitor beherrschte Trompete und Flügelhorn meisterlich. Es brodelte und grummelte bei den tiefen Tönen, hell und klar erstrahlten die Höhen. Majestätisch und feierlich gestalteten sich laute Passagen und selbst ein Flüstern vermag die Trompete an ruhigen, leisen Partien hervorzubringen. Anstrengend die komplizierten Taktfolgen und Rhythmuswechsel, kunstvoll die eigenen Solo- und Improvisationsstellen. Es war ein opulentes Mahl, das Duoloque geboten hat, ein Schlemmen auf höchstem Niveau.
