Wahrscheinlich wurde noch nie so viel geflunkert wie am Wochenende im Historischen Rathaus Retzbach, wo so ziemlich alle Besucherinnen und Besucher voller Begeisterung den altbekannten Gassenhauer „Dort tief im Böhmerland…“ mitgesungen haben. Der Verführer zu diesem lässlichen Fehltritt hieß Lutz Röckert, der „Tasten-Män“ aus der Zellinger Partnergemeinde Geyer im Erzgebirge. Mit charismatischem Lächeln und virtuoser Fingerfertigkeit am Akkordeon nahm er das Publikum mit auf eine hinreißende Reise in seine Heimat.
Lutz Röckert lieferte einer Hommage an Böhmen, dem er auch ganz persönlich verbunden ist. Die Lieder, die er vortrug, waren eingebettet in seine Lebensgeschichte als Grenzgänger zwischen Tschechien und Deutschland. Das Publikum machte Bekanntschaft mit seiner Mutter, geboren gleich am südlichen Bergrücken des Keilbergs, und mit seinem Vater, einem „Sudetendeutschen“. Humorvoll gab er Ratschläge, wie man sich in Tschechien durchschlagen könnte, hervorgegangen aus eigenen Erfahrungen in seinen Studentenjahren. Sympathisch und authentisch vermittelte er seine Musik, mit einem feinen Gespür für die Wünsche seiner Zuhörerinnen und Zuhörer. Und am Schluss wollten weder Lutz noch das Publikum aufhören, so dass der Abend noch lange weiterklang.
