Offener Brief vom 21.Januar 2026 in Sachen Kreuzlinger Feld:
Empfänger:
Oberbürgermeister Andreas Haas
Oberbürgermeisterkandidat der CSU Hannes Kirmair
Stadtbaumeister Jürgen Thum
Vorsitzender der CSU Fraktion Germering Marcus Breu
Fraktion der Freien Wähler Germering
Presse: Merkur, SZ und FFB Tagblatt (Germeringer Anzeiger)
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Haas,
sehr geehrter Herr Kirmair,
sehr geehrter Herr Thum,
sehr geehrte Mitgestaltende der CSU und Freien Wähler im Stadtrat,
eine überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Germering hat die damalige Planung zum Kreuzlinger Feld im Bürgerentscheid vom 24.04.2022 abgelehnt und der Durchführung eines Wettbewerbsverfahrens zugestimmt.
Durch viele Gespräche und nicht repräsentative Umfragen hat die Bürgerinitiative Lebenswertes Germering (BI) festgestellt, dass zwei der fünf Forderungen des Bürgerentscheids den Bürgerinnen und Bürgern besonders wichtig sind:
- Minimierung von zusätzlichem PKW- und LKW-Verkehr
- Anpassung des Maßes einer möglichen Bebauung an die bestehende Umgebung
In der Ausschreibung zum Realisierungswettbewerb wurde einseitig durch die Stadt Germering (ohne Diskussion über die Wohnfläche mit den Bürgern) eine Vorgabe von 100.000 qm Wohnfläche festgeschrieben. Das entspricht in etwa der Wohnfläche der mit dem Bürgerentscheid abgelehnten Planung (sic!).
Der Antrag in der Bürgerversammlung 2024, diese Vorgabe zur Wohnfläche zu streichen, wurde von der Stadtratsmehrheit der Stadt Germering abgelehnt.
Die oben genannte, im Bürgerentscheid festgelegte Forderung der Verkehrsminimierung kann über drei Wege erreicht werden:
- Durch eine im Vergleich zur ursprünglichen Planung lockerere Bebauung, weniger Anwohner und damit weniger Fahrzeuge und Verkehr,
- Durch Angebote wie sichere Radwegeanbindungen, um Anreize zu schaffen, auf das Auto zu verzichten
- Durch planerische Instrumente wie Quartiersgaragen, die die Nutzung des Autos nicht mehr zur bequemsten Mobilitätsvariante machen.
Von der Stadt Germering sind im Umfeld des Kreuzlinger Feldes weder konkrete Maßnahmen zur Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur noch zur Schaffung neuer Anbindungen des Kreuzlinger Feldes für nichtmotorisierten Verkehr geplant.
Selbst das relativ kleine Steuerungsinstrument der Quartiersgaragen, die den Weg zum eigenen Auto verlängern würden und deutlich preiswerter und weniger CO2 intensiv als Tiefgaragen wären, wurden auf Drängen des Investors umgeplant.
Der Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs von „Auer Weber“ weist rd.100.000 qm Wohnfläche auf. Damit entsteht genau so viel Verkehr wie bei der Umsetzung des mit dem Bürgerentscheid abgelehnten Entwurfes. Eine der Grundforderungen des Bürgerentscheids ist somit nicht mehr umsetzbar!
In den Preisgerichtssitzungen, in denen ein Vertreter der BI ohne Stimmrecht anwesend sein durfte, wurde wiederholt betont, dass einzelne Aspekte der Entwürfe noch überarbeitet werden können, bis es zum Rahmenplan und Bebauungsplan kommt. Die Architekten sprachen davon, dass man einzelne Punkte „heilen“ kann.
Bei der Bürgerversammlung 2025 wurde von der BI ein weiterer Versuch unternommen, die Wohnfläche und damit den Verkehr zu reduzieren. Der Antrag wurde direkt in der Bürgerversammlung (auch mit vielen Stimmen aus Stadtrat und Stadtverwaltung nebst Familienmitgliedern) abgelehnt.
Die BI hat seit einiger Zeit nichts Neues zum Thema Kreuzlinger Feld gehört. Es stellt sich die Frage, wie Sie als für die Planung Verantwortliche beim Thema Verkehr den Forderungen des Bürgerentscheides gerecht werden wollen. Findet die „Heilung“ dieses wesentlichen Aspekts „im stillen Kämmerlein“, im Bauausschuss oder gar nicht statt? Wie und wann können sich die Bürger einbringen?
Gleiches gilt für die Anpassung der Bebauung an die bestehende Umgebung:
So waren in der ursprünglichen Planung entlang der Landsberger Straße 4 Vollgeschoße (EG+3) geplant. Diese Planung wurde durch die Mehrheit der Bürgerschaft abgelehnt. Der aktuelle Siegerentwurf weist entlang der Landsberger Straße 5 Vollgeschoße (EG+4) auf. Damit sind die Gebäude dort sogar noch höher geplant als in der mit Bürgerentscheid abgelehnten Planung(!).
Auch hier wurde unser Antrag in der Bürgerversammlung 2025 zu Reduzierung der Gebäudehöhen abgelehnt. Es stellen sich die gleichen Fragen wir beim Thema Verkehr: Wann und an welcher Stelle wird man sich mit diesen kritischen Punkten konstruktiv beschäftigen, damit der Bürgerentscheid umgesetzt werden kann?
Die Bürgerinitiative Lebenswertes Germering (BI) hat stets und wiederholt Gesprächsbereitschaft angeboten. Leider wurde dieses Angebot weder durch Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Haas, noch durch den Stadtbaurat Thum angenommen, es besteht jedoch nach wie vor.
Den Weg des offenen Briefes haben wir bewusst gewählt, um den Bürgerinnen und Bürgern in Germering den aktuellen Stand in Sachen Kreuzlinger Feld aus unserer Sicht näher zu bringen.
Mit besten Grüßen,
Rudolf Kauper
im Namen der Bürgerinitiative Lebenswertes Germering
