O Haupt voll Blut und Wunden.
Es ist kaum erträglich, liebe Gemeinde, was wir eben gehört haben. Wir hören eine Geschichte von Grausamkeit, Einsamkeit, Verachtung, Verrat, Folter, Hoffnungslosigkeit und Tod. Jedes Jahr wird diese Geschichte verlesen – hunderttausdendfach auf der ganzen Erde – seit vielen Hundert Jahren.
Warum tun wir uns das an?
Nicht, weil wir eine masochistische Ader haben und uns selbst gern quälen wollen. Nicht, weil das Leid, das Jesus widerfährt, so einzigartig ist: Das war es damals nicht und es ist es auch heute nicht.
Warum also sitzen wir hier in der Kirche, vollziehen ein jahrhundertealtes Ritual und hören noch ältere Texte voller Grausamkeit und Leid?
Ich meine, dass es dafür zwei gute Gründe gibt, die einander auf den ersten Blick beinahe widersprechen:
Zum einen erinnern wir uns jedes Jahr in dieser Weise an Jesu Tod, weil es aus unserer Sicht ein einzigartiges Ereignis ist: Gottes Sohn stirbt für uns. In seinem Tod liegt unsere Erlösung. Diese Tat der Hingabe ist einzigartig und durch Worte schwer einzuholen. Viele Theologen und Theologinnen haben es durch die Jahrhunderte hindurch versucht: Sie haben versucht zu verstehen und zu beschreiben, was die Einzigartigkeit und die Erlösung in Jesu Kreuzestod für uns ausmacht. Viele der Gedanken und Theorien, die sie entwickelt haben, scheinen uns heute abstrakt.
Ein zweiter Grund, warum wir uns diese grausamen Erzählungen jedes Jahr neu antun, ist, dass wir wissen, dass diese Geschichte eben nichts Besonderes ist: Wie in einem Spiegel führt die Passionsgeschichte uns das Leid vor Augen, das täglich – gerade jetzt – geschieht: Menschen erleiden Gewalt, Menschen sind mutig und sehen dem Tod ins Gesicht, Machthaber greifen nicht ein, wenn es ihre Aufgabe wäre, Menschen zu schützen. Menschen sind feige, Menschen erleben Enttäuschung und Menschen stehen anderen bei. Die Geschichte Jesu ist also auf die eine oder andere Weise der Kern der Geschichte der Menschheit. Aber die Leidensgeschichte ist auch der Kern der Gegenwart der Menschheit.
Wenn die Leidensgeschichte der Kern – die DNA des Lebens aller Menschen – also auch unseres Lebens – ist, dann klingt das sehr hoffnungslos und eher depressiv. Ein Hoffnungsschimmer kommt in dieses Bild erst, wenn wir in dieses düstere Spiegelbild unserer Welt, die Einzigartigkeit Jesu eintragen: Das namenlose, vielfältige Leiden der Menschen zu allen Zeiten und auch heute bekommt eine Wende, wenn es einen Gott gibt, der mitleidet. Wenn da einer ist, der nicht eine abstrakte, ferne Idee irgendwo im weiten Universum ist, wenn da einer ist, der mitleidet, wenn da einer ist, der nicht fern, sondern mitten in der Welt ist, dann schreibt sich Gott mitten hinein in den Kern – in die DNA der Welt, der Menschen – also auch meines Lebens und Leidens.
Wenn dem so ist, dass ich selbst in meiner Einsamkeit nicht allein bin, sondern einer sie mit mir teilt, dann steckt Hoffnung in den Passionstexten, die wir eben gehört haben. Dann sagt Gott in jeder Zeile dieser alten, traurigen und grausamen Geschichte zu mir, zu uns, zu allen, die Leid erfahren haben oder gerade im Moment erfahren, etwas ungeheuer Tröstliches. Die Botschaft der ganzen Passionserzählung ist: Du bist nicht allein. Ich bin da.
Claudia Guggemos
Ostern
In Pödeldorf wurde die Dekanatsjugendosternacht von Pfarrer Marianus Schramm gefeiert. Musikalisch umrahmt wurde diese von der Band Variabel. Gestaltet wurde die Osternacht durch die Oberministranten. Sie verdeutlichten die Bedeutung von Ostern für uns heute. Danach kamen die Gläubigen zum gemeinsamen Osterfrühstück im Saal unter der Kirche zusammen. Das Osterfrühstück wurde vom Kirchenbauverein Pödeldorf angerichtet.
Der Gottesdienst kann noch auf Youtube angesehen werden.
Abendmahlfeier von Jesus - Karfreitag - Ostern
Feste feiern - Enttäuschungen, Leid - Neubeginn
heute so aktuell wie vor 2000 Jahren.