Ist die Sulzbürger Kirchweih ohnehin weit über das Landl hinaus beliebt, so haben sich die Organisatoren und Mithelfer des Kirwa-Vereins heuer selbst übertroffen. Die Gestaltung des Baumes zeugt von großer Symbolkraft und setzt dem Fest die Krone auf: An die fünfzig Meter misst das augenfällige Wahrzeichen des Festes, das seit 1860 auf den Sonntag nach Bartolomei datiert ist.
Während das Weiß-Blau der Landesfarben den Stamm und die Spitze betont, zieren zunächst die Wappen von Sulzbürg und der Grafen von Wolfstein das Fundament. Umsichtig weisen dann neun Schilder in Richtung der umliegenden Dörfer und Gemeinden, mit denen man sich gut verbunden weiß.
Die beiden Kirchen auf dem Schlossberg gehören unbestritten zu den schönsten Ansichten im Landkreis Neumarkt. Sie prägen jedoch nicht nur das Landschaftsbild, sondern veranschaulichen eindrucksvoll die lebendige Ökumene im Landl.
Eine in die Jahre gekommene Beschilderung erinnert etwas wehmütig an den ehemals selbständigen „Markt Sulzbürg“, der vor 50 Jahren durch die Eingemeindung aufgegeben werden musste.
Damit hat es sich aber auch mit der Vergangenheit. Denn nun wendet sich die Symbolik der Gegenwart zu:
Eingerahmt von den Nationalfarben Deutschlands und dem österreichischen Bindenschild wird der neuen Partnerschaft mit Frankenburg die Ehre erwiesen. Die Marktgemeinde im oberösterreichischen Landl ob der Enns ist spätestens seit dem legendären Würfelspiel 2024 auf dem Schlossberg eng mit Sulzbürg verbunden, sodass ein Jahr später offiziell die Gemeinde-Partnerschaft zwischen Frankenburg und Mühlhausen besiegelt werden konnte. Besonders freuten sich deshalb die Organisatoren über den Kirwa-Besuch der „Auswanderer“, die zu Fuß zur Sulzbürger Kirchweih angereist sind, und über die Biker-Gruppe, die die Strecke mit etwas mehr PS bewältigen konnte.
Ein besonderes Augenmerk gilt hernach den Kränzen, die kunstvoll gebunden und mit Bedacht gestaltet wurden. Die Kränze sind unverzichtbarer Bestandteil eines Kirwa-Baumes und als solche immer ein Symbol für Gemeinschaft und „ewiger Verbundenheit“. Die grünen Zweige symbolisieren deshalb das Leben. Die Kränze unterstreichen, wie wichtig der Zusammenhalt in den Dörfern und Gemeinden ist, ohne den kein Verein und keine Gesellschaft existieren kann. Traditionellerweise werden die Ringe mit Bändern in den Landesfarben geschmückt. Wer den untersten Kranz jedoch genau unter die Lupe nimmt, wird auch vier magentafarbene Schals entdecken. Sie erinnern an den einzigen Wehrmutstropfen dieser so wunderschönen Kirwa: Das unerträgliche Vorgehen der Landeskirche gegenüber unserem Landlpfarrer Alexander Proksch hat das kirchliche Leben im Landl schwer erschüttert und jede Menge Enttäuschung und Entsetzen hervorgerufen. Die Schals sind stille Zeichen des Protests. Zugleich wollen sie zu Beharrlichkeit und Entschlossenheit ermuntern, um den Widerstand gegen das unhaltbare, unmenschliche Verfahren aufrecht zu erhalten.
Auf der Spitze des Sulzbürger Kirwa-Baumes thront schließlich eine junge, grüne Fichte. Sie weist in die Zukunft und symbolisiert die Hoffnung auf Leben und Wachstum. Beides kann unser Land gut gebrauchen. Welch‘ schöner Abschluss! Welch enorme Symbolkraft!
Helmut Enzenberger