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Radio als Fenster zur Welt
Stadt Feuchtwangen
08.04.2026, 14:12

Radio als Fenster zur Welt

Die Sommerausstellung im Fränkischen Museum Feuchtwangen erzählt Technik-, Alltags- und Zeitgeschichte anhand von 250 historischen Geräten

Wer heute Musik, Nachrichten oder Gespräche per Smartphone abruft, nimmt diese Form des Empfangs meist als selbstverständlich wahr. Die Sommerausstellung im Fränkischen Museum Feuchtwangen erinnert daran, dass dies noch vor wenigen Generationen ganz anders war. Unter dem Titel „Eine Zeitreise mit Schätzen der Radiogeschichte“ widmet sie sich dem Radio, einem Gerät, das den Alltag des 20. Jahrhunderts stark verändert hat. Rund 250 Röhrenradios aus den 1920er Jahren bis in die späten 1960er Jahre veranschaulichen die technische Entwicklung dieser Zeit. Zugleich zeigen sie, wie eng Mediengeschichte mit dem Leben der Menschen verbunden ist.

Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit der Stadt Feuchtwangen mit dem Radioverein „Das Magische Auge“ e. V. Einen wichtigen Anstoß gab dessen Vorsitzender Marcus Baierlein. Im Mittelpunkt steht die private Sammlung von Holger und Horst Knauer aus Feuchtwangen. Über viele Jahre hinweg haben sie Geräte zusammengetragen, die in ihrer Qualität und Geschlossenheit weit über die Region hinaus Beachtung verdienen. Schon beim Rundgang wird daher deutlich, dass hier keine lose Folge alter Apparate zu sehen ist. Die Ausstellung entfaltet eine Geschichte des Hörens und damit zugleich eine Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Am Anfang stehen frühe Detektorempfänger, die noch ohne eigene Stromquelle auskamen. Sie verweisen auf eine Phase, in der Rundfunk für viele Menschen noch etwas Neues und kaum Vorstellbares war. Stimmen, Musik und Nachrichten gelangten plötzlich aus der Ferne direkt ins Haus. Mit den technisch ausgereifteren Geräten wuchs jedoch die politische Bedeutung des Mediums. Besonders klar zeigt sich das am Volksempfänger. Er war in der NS-Zeit kein neutrales Alltagsgerät, sondern ein bewusst verbreitetes Werkzeug staatlicher Propaganda. Über den Rundfunk drang die Ideologie des Regimes tief in den privaten Alltag ein. Nachrichten wurden gelenkt, Weltbilder vorgegeben und die Bevölkerung auf Linie gebracht. Das Radio steht daher ebenso für die Möglichkeiten eines modernen Mediums wie für dessen Missbrauch im Dienst von Diktatur und Kontrolle.

Anschaulich wird der Wandel von der Eintönigkeit des Volksempfängers zu bei den Geräten der Wirtschaftswunderzeit. Mit ihren Holzgehäusen, Skalen und sorgfältig gestalteten Fronten waren sie weit mehr als einfache Gebrauchsgegenstände. Sie standen sichtbar im Wohnzimmer und prägten den Raum der Haushalte. Dort wurden Nachrichten gehört, Hörspiele verfolgt, Musiksendungen eingeschaltet oder Sportberichte mitverfolgt. Das Radio war über viele Jahre ein gemeinsames Medium. Es brachte aktuelle Ereignisse ins Haus und gab dem Alltag einen festen Rhythmus.

Die Ausstellung wendet sich bewusst an ein breites Publikum. Angesprochen sind Technikinteressierte ebenso wie Familien, Schulklassen und Besucherinnen und Besucher mit Interesse an Alltags- und Zeitgeschichte. Eröffnet wurde sie bereits am 22. März und damit gezielt noch vor Beginn der Kreuzgangsaison. Damit setzt das Fränkische Museum einen eigenen Akzent im Kulturkalender der Stadt. Eine Midissage im Juni wird die Ausstellung zusätzlich begleiten und einzelne Themen vertiefen. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museums bis Mitte September geöffnet.

(Fotos: TI Feuchtwangen/Christoph Bender)



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