Albert Ott aus Langenthal ist 85 Jahre alt. Jeden Tag liest er Zeitung und surft er im Internet. Selbstverständlich ist er via Whatsapp vernetzt. Das ist nichts Besonders für ihn, schließlich stellte er schon 2008 in Zusammenarbeit mit Dr. Joachim Niewisch historische Informationen über Langenthal und Sindlbach ins Netz. Grund genug für einen Austausch mit Bergs Kulturbeauftragter Christine Riel-Sommer. Im Gespräch mit Albert ergab sich schnell die Idee die Inhalte seiner historischen Internetseite auf die Homepage der Gemeinde Berg zu übertragen, was zwischenzeitlich geschehen ist. Ein historisches Vermächtnis, betont die Kulturbeauftragte Christine Riel-Sommer dankbar.
„Wir haben uns die Arbeit in der Historienforschung aufgeteilt“, erzählt Albert Ott in seiner Küche und zeigt das Sterbebild von Joachim Niewisch. „Der Jockl ist 44 geboren und kam nach dem Krieg als Kind nach Langenthal in das Haus meines Großvaters. Sein Vater war im Krieg gefallen und die Mutter Lotte arbeitete damals im Steinbruch im Büro“, berichtet er weiter. „Der Jockl und ich gingen gemeinsam in Sindlbach in die Schule. Er ist nach dem Krieg wieder nach Nürnberg zurück. Das war 1953.“ Studium und Promotion in Physik sowie von 1975 – 1978 ein Aufenthalt in Genf folgten, doch die gute Beziehung zu Langenthal bestand ein Leben lang. So kam Joachim Niewisch bis zu seinem Tod alle 2-3 Wochen aus Nürnberg nach Langenthal und auch sein Sohn Lorenz hat bis heute einen Bezug zu diesem Berger Ortsteil. „Zusammen mit Franz Wurm – ein Studienfreund und Cousin von Joachim - hatten wir die Idee die historischen Eindrücke festzuhalten, weil ein Haus um das nächste in Langenthal weggerissen wurde“, erzählt Albert weiter und zeigt vergilbte schwarz-weiß Aufnahmen.
„Also ging ich von Haus zu Haus und lieh alte Fotografien aus, die ich nachts einscannte und über das Internet schickte. Nur so kamen die enormen Datenmengen auch durchs Netz“, lächelt Albert Ott im Rückblick auf das intensive gemeinsame Projekt Ende der 2000er Jahren. An das piepende Geräusch der damaligen Geräte erinnert sich Albert mit einem Schmunzeln. Er sammelte die Fotos und Namen der Personen darauf, während Joachim für den Internetauftritt zuständig war. Ein eingespieltes Team, welches das Interesse für Langenthal und Sindlbach eng und eine Freundschaft aus gemeinsamen Schulzeiten verband. Und das obwohl oder gerade deswegen, weil Albert und Joachim höchst verschiedene Lebenswege gingen: Der 1941 geborene Albert arbeitete nach der Volksschule im hiesigen Steinbruch und führte die heimische Landwirtschaft seit 1964 weiter. In diesem Jahr heiratete er auch seiner Frau Maria, die vor einigen Jahren verstarb.
Albert weiß als interessierter lebender Zeitzeuge ausgiebig über die Geschichte seines Heimatorts Bescheid. Es ist eine Freude seinen Erzählungen zuzuhören. Ab 2008 wurden die zusammengetragenen historischen Bilder auf Initiative von Alt-Bürgermeister Helmut Himmler auch im Mitteilungsblatt veröffentlicht und die regionale Presse berichtete über die Arbeit der beiden Ahnenforscher. „Gerne haben wir zu Ehren der Geschichte der Einwohner Langenthals und Sindlbach und den akribischen Sammlern Albert Ott und Joachim Niewisch diese Daten auf der Homepage der Gemeinde Berg unter https://berg-opf.de/kultur-freizeit/das-langenthal/ aufleben lassen“, freut sich Kulturbeauftragte Christine Riel. Sie dankt in diesem Zusammenhang herzlich Rita Fink und Lorenz Niewisch, die sie auf diesen geschichtsträchtigen Fundus hinwiesen sowie Patrick Bauer, der die technische Übertragung inne hatte. Für die Brauchtumspflegerin und Hochzeitsladerin Riel-Sommer ist dieses Projekt ein krönender Abschluss ihrer intensiven Arbeit und Schaffensperiode seit 2020 als Kulturbeauftragte. „Ich freue mich, dass dieses historische Vermächtnis aus dem nördlichen Gemeindegebiet so angemessen bewahrt wird. Ein herzliches Merci an dich Albert!“
Foto: Albert Ott übergab die Daten-CD samt Bild seines verstorbenen Freundes und Projektkollegen Dr. Joachim Niewisch an Kulturbeauftragte Christine Riel-Sommer. Historisches aus dem nördlichen Gemeindegebiet ist nun auf der Homepage der Kommune zu finden.
