Rund 30 interessierte Gäste kamen am Mittwoch, 14. Januar 2026, im Grainersaal in Tann zusammen. Unter der Moderation von Josef Wolferseder widmete sich die abwechslungsreiche Veranstaltung der Heimatfreunde der Tanner Kirchengeschichte und dem regionalen Brauchtum.
Den Auftakt bildete ein kurzweiliger und anschaulicher Vortrag zur Tanner Kunst- und Kirchengeschichte, gehalten von Dr. Ludger Drost, Kulturreferent des Landkreises Rottal-Inn. Eingangs erinnerte Dr. Drost an die im Umkreis von Tann im 15. Jahrhundert errichteten Kirchen in Taubenbach, Gehersdorf, Martinskirchen, Reut und Eichhornseck, die dem sogenannten „Meister von Taubenbach“ zugeschrieben werden.
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand jedoch die heutige Pfarrkirche in Tann, die in den 1790er-Jahren im klassizistischen Stil entstand, teilweise ohne die damals erforderlichen Genehmigungen, eine gotische Vorgängerkirche ersetzte und viele Jahrzehnte den Mittelpunkt der einst überregional bedeutenden Tanner Wallfahrt bildete. Die Bauleitung lag bei Martin Desch aus Pfarrkirchen. Dr. Drost verwies auf stilistische Ähnlichkeiten zur Kirche in Asbach und hob besonders den kunstvoll gestalteten, über zwölf Meter hohen Hochaltar mit seinem viersäuligen Marmoraufbau hervor. Dieser wurde 1805 von Johann Dopler geschaffen und gilt als der drittgrößte Hochaltar der Diözese, ein herausragendes Schmuckstück des Kirchenraums.
Nach einer kurzen Pause informierte Wolferseder über weitere heimatgeschichtliche Themen. Zunächst widmete er sich dem Tanner Wachsmarkt, der seinen Ursprung bereits im 14. Jahrhundert als Viehmarkt hat und traditionell am letzten Donnerstag vor Maria Lichtmess (2. Februar) stattfindet. Im Laufe des frühen 20. Jahrhunderts entwickelte er sich zunehmend zu einem Warenmarkt mit geselligem Treiben in den Gaststätten sowie politischen Kundgebungen. Seinen Namen verdankt der Markt den kunstvoll verzierten Wachsstöckln, die Dienstboten früher von ihren Dienstherren als Anerkennung zu Lichtmess erhielten. Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1925 rundete diesen Themenblock anschaulich ab.
Ein weiteres Augenmerk galt dem nahezu vergessenen Brauch des Rauhwuggerllaufs im Rottal-Inn. Während der Rauhnächte zogen früher junge Burschen in zotteligen Fellen durch die Dörfer und machten lautstark auf sich aufmerksam. Der Name leitet sich von „rauh“ im Sinne von Rauhware ab und beschreibt das pelzige Erscheinungsbild der Gestalten. Ziel war es nicht primär, Menschen zu erschrecken, sondern symbolisch böse Geister und Dämonen zu vertreiben.
Abschließend wies Wolferseder auf die Neugründung des Vereins für Heimat- und Familienforschung Niederbayern hin, die am Samstag, 17. Januar 2026, in Plattling stattfindet. Zudem stellte er neue Beiträge auf der Homepage zur Geschichte Tanns vor: eine kurze Chronik des ehemaligen Schuhgeschäfts Högl – Schmickl – Schustetter in der Kirchengasse sowie einen Nachruf auf den im vergangenen September verstorbenen Pop-Art-Künstler Philipp „Phil“ L. Herold (1980–2025). Der Künstler mit Tanner Wurzeln war international anerkannt und pflegte Kontakte zu Weltstars wie Sting, den Rolling Stones, Johnny Depp und Kris Kristofferson, ebenso wie zu bekannten bayerischen Persönlichkeiten wie Gerhard Polt, Gisela Schneeberger und Ilse Neubauer.
Nach dem offiziellen Teil klang der Abend in einem geselligen Beisammensein mit regem Informations- und Gedankenaustausch unter den Gästen aus.
Chronik-des-ehemaligen-Schuhgeschaefts-Hoegl-Schmickl-Schustetter-in-der-Kirchengasse-002.pdf
Philipp-Phil-Ludwig-Herold-ein-Pop-Art-Kuenstler-mit-Tanner-Wurzeln.pdf
