Die Frauen Union Tann mit ihrer Vorsitzenden Michaela Hennersberger erhielt kürzlich von der Ehrenkreisvorsitzenden, Kreisrätin und ehemaligen Landtagsabgeordneten Reserl Sem interessante Einblicke in die Geschichte rund um die Entstehung des einzigen Vertriebenendenkmals in Niederbayern am Rahmenberg in Tann sowie in die Gründung des Fördervereins „Denkmal der Heimatvertriebenen e. V.“.
Reserl Sem begrüßte unter den Gästen unter anderem Kreisrat und Bürgermeister Wolfgang Schmid sowie zahlreiche Mitglieder und Nichtmitglieder der Frauen Union gemeinsam mit der Vorsitzenden Michaela Hennersberger und der Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Markträtin Marianne Rott und erinnerte sie an die Bedeutung des Denkmals und bedankte sich beim Markt Tann für dessen kontinuierliche Unterstützung, insbesondere durch finanzielle Zuwendungen und die Pflege der Gedenkstätte.
Der geschichtsträchtige Rahmenberg erhielt seinen Namen von den dort früher ansässigen Tuchmachern, die ihre Tücher zum Trocknen aufhängten. Eine besondere Bedeutung erlangte der Ort am 1. Mai 1945. Nachdem weiße Fahnen vom Kirchturm gehisst worden waren, entfernten Fanatiker diese wieder. Reserl Sem berichtete, dass Tann vermutlich zerstört worden wäre und zahlreiche Menschen ihr Leben verloren hätten, wenn die Ungarn den amerikanischen Truppen nicht mit weißen Fahnen friedlich entgegengetreten wären. So konnte die Übergabe des Marktes ohne größere Zerstörungen und Blutvergießen erfolgen.
Die Bevölkerungsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg verdeutlicht die damalige Situation eindrucksvoll: Während Tann im Jahr 1939 rund 1.050 Einwohner zählte, waren es Ende 1945 bereits etwa 8.000. In nahezu jedem Haus und auf vielen Bauernhöfen wurden mehrere Heimatvertriebene aufgenommen. Diese engagierten sich schon früh in ihrer neuen Umgebung und wollten aktiv am Aufbau ihrer neuen Heimat mitwirken. In Tann habe damals das Motto gegolten: „Die Vertriebenen gelten als Bürgerinnen und Bürger, weil sie sehr arbeitseifrig sind.“
Im Jahr 1952 wurde das heute noch bestehende Denkmal mit dem Text „Dem deutschen Osten und seinen Toten“ errichtet. 2002 folgte die Gründung des Fördervereins „Denkmal der Heimatvertriebenen e. V.“. Mit großem persönlichen Einsatz und zahlreichen Spenden konnte unter anderem eine Kreuzigungsgruppe restauriert und am Rahmenberg aufgestellt werden. Ergänzt wurde die Anlage durch einen Kreuzweg, der vom Maler Rudi Baudler gestaltet wurde. Im Zuge der Städtebauförderung wurden außerdem die Wege zum Rahmenberg instand gesetzt. Der heute wegen Vandalismus videoüberwachte Platz bietet einen beeindruckenden Blick über den Marktplatz und die Kirche von Tann. Im Jahr 2003 wurde das Denkmal in die Denkmalliste aufgenommen.
Ein weiterer wichtiger Termin steht am 20. September 2026 bevor. An diesem Tag findet der diesjährige ökumenische Gottesdienst am Denkmal statt, zu dem in der Vergangenheit bereits hochrangige politische Würdenträger und Minister zu Gast waren. In diesem Jahr ist Dr. Olaf Heinrich zur Veranstaltung angekündigt.
Reserl Sem betonte die zeitlose Bedeutung des Erinnerns und verwies auf einen Ausspruch von Ludwig Erhard: „Unser Tun dient nicht nur der Stunde, dem Tag oder diesem Jahr. Wir haben die Pflicht, in Generationen zu denken.“ Gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen und der Sorge vor neuen kriegerischen Auseinandersetzungen gewinne dieser Gedanke zunehmend an Bedeutung.
„Die Vergangenheit hat gezeigt, welche Fehler gemacht wurden“, so Sem. Das Denkmal solle die Menschen wachrütteln und daran erinnern, wie wichtig Frieden, Zusammenhalt und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte seien. Es sei daher wichtig und wertvoll, dass ein solches Mahnmal erhalten bleibe und auch kommenden Generationen die Ereignisse der Vergangenheit vor Augen führe.
Der Förderverein zählt derzeit 35 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt zehn Euro. Reserl Sem bedankte sich bei allen Zuhörerinnen und Zuhörern für ihr Interesse und äußerte den Wunsch, dass der Verein auch in Zukunft fortbestehen und das Denkmal weiterhin erhalten werden könne. Gleichzeitig bat sie die Anwesenden um Unterstützung.
Vorsitzende Michaela Hennersberger bedankte sich bei Reserl Sem für den informativen und geschichtlich interessanten Vortrag. Auch Bürgermeister Wolfgang Schmid würdigte das Engagement von Reserl Sem und sprach sich dafür aus, das Denkmal noch stärker in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu rücken. Er regte zudem an, eine Veranstaltung in ähnlicher Form speziell für die örtliche Jugend anzubieten.
Zum Abschluss ließ die Runde den informativen Abend bei einem gemütlichen Beisammensein in der Außengastronomie des „Filou“ ausklingen, das inzwischen wieder einen neuen Pächter gefunden hat.
