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Osterbrunnen und Binseneier
Freundeskreis der Hummelstube e.V.
01.04.2026, 22:07
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Die Osterbrunnen wurden früher etwas einfacher geschmückt als heute, dafür hatte jeder Hof seinen eigenen Brunnen.
Vor Ostern (bis zum Ersten Weltkrieg am Gründonnerstag) wurden zwei kleine Fichten links und rechts des Brunnens aufgestellt, die mit
farbigen Bändern und selbstgebastelten Papierrosen geschmückt wurden.
Die „Krönung“ aber stellten die zwölf bis fünfzehn Binseneier dar, die an jedes Bäumchen gehängt wurden. Diese Eier wurden selbst angefer-
tigt. Dazu holte man grüne Binsen, die an einem Gseer (heute würde man wohl Feuchtbiotop dazu sagen) oder am Rande von Gräben zu finden
sind. Das musste man allerdings bei zunehmen dem Mond tun - das ist kein Aberglaube. Das Binsenmark, also das Innere der Binsen, das man für die Eier benötigt, wird bei zunehmendem Mond stärker, der Saft schießt ein. Bei abnehmendem Mond ist der schafwollfarbene Markfaden dünn und brüchig oder die Binsen sind ganz leer. Man entfernt die grüne Hülle und schält das Mark mit dem Daumennagel vorsichtig heraus. Es ist weich und schmiegsam. Dann wird das Binsenmark spiralförmig und sehr dicht auf ein mit Mehlbabb (Mehlkleister aus Mehl und Wasser) bestrichenes, ausgeblasenes Hühnerei geklebt und mit Woll- oder Stoffresten verziert. Wer besonders geschickt ist, kann auch hübsche Muster
und Ornamente legen. Die Herstellung der Binseneier ist eine zeitaufwändige Bobbl-Ärbad und noch wenige kennen und können diese Form der Ostereierverzierung.
Nach den Osterfeiertagen wurde der Brunnenschmuck wieder entfernt, länger hätten sich die empfindlichen Binseneier auch nicht gehalten. Wer keinen Brunnen sein Eigen nannte, stellte übrigens einige mit Binseneiern dekorierte Zweige auf das Eckbrett in der Wohnstube.

Wir wünschen Ihnen vom Freundeskreis der Hummelstube und dem Museum Hummelstube 
Frohe OSTERN. 

PS: hier können Sie unter "Osterbrunnen und Binseneier.pdf" dieses Thema downloaden. 


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Beschreibung

Freundeskreis der Hummelstube e.V. Der Verein wurde 1993 mit folgender Zielsetzung gegründet: „Zweck des Vereins ist die Förderung von Kultur und Brauchtum. Insbesondere obliegt dem Verein die Unterstützung der Hummelstube bei der Sammlung, Bewahrung und Erschließung von Zeugnissen der Geschichte und Kultur des Hummelgaues, die Beschaffung von Exponaten sowie dessen sonstige Förderung. Der Verein bemüht sich die Hummelstube (mit den Exponaten) zu erhalten und diese zu betreiben.“ (Auszug aus der Vereinssatzung)