Zum Thema "Babyboomer" und der Rentenkasse. Da in den Medien oft falsch oft zumindest sehr einseitig dargestellt wird, "die Babyboomer sind schuld, dass die Rentenkasse leer ist. Das Problem ist nicht die Generation an sich, sondern das System des Umlageverfahrens in Kombination mit demografische und wirtschaftslichen Entwicklungen und politische Versäumnisse das System umzustellen.
Zweckentfremdung und versicherungsfremde Leistungen (siehe auch Teufel-Tabelle)
Milliarden-Entnahmen: Seit ca. 1957 wurden über 1.000 Milliarden Euro aus der gesetzlichen Rentenversicherung für versicherungsfremde Leistungen (z.B. Kriegsfolgelasten usw.) zweckentfremdet. Die Sozialverbände und Gewerkschaften fordern seit Jahren , dass solche Leistungen zu 100% aus Steuermitteln finanziert werden müssen, damit auch Beamte, Selbstsständige und Politiker herangezogen werden.
Die Kosten der Wiedervereinigung, Finanzierung über die Rentenkasse: Nach der Wiedervereinigung 1990 erhielten ehemalige DDR-Bürger eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, ohne zuvor in dieses spezifische System eingezahlt zu haben.
Kritik an der Treuhand: Das einstige DDR-Volkseigentum (über 8.500 Betriebe) wurde zu 85 Prozent an Westdeutsche, 5 Prozent an Ostdeutsche und zu 10 Prozent an internationale Investoren sehr günstig verkauft, statt damit auch die Rentenlasten gesellschaftlich breiter abzufedern. (Beutezug Ost = Bericht siehe Fernsehsendung Frontal)
Demografischer Wandel und Lebenserwartung:
Verschlechtertes Renten-Arbeitnehmer-Verhältnis: Im Jahr 1960 kamen auf 100 Arbeitnehmer noch 18 Rentner (Verhältnis: 5.56) Im Jahr 2020 kamen auf 100 Arbeitnehmer bereits 34,8 Rentner. (Verhältnis: 2,68). Dies entspricht rein kaufmännisch einem Rückgang des verfügbaren Kapitals pro Rentner ca. 50%.
Steigende Lebenserwartung: Frauen des Geburtsjahrganges 1970/72 haben ab dem 65. Lebensjahr eine restliche Lebenserwartung von 15,18 Jahre, bei den Jahrgängen 2019/21 sind dies bereits 21,10 Jahre. Also muss somit im Schnitt 6 Jahre länger finanziert werden, was einem zusätzlichen Kapitalbedarf von ca. 40% entspricht.
Ungleichgewicht zwischen Rente und Pension:
Vergleich der Bezüge für das Jahr 2023: Die durchschnittliche gesetzliche Rente lang bei 1.543 €, die durchschnittliche Pension = 3.480 €.
(Warum ist der Unterschied zu hoch ? Siehe Anlage)
Fazit & Lösungsansätze: Das aktuelle Rentensystem (Umlageverfahren) ist eigenlich nicht mehr zu finanzieren.
Bürgerversicherung: Nach vielen Fachleuten und einigen Politischen-Parteien sollten allle Erwerbstätigen (Arbeitnehmer, Beamte und Selbstständige) in ein gemeinsames System einzahlen - ähnlich wie in Österreich.
Österreich:
Der Beitragssatz liegt bei 22,8%. (höher als die 18,6% in Deutschland)
Verteilung: Der Arbeitgeber zahlt mit 12,55% mehr als der Arbeitnehmer mit 10,25% (in Deutschland gilt die 50/50-Aufteilung)
Effekt: Obwohl der Arbeitnehmer nur 0,95% mehr einzahlt als in Deutschland erhält er rund 30% mehr Rente. (siehe Deutsche Rentenvers.)
Staatsfonds: Norwegen setzt stark auf einen staatlichen Pensionsfonds
(Volumen ca. 1,83 Billionen Euro, was rechnerisch 327.000 € pro Einwohner entspricht.)
Vorteile: Der Fonds verwaltet die Mittel für die Sozialversicherung mit wenig Personalaufwand und erzielt eine Rendite von 6%. Bürger können zwar keine direkte Anteile kaufen. Investmenthäuser bilden das Modell jedoch teilweise nach.
Die Generation der Babyboomer hat Ihr Leben lang gearbeitet. Beiträge eingezahlt und das System getragen. Sie haben ihren Rentenanspruch redlich verdient. Dass das System jetzt unter Druck gerät, liegt an der mathematischen Struktur der Umlage und dem verpassten rechtzeitigen Umbau - nicht an den Menschen, die in diesen geburtenstarken Jahrgängen geboren wurden.
Ich hoffe Sie haben jetzt einen kleinen Einblick über die Gesetzliche Rente und die Altersvorsorge. Diese Infos können Sie auch nachschauen auf der Seite der "Gesetzlichen Rentenversicherung", IG-Metall usw.
Noch etwas persönliches, was mich stört, wenn man sich jahrzehnte lang mit der Rente beschäftigt. Die Zweckentfremdung von Rentengittern (versicherungsfemde Leistungen) interessiert anscheinend niemanden, während das Heizungsgesetz (GEG) fast eine Staatskrise ausgelöst hat, liegt wahrscheinlich an einer Mischung aus menschlicher Psychologie, Sichtbarkeit und politischer Kommunikation. Der Heizkessel steht ja im eigenen Keller und ist sichtbar. Bei der Rente: Merkt der Einzelne nicht, die Rentenbeiträge werden seit jeher automatisch vom Bruttogehalt abgezogen und was ist in 40 Jahren? Die Fremdleistungen fühlt sich nicht wie ein aktiver Raub an. Man muss sagen, die Rentenpolitik ist hochkompliziert, trocken und voller bürokratischer Begriffe. Das eignet sich schlecht für emotionale Schlagzeilen, die Klicks und Einschaltquoten bringen. Heizung und Klima hingegen sind die perfekten Kulturkampf-Themen. Begriffe wie "Heizhammer" oder "Wärmepumpen-Zwang" lassen sich hervorragend emotionalisieren. Die Boulevardpresse und gewisse Parteien konnten hier ein klares Feinbild aufbauen.
Die Plünderung der Rentenkasse (seit 1957) ist schlicht der Weg des geringsten politischen Widerstands, es verzerrt das Bild der Rentenversicherung, die oft als "marode" dargestellt wird, obwohl sie Milliarden für Aufgaben ausgibt, die gar nicht ihre wären.
Meine Empfehlung, wer nicht den Luxus des Beamtenstatus samt Pension genießt, kommt um die private und betriebliche Altersvorsorge (bAV) eigentlich gar nicht mehr herum.
Benno Buckenleib -
Nachhaltigkeits-Berater (Altersvorsorge)
inaf Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen e.V. ECOreporter-Akademie
