Die 102-jährige Rosemarie Neumann, die ihre Kindheit im niederschlesischen Breslau verbrachte, berichtete den gebannt lauschenden Neunt- und Zehntklässlern über ihr sehr bewegtes Leben.
Die Schlagzeilen sind in diesen Tagen geprägt von Krieg und Gewalt, von Leid und Zerstörung. Trotzdem Leben wie hier im Wohlstand, zumindest materiell hat jeder was er braucht, um gut und gesund aufwachsen zu können. Schulleiter Christian Sagmeister liegt es sehr am Herzen, seinen Schülern zu vermitteln, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist und das Demokratie, Friede und Rechtsstaatlichkeit geschützt und verteidigt werden müssen.
Zu Beginn ihres eineinhalbstündigen Vortrags berichtete die sehr agile und wortgewandte Zeitzeugin von ihrer Kindheit, die geprägt war von den Nachwehen des verlorenen ersten Weltkrieges. „Man hatte nicht viel, aber es reichte zum Leben.“ so Neumann und trotz zahlreicher Entbehrungen war man zufrieden: „Zu Weihnachten gab es keine Geschenke und trotzdem freute man sich und war glücklich, den Baum leuchten zu sehen.“
Schon in dieser Zeit schaffte es Hitler mit vielen großen Versprechungen, die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Demokratie und Pressefreiheit wurden untergraben und abgeschafft. Die Wirtschaft und das Land auf Krieg getrimmt und der Hass gegen Juden und Andersdenkende geschürt. Im engsten Freundes- und Bekanntenkreis musste Rosemarie Neumann erfahren, wie es jüdischen Familien in dieser dunklen Zeit erging.
Als fast fertige Medizinstudentin wurde sie gegen Ende des Weltkrieges ins Militärkrankenhaus beordert. Rosemarie Neumann erzählte von einem Tag kurz vor Kriegsende: Bereits zuvor war sie immer wieder knapp dem Tod entkommen. Die SS beschoss im Schutz des Lazaretts mit dem roten Kreuz auf den Dächern die amerikanischen Soldaten. Die Krankenschwestern suchten Zuflucht in einem Kellerabteil des späteren Rathauses in Aholming in der Nähe von Plattling. Neumann legte sich hinter eine mit Löschwasser gefüllte, gusseiserne Wanne. Ich war die einzige Überlebende. Die Badewanne hat mich gerettet.“
Rosemarie Neumann überlebte den Krieg, stand aber vor dem Nichts. In ihre Heimat Breslau konnte sie nicht mehr zurück. Ihre Familie und ihr Verlobter waren im Krieg gestorben. Wie sie sich als alleinstehende junge Frau in Niederbayern weiter durchschlug, nach einem verweigerten Medizinstudium als Lehrerin in Vilshofen Fuß fasste und sich mit ihrem Schicksal versöhnte, davon erzählt sie ihrem jungen Publikum. Eine Botschaft liegt ihr am Herzen: „Frieden ist kein Geschenk des Himmels, ihr müsst ihn machen. Liebe füreinander und Respekt in der kleinsten Gemeinschaft und zwischen den Völkern sind wichtig.“
