Beim letzten Gruppentreffen hat sich die Dynamik ein wenig verändert. Zwei neue Teilnehmerinnen sind dazugekommen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie aufgeregt ich bei meinem ersten Treffen war. Wie schwer es mir gefallen ist, überhaupt etwas zu sagen. Wenn Menschen nervös sind, gehen sie ganz verschieden damit um – ich tendiere eher dazu wenig bis nichts zu sagen und andere erzählen schnell ganz viel und nehmen damit viel Raum ein. Die beiden Neuen gehören eher zu den letztgenannten. Sie erzählen ihre Geschichte, möchten verstanden werden und suchen Orientierung. Genau dafür ist die Gruppe ja auch da.
Und trotzdem habe ich während des Treffens etwas in mir bemerkt: das Gefühl, zu kurz zu kommen.
Die Gespräche drehten sich diesmal viel um die Themen und Erfahrungen der Neuen. Viele von uns „Alten“ hörten zu, machten Mut und erklärten Abläufe oder Gedanken, die für uns inzwischen vertraut sind. Währenddessen wurde mein eigenes Anliegen immer kleiner. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Zeit fast vorbei war und ich noch gar nicht dran war. Früher hätte ich dieses Gefühl vermutlich einfach weggepackt und mir eingeredet, dass es nicht so wichtig ist. Doch diesmal blieb die Frage in meinem Kopf: Wie kann eine Gruppe eigentlich allen gerecht werden?
Denn natürlich sollen neue Teilnehmer*innen willkommen sein. Ich weiß selbst, wie wertvoll dieses erste Gefühl von Verständnis und Offenheit sein kann. Gleichzeitig brauchen auch diejenigen weiterhin Raum, die schon länger dabei sind. Probleme verschwinden ja nicht einfach, nur weil man schon einige Monate in einer Gruppe sitzt. Auch die „Alten“ tragen ihre Themen, Zweifel und Ängste mit sich immer noch herum.
Vielleicht gibt es darauf keine perfekte Antwort oder festes Konzept und vielleicht gehört genau dieses Ausprobieren zu einer Selbsthilfegruppe dazu. Mal braucht jemand mehr Aufmerksamkeit, weil gerade alles zusammenbricht. Mal nimmt sich jemand bewusst zurück, um anderen Raum zu geben. Und manchmal muss man lernen, auszusprechen, wenn man selbst etwas braucht.
Genau das nehme ich aus diesem Treffen mit: Gemeinschaft bedeutet nicht nur zuzuhören und Verständnis zu zeigen. Gemeinschaft bedeutet auch, ehrlich zu sagen, wenn etwas fehlt. Es ist einfach wichtig, auch solche Themen offen in der Gruppe anzusprechen. Nicht als Vorwurf, sondern als gemeinsame Frage: Wie schaffen wir es, dass sich neue und alte Teilnehmer*innen gleichermaßen gesehen fühlen?
Denn am Ende kommen wir doch alle aus demselben Grund dorthin: Wir möchten verstanden werden, uns beim Treffen wohlfühlen und mit dem Gefühl nach Hause gehen, nicht allein zu sein.
Der Beitrag Mein Weg in die Selbsthilfe – Teil 8 erschien zuerst auf Kiss Mittelfranken.
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