Ein Gärtner aus Bergebersbach macht große Karriere in königlich-preußischen Diensten
Der Tiergarten in Berlin geht in den Ursprüngen bis ca. 1500 zurück. 1718 wurde ein Dietzhölztaler vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zum „Lindenplanteur“ am Berliner Tiergarten berufen. Es war Johann Justus (Jost) Seel, der am 8. April 1690 in Bergebersbach geboren wurde (✝ 19.10.1768 in Berlin) und den es bereits in jungen Jahren nach Berlin zog. Dort heiratet er 1718 Rahel Güntsch. Ab 1742 arbeitete er als königlicher Planteur des Tiergartens an dessen Umgestaltung zu einem barocken Lustpark mit. Er schmückte das Areal unter anderem mit Bosketten und pflanzte 1743 am Weg von und nach Charlottenburg, heute Straße des 17. Juni, 6.000 Linden. Außerdem legte er 1754 am Landwehrgraben eine Maulbeerplantage an. Er änderte seinen Namen in „Sello“ und gilt als Begründer der Hofgärtnerdynastie Sello, die über Generationen in königlich-preußischen Diensten stand. Der Name „Sello“ klang wesentlich städtischer, höfischer und damit vornehmer als nur „Seel“.
Sein Vater war Schneider in Bergebersbach und heiratete 1666 in die alteingesessene Familie Aurand ein.
Die Familie Seel wohnte in Bergebersbach und war Ackerbürger und hatte wohl einen eigenen Hof. Die Familie war eine weitere Generation zuvor aus dem Nachbarort Weidelbach nach Bergebersbach gezogen. In Weidelbach ist eine Familie Seel und manchmal auch Sell geschrieben, mehrfach durch vorhandene Steuerakten bezeugt, bis in die Zeit Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgehend. Damals wurden nur Besitzende besteuert und die Familie Seel in Weidelbach zahlte die zweithöchste Steuer des Ortes, was allerdings damit belohnt wurde, dass er Schultheiß, gewissermaßen Bürgermeister des Ortes – zehn Häuser damals – wurde.
(Eine Recherche von Armin Wickel/Geschichtswerkstatt Neuhütte Dietzhölztal e. V.)
Bild: Johann Justus (Jost) Sello; Bildquelle: www.hofgaertner-sello.de
