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Autorin Gabi Geiersberger zu Gast bei den Heimatfreunden
Heimatfreunde Markt Tann
11.04.2026, 18:43
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Wo Sagen das Dunkel der alten Zeit bewahren

Gabi Geiersberger entführte die Heimatfreunde in die Sagenwelt des Rottals – erzählend, singend, und mit einem Blick hinter die Kulissen der Volkstradition.

Es war ein Abend, der das Vergessene lebendig werden ließ: Am Freitag, 10. April, luden die Heimatfreunde zu einem ihrer Treffen in den Grainersaal ein. Mit Gabi Geiersberger aus Massing hatten sie eine ausgebildete Erzählerin gewonnen, die dem Rottal die Stimme seiner mythischen Vergangenheit verleiht.

Die Buchautorin, bekannt durch ihr bereits erschienenes Werk „Lus a weng zua – Fast vergessene Sagen und Geschichten aus dem Rottal“, führte das Publikum auf eine Reise durch eine Welt, die zwischen Erinnerung und Mythos liegt. Mal erzählend, mal singend, verstand sie es, in gekonnter schauspielerischer Manier Sagen und Geschichten aus der Region zum Leben zu erwecken und dabei keinen Zweifel daran zu lassen, dass hinter jedem Bericht über Irrlichter, Geister und geheimnisvolle Begegnungen mehr steckt als bloße Phantasie.

Besonders aufschlussreich waren die Einblicke, die Geiersberger in Entstehung und Funktion von Volkserzählungen gab. Sagen hätten in vergangenen Jahrhunderten eine gesellschaftliche Aufgabe erfüllt: Sie vermittelten Regeln und Normen – oft auch sperrig und düster –, die auf anderem Wege schwer zu vermitteln gewesen wären. Das Unheimliche war kein Selbstzweck, sondern ein Lehrmeister. „Die Sage ist die Schwester des Märchens“, meinte Geiersberger sinngemäß.

Diese ursprünglichen Absichten traten in den vorgetragenen Geschichten eindrucksvoll zutage. Da war der Geist in der Ziegelei, der keine Ruhe fand; da war der unheimliche "Lichtlwald" mit seinen wandelnden Irrlichtern. Geiersberger erzählte von der Drud, jenem unheimlichen Alp-Wesen , dem man mit überlieferten Abwehrsprüchen zu begegnen suchte, und von Seelen, die den Körper verließen und als Irrlichter durch die Finsternis streiften. Hexensagen, in denen Frauen sich dem Teufel freiwillig verschrieben hatten und deshalb – so die damalige Lesart – auf keinerlei Mitleid hoffen durften, reihten sich ebenso ein wie Gruselgeschichten aus der Mettennacht, die dem einen oder anderen im Publikum sichtlich eine Gänsehaut bescherten.

Eine besondere Beobachtung wollte die Autorin dem Publikum nicht vorenthalten: Im Vergleich zu den Sagen anderer Landstriche falle im Rottal eine hohe Präsenz des Teufels auf, des Sparifankerls, wie er im Volksmund genannt wurde. Ob das ein Zufall der Überlieferung sei oder etwas über den Charakter der Region verrate, ließ Geiersberger mit einem verschmitzten Lächeln offen.

Neben dem bereits veröffentlichten Band schöpfte Geiersberger auch aus ihrer laufenden Sagensammlung des Rottals: Stoff für ein künftiges Buch, am dem sie gerade schreibe.

Die ca. sechzig Heimatfreunde waren beeindruckt: Selten verbinden sich volkskundliche Kenntnis und erzählerisches Talent so geschmeidig wie an diesem Abend im Grainersaal.

Nach der Pause stellte der Heimatbeauftragte Josef Wolferseder noch eine Biografie über Otto Altbauer vor, den viele aus der Region noch als „Komiker Ottl“ in lebhafter Erinnerung haben. Außerdem wurde eine Aktualisierung der Biografie zum Tanner Holzschnitzer Alfons Buchleitner präsentiert, die in der neuen Version im Anhang weitere Fotos seiner Werke enthält.

Musikalisch umrahmt wurde der sehr gesellige Abend von Helmut Wagner mit der Zither und Ernst Schmölzl mit der Gitarre.


Beschreibung

Heimatfreunde Markt Tann. Stammtisch zum Austausch von Informationen über die Geschichte des Marktes Tann. Unsere Idee: Kein Verein, keine Beiträge, keine Satzung – stattdessen ein offener, freiwilliger Austausch alle zwei Monate. Unser Anspruch und Ziel: Heimatgeschichte für alle Altersgruppen lebendig zu halten und altes Wissen über Tann zu teilen oder gar neu zu entdecken. Unser Motto: Alle sind willkommen, ob sie sich nun aktiv einbringen oder sich lediglich informieren wollen! "Ohne Heimatwissen, die Frucht der Heimatforschung, keine Heimatliebe" (Prof. Max Heuwieser)