Was 2015 mit einem SchĂŒleraustausch begann, fand nun seinen vorlĂ€ufigen Höhepunkt: die indische Traumhochzeit von Himani Rahalkar. Damals verbrachte sie zwei Monate bei der Familie HĂ€rtl in MĂŒhlhausen. Ein Jahr spĂ€ter reiste Leoni, die Tochter der HĂ€rtls, fĂŒr zwei Monate nach Indore in Zentralindien. Schon damals wuchs eine enge Freundschaft zwischen den Familien â so eng, dass beide ihre Gasteltern heute liebevoll âMomâ und âDadâ nennen. Himani begann spĂ€ter ein Deutschstudium in Mumbai und studierte anschlieĂend Betriebswirtschaft in Heidelberg. Trotz der Distanz blieben die beiden Freundinnen in engem Kontakt â und trafen sich regelmĂ€Ăig.
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Im Dezember kam es zu einem besonderen Zufall: Beide heirateten innerhalb von zwei Wochen. Zuerst Himani (26) ihren Ehemann Chinmay, kurze Zeit spĂ€ter Leoni, selbststĂ€ndige Hebamme, ihren Lukas. FĂŒr Himani war klar: âIch heirate nur, wenn meine Gastfamilie dabei ist.â
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Die HĂ€rtls reisten trotz groĂer Entfernung nach Indien â und erlebten dort nicht nur eine Traumhochzeit, sondern eine unvergessliche Reise voller kultureller und landschaftlicher EindrĂŒcke. Vier Tage lang wurde nach hinduistischem Brauch gefeiert: Frauen lieĂen sich HĂ€nde und Arme mit roter Hennafarbe verzieren, die GlĂŒck, Fruchtbarkeit und ein langes Leben symbolisiert. Musikkapellen und Tröten sorgten fĂŒr einen enormen GerĂ€uschpegel, um böse Geister zu vertreiben, und ein weiterer Ritualtag stand ganz im Zeichen der Farbe Gelb, wĂ€hrend die Trauung durch einen hinduistischen Priester stattfand.
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Nach der Hochzeit begann die Rundreise: Von Indore im Bundesstaat Madhya Pradesh stand zunĂ€chst ein Inlandsflug nach Delhi an. Von dort ging es mit einem kurzen Aufenthalt weiter nach Udaipur im Bundesstaat Rajasthan, bekannt als âVenedig des Ostensâ. Hier standen Besichtigungen des Stadtpalastes, des Jagmandir Island Palastes, verschiedener Tempel sowie des Gartens des königlichen Hofes auf dem Programm. Ăbrigens wurden in dieser Stadt Teile des James-Bond-Films Octopussy mit Roger Moore gedreht.
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Danach brachte sie ein Fahrer ĂŒber eine Tagesetappe von ca. 500 km durch das unglaubliche Verkehrschaos des Landes nach Jaipur. Auf dem Programm standen der Palast der Winde, der Stadtpalast, das Fort Nahargarh, Besichtigungen einer Juwelen-Schleiferei und verschiedener Textilbetriebe sowie das Albert Hall Museum und das Zentralmuseum.
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Ein weiterer Inlandsflug fĂŒhrte von Jaipur nach Haridwar, von wo aus ein Fahrer die Gruppe in ein Bergdorf am Rande des Himalaya brachte. Hier konnten die ersten 7.000 Meter hohen verschneiten Gipfel bestaunt werden. Besonders eindrucksvoll war ein seltenes WetterphĂ€nomen beim Sonnenuntergang: die sogenannte âWinterlineâ, ein farbiger, falscher zweiter Horizont, der durch Temperaturunterschiede und Spiegelung von Dunstschichten entsteht.
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Am nĂ€chsten Tag fĂŒhrte die Reise nach Rishikesh im Bundesstaat Uttarakhand, direkt am sauberen Ganges, der noch direkt aus den Bergen des Himalaya flieĂt. Die Stadt ist bekannt fĂŒr den Ashram, in dem sich 1968 die Beatles mehrere Monate aufhielten. Die FĂŒhrerin zeigte zahlreiche Tempel, Ashrams, die Altstadt sowie die weltberĂŒhmten HĂ€ngebrĂŒcken. Abends konnte eine hinduistische Zeremonie am Flussufer mit Feuer- und Flussopfern besucht werden. Dass Rishikesh laut unserer FĂŒhrerin nicht nur eine Stadt, sondern ein LebensgefĂŒhl sei, erlebten die HĂ€rtls eindrucksvoll.
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Von Rishikesh ging es zurĂŒck ĂŒber einen Inlandsflug nach Delhi und von dort nonstop in ca. 9 Stunden Flugzeit nach Frankfurt.
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Besonders beeindruckend wĂ€hrend der gesamten Reise war nicht nur die landschaftliche Vielfalt von Zentralindien bis zu den AuslĂ€ufern des Himalaya, sondern auch die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit der Menschen â trotz der oft bitteren Armut. Die Reise bot ein starkes Erlebnis im Sinne der VölkerverstĂ€ndigung.
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Heute haben Himani und ihr Ehemann Chinmay in MĂŒnchen FuĂ gefasst, wo sie beruflich bei einer Versicherungsgesellschaft tĂ€tig sind. Leoni und Lukas blicken voller Vorfreude auf ihr erstes gemeinsames Kind und bereiten sich auf diese neue Lebensphase vor. Trotz der geographischen Entfernung pflegen beide Freundinnen weiterhin einen engen Kontakt â regelmĂ€Ăig telefonieren sie, tauschen Neuigkeiten aus und planen zukĂŒnftige Besuche. FĂŒr sie steht fest: Die Freundschaft, die vor mehr als zehn Jahren mit einem SchĂŒleraustausch begann, ist ĂŒber die Jahre hinweg gewachsen und unzertrennlich geworden. Das Band zwischen den Familien ist ebenso stark wie das zwischen Himani und Leoni selbst.
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âWir sehen uns wiederâ, betonen die beiden ĂŒbereinstimmend â ein Versprechen, das zeigt, wie weit ĂŒber Kontinente hinweg Freundschaft, Liebe und Familie verbinden können.
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đŁ Reisebegeisterte aufgepasst: Birgit und Thomas HĂ€rtl planen vermutlich im April einen bebilderten Vortrag im FF Haus ĂŒber ihre Indienreise. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Mehr Infos folgen in der Heimat App.
