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Pressemitteilung: Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird
Gemeinde Missen-Wilhams
12.10.2026, 08:26
Bilder (3)

Bei den Walderlebnistagen des AELF Kempten, die in Zusammenarbeit mit dem Bergbauernmuseum Diepolz stattfinden, entdecken Drittklässler die Tiere und Bäume des heimischen Waldes und erfahren, wie Waldarbeiter früher gearbeitet haben und heute arbeiten.

 

Immenstadt – Als Christoph Müller, Forstwirtschaftsmeister am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (AELF), die Motorsäge ansetzt, halten 20 Kinder den Atem an. Aus sicherer Entfernung verfolgen die Drittklässler der Grundschule Weitnau, wie sich der Stamm langsam neigt und kontrolliert zu Boden fällt. Sobald der Baum sicher am Boden liegt, dürfen die Kinder näherkommen. Sie bestaunen die frische Schnittfläche und stellen Müller eine Frage nach der anderen. Die Baumfällung wird zu einem der eindrucksvollsten Momente der Walderlebnistage. Rund 60 Jahre lang ist die Fichte im Wald bei Diepolz gewachsen und etwa 25 Meter hoch geworden.

 

An fünf Stationen lernen die Kinder den Wald nicht nur kennen, sondern beobachten, erfragen und begreifen ihn mit allen Sinnen. Vor der Fällung erklärt Müller den aufmerksamen Drittklässlern seine Arbeit und zeigt ihnen, worauf es beim sicheren und fachgerechten Fällen eines Baumes ankommt. „Mir ist wichtig, dass die Kinder erleben, wie viel Wissen, Verantwortung und Vorsicht hinter der Arbeit im Wald stecken“, sagt Müller. Anschließend zählen die Kinder auf der frischen Schnittfläche die Jahresringe der Fichte. Als Dank für ihre große Aufmerksamkeit überreicht Müller der Klasse einen mit der Motorsäge geschnitzten Igel.

 

Danach sind leises Pirschen und genaues Hinsehen gefragt. Vorsichtig bewegen sich die Schülerinnen und Schüler durch den von den Förstern vorbereiteten Waldparcours. Zwischen den Bäumen entdecken sie Hirsch und Reh, Eule und Eichhörnchen sowie Marder und Fuchs. Viele Fragen zu den heimischen Tierarten beantworten die Kinder aus dem Stegreif. Dabei zeigt sich, wie viel Wissen sie bereits mitbringen.

Besonders wissbegierig ist Sienna. Als es um die Eule geht, kann sie die Frage sofort beantworten: „Eulen können auch bei ganz wenig Licht noch gut sehen. Ihre Augen nutzen das Restlicht viel besser als unsere“, erklärt die Drittklässlerin. Große Pupillen und eine besonders lichtempfindliche Netzhaut helfen den überwiegend nachtaktiven Vögeln dabei, Hell-Dunkel-Kontraste zu erkennen und ihre Beute auch bei schwachem Licht zu verfolgen.

 

An einer weiteren Station erfahren die Kinder, wie wichtig die Mischung verschiedener Baumarten für einen stabilen Wald ist. Förster Sebastian Seifert macht die Unterschiede zwischen Mischwald und Monokultur in einem Spiel sichtbar. „Ein Mischwald ist wie ein gutes Team: Die verschiedenen Baumarten haben unterschiedliche Stärken und können Schäden besser ausgleichen“, erklärt Seifert. Die Schülerinnen und Schüler erleben dabei unmittelbar, warum ein vielfältig aufgebauter Wald widerstandsfähiger ist. In einem gleichförmigen Bestand kann ein Sturm dagegen große Teile der Bäume auf einmal umwerfen.

 

Einen Blick in die Vergangenheit bietet die Rosshütte des Bergbauernmuseums. Dort erfahren die Kinder, unter welchen schwierigen Bedingungen die sogenannten Holzer früher im Allgäuer Bergwald arbeiteten. Sie fällten die Bäume von Hand und brachten das Holz im Winter ins Tal. Besonders der Transport mit dem Hornschlitten beeindruckt die Klasse. Die schwere und häufig lebensgefährliche Arbeit wirft viele Fragen auf.

 

Am Ende nehmen die Drittklässler nicht nur die Erinnerung an eine eindrucksvolle Baumfällung mit nach Hause. Sie haben heimische Waldtiere entdeckt, die Bedeutung eines stabilen Mischwaldes kennengelernt und erfahren, wie mühsam die Waldarbeit früher war. Mit vielen Eindrücken und neuem Wissen macht sich die Klasse auf den Heimweg. Mit dabei ist der kleine Motorsägen-Igel als Erinnerung an einen besonderen Schultag im Wald.

Text: Eva Herz

Bildunterschriften:

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Wie alt war die gefällte Fichte? Ein Schüler zählt aufmerksam die Jahresringe auf der frischen Schnittfläche. Foto: Eva Herz

 

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Beim Mischwaldspiel zeigt Förster Sebastian Seifert anschaulich, warum ein vielfältig aufgebauter Wald Stürmen und anderen Belastungen besser standhalten kann. Foto: Eva Herz

 

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Bevor die Fichte fällt, erklärt Forstwirtschaftsmeister Christoph Müller den Drittklässlern die einzelnen Arbeitsschritte und worauf es bei einer sicheren Baumfällung ankommt. Foto: Eva Herz


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