Anlässlich der diesjährigen Bürgerversammlung gab der scheidende Bürgermeister Manfred Nerlinger wieder einen Rückblick auf wichtige Zahlen, Daten und Wegmarken des Jahres 2025.
Zahlen, Daten: Blick in die Statistik
Die Einwohnerzahl Wehringens (nur Hauptwohnsitz) blieb im Jahr 2025 mit 3.206 Einwohnern zum 31.12.2025 etwa auf dem Niveau des Vorjahres (3.222 zum 31.12.2024). Aktuell mit Stand 20.04.2026 zählt Wehringen 3.244 Einwohner (nur Hauptwohnung).
Seit Beginn von Nerlingers Amtszeit in 2008 bis zum 20.04.2026 steigerte sich die Einwohnerzahl um insgesamt 373 Personen. Eine von der Gemeinde Wehringen im Rahmen der Schulplanung in Auftrag gegebene Bevölkerungsprognose geht von rund 3.700 bis 3.900 Einwohnern im Jahr 2035 in Wehringen aus.
Die Zahl der Geburten lag 2025 bei 22 (27 in 2024), die der Sterbefälle bei 21 (19 in 2024).
Erfreulich ist die Zahl der 897 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, die Wehringen zum 31.12.2025 bot (813 zum 31.12.2024). Im Vergleich zu Januar 2008, als lediglich 221 Arbeitsplätze in Wehringen vorhanden waren, bedeutet dies eine enorme Steigerung um 676 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vor Ort.
Die AWO-Kindertagesstätte Wehringen besuchen derzeit rund 190 Kinder und finden Betreuung in fünf Kindergarten-, drei Krippen-, einer Outdoor-Gruppe. Das aktuell von der Gemeinde Wehringen zu tragende Defizit für den laufenden Betrieb liegt bei fast 900.000 Euro. Im Kindergartenbereich fließen lediglich circa 6,5 Prozent der anfallenden Kosten über Elterngebühren ein, im Bereich Krippe etwa 15 Prozent. Die Kommunen wie auch die Kita-Träger bräuchten daher dringend mehr Unterstützung durch den Freistaat, so Nerlinger.
125 Schülerinnen und Schüler besuchen die Grundschule Wehringen. Zum Schuljahresbeginn 2026/27 wird die Schule erstmals komplett zweizügig sein, das heißt, jede Jahrgangstufe hat dann zwei Klassen. Die Klassenzahl hat sich innerhalb von vier Jahren verdoppelt. Derzeit wird „hinter den Kulissen“ bereits mit Nachdruck am Aufbau der für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erforderlichen Strukturen ab September gearbeitet.
Die Haushaltslage der bayerischen Kommunen hat sich in den Jahren 2023 bis 2025 exponentiell verschlechtert. Auch die Finanzlage der Gemeinde Wehringen ist davon betroffen. Bereits bei der Aufstellung des Haushalts 2025 (Gesamtvolumen ca. 14,5 Mio. Euro, Verwaltungshaushalt 7,0 Mio. Euro) zeigte sich die schwierige Situation: So erhielt Wehringen in dem Jahr keine Schlüsselzuweisungen durch den Freistaat Bayern (2024: 588.000 Euro) und wurde gleichzeitig durch eine hohe Kreisumlage von 2,6 Mio. Euro (2024: 1,8 Mio. Euro) belastet. Dazu kamen im Lauf des Jahres Gewerbesteuerausfälle und -rückzahlungen in Höhe von insgesamt 800.000 Euro. Während in den Jahren 2020 bis 2024 für verschiedene Investitionen Kreditaufnahmen von rund 7 Mio. Euro nötig waren (0,8 Mio. Euro sind zwischenzeitlich bereits getilgt), erfolgt für 2025 und 2026 jedoch keine Neuverschuldung.
Der Haushalt 2026 sei im Gegensatz zum Haushalt 2025 ein positives Zahlenwerk, so Nerlinger. „Wir haben die größte Talsohle zwar durchschritten, aber es besteht leider auch kein Grund zur Entwarnung. Einsparungen bei den freiwilligen Leistungen werden in den nächsten Jahren unumgänglich sein.“
Der Haushalt 2026 umfasst ein Gesamtvolumen von 16 Mio. Euro, davon 8,5 Mio. Euro Verwaltungshaushalt. Die Einnahmen setzen sich u.a. zusammen aus der Einkommensteuerbeteiligung von rund 2,7 Mio. Euro, der Gewerbesteuer (1,68 Mio. Euro) und den Schlüsselzuweisungen (0,67 Mio. Euro). Ausgaben fallen u.a. an für die Kreisumlage (2,0 Mio. Euro) sowie Personalkosten (1,6 Mio. Euro; dies entspricht 17,6 Prozent des Verwaltungshaushalts und liegt damit unter dem Landesdurchschnitt von 21,5 Prozent). Dem Vermögenshaushalt (Umfang: 7,5 Mio. Euro) können dadurch 1,5 Mio. Euro zugeführt werden, welche letztlich für Investitionen zur Verfügung stehen. Davon stehen auch in diesem Jahr für die Gemeinde wieder einige an: Kanalnetzverbesserungen, die Kindergarten-Außenanlagen, die Erschließung des Gewerbegebiets „Hoechst“, Planungskosten für die Grundschule, Ausgleichsflächen und Aufforstungen, Buswartehäuschen in Wehringen West oder eine Photovoltaikanlage für die Dächer an Rathaus und Kläranlage. Einnahmen für den Vermögenshaushalt generieren sich u.a. aus Grundstücksverkäufen oder Zuschüssen der Städtebauförderung. So wird beispielsweise der Grundstückserwerb für den Generationenpark Pfarrgarten aus diesen Mitteln gefördert. Rund 2,8 Mio. Euro können damit schließlich der Sonderrücklage (beispielsweise für den Neubau der Grundschule etc.) zugeführt werden.
Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe: Wichtige soziale Stütze im Ort
Im Rahmen der Bürgerversammlung gab Nerlinger einen Tätigkeitsbericht der Nachbarschaftshilfe, die unter Trägerschaft der Gemeinde fungiert. Im Juli 2019 gegründet, sei das herausragende Engagement des ehrenamtlichen Teams zur Unterstützung von Seniorinnen und Senioren in ihrem Lebensalltag nicht mehr aus Wehringen wegzudenken.
Von Januar 2025 bis Mitte April 2026 haben die 16 Ehrenamtlichen insgesamt 249 Hilfseinsätze geleistet in insgesamt 680 Stunden. Die Einsatzbereiche der Nachbarschaftshilfe reichten von kleineren Hilfen in Haus und Garten bis hin zur Organisation und Durchführung des monatlichen Senioren- und Generationentreffs oder der Unterstützung der Schulweghelfer. Über 5.100 Kilometer wurden im Rahmen von Fahrdiensten gefahren, welche mittlerweile den größten Teil der Einsätze ausmachen. „Das zeigt einmal mehr, welch bedeutender Faktor die Mobilität für ältere Menschen vor allem auf dem Land ist,“ betonte Nerlinger. Das von der Stiftung LichtBlick Seniorenhilfe e.V. gestiftete Fahrzeug sei daher ungemein wichtig für die beinahe schon tägliche Arbeit der Nachbarschaftshilfe.
Großbatteriespeicher
Ein Vertreter der Betreiberfirma NeoEN stellte den Anwesenden das Projekt Großbatteriespeicher zwischen Wehringen und Oberottmarshausen vor. Das Ziel einer solchen Anlage ist, das Stromnetz zu stabilisieren und die erneuerbaren Energien zu integrieren. „Die Großbatteriespeicher sind für eine erfolgreiche Energiewende zwingend notwendig,“ betont Nerlinger. Auf rund 6.300 Quadratmetern werden dort Batteriespeicher eingerichtet mit einer Kapazität von 330 Megawatt.
Die Anlage erhält eine Eingrünung, zusätzlich baut NeoEN im Bereich des Batteriespeichers an der Landstraße einen Fahrradweg. Rund 90 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen fließen nach Wehringen. Zusätzlich erwartet die Gemeinde künftig Pachterlöse für das Grundstück im 6-stelligen Bereich pro Jahr, welcher der Gemeinde wiederum Spielräume für Investitionen eröffnen. Ende des Jahres soll die erste Bauphase beginnen.
Rückblick auf 18 Jahre Amtszeit und Abschied der Vereine
Zum Ende seiner nun 18 Jahre währenden Amtszeit als Erster Bürgermeister der Gemeinde Wehringen zeigte Nerlinger einen eindrücklichen Foto-Rückblick mit zahlreichen Impressionen seiner vielfältigen Arbeit in den Jahren 2008 bis 2026.
Nerlinger bedankte sich unter anderem bei den Wehringer Vereinen und allen Ehrenamtlichen, die sich das ganze Jahr über enorm engagiert für die zahlreichen Facetten einsetzen, die ein gelungenes Dorfleben ausmachen und für viel Zusammenhalt in Wehringen sorgen.
Die Vereine ihrerseits nahmen die Bürgerversammlung zum Anlass, den scheidenden Bürgermeister mit minutenlangen stehenden Ovationen, herzlichen und wertschätzenden Worten sowie ideenreichen Geschenken zu überraschen: „Das hat mich wirklich überwältigt und jeden Rahmen gesprengt – im positiven Sinn. Vielen herzlichen Dank an alle, die mich in den letzten 18 Jahren in meinem Amt in irgendeiner Form begleitet haben,“ so der sichtlich gerührte Manfred Nerlinger.
