Schwitzkonzert mit Stil: Wenn Bläser, Streicher und Publikum gemeinsam „dampfen“
Heroldsberg – Am Donnerstag, 30. Juli 2026, verwandelte sich der Vorplatz der katholischen Kirche ab 19:30 Uhr in eine Mischung aus Konzertbühne und finnischer Sauna. Bei etwa 35 Grad ließen sich rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer nicht davon abhalten, auf Stufen, Bänken und Stühlen Platz zu nehmen – dicht gedrängt, gut durchgegart und erstaunlich gut gelaunt.
Das gemeinsame Open-Air-Konzert der Orchester Blaswerk und Landstreicher begann pünktlich – und fast hätte man meinen können, jemand habe bewusst den „Aufguss“ bestellt: Ein leichter Wind setzte ein und sorgte für kollektives Aufatmen. Während sich das Publikum innerlich bei diesem meteorologischen Service bedankte, kämpften die Musikerinnen und Musiker mit flatternden Notenblättern. Diese wurden kurzerhand festgeklemmt – was jedoch nicht verhinderte, dass einzelne Exemplare durch die Luft wirbelten und von Kindern mit der Begeisterung kleiner Schatzjäger eingefangen wurden.
Ein prüfender Blick gen Himmel ließ kurzzeitig Zweifel aufkommen, ob sich das Konzert womöglich in ein Regen-Event verwandeln würde. Doch Petrus zeigte sich gnädig – und beließ es beim „Trockenschwitzen“.
Die Begrüßung übernahmen Cornelius Liebster sowie Iris Tchoffo, eine junge Geigerin der Heroldsberger „Landstreicher“. Letztere stellte sich nicht nur vor, sondern gleich auch unter Beweis: Als „Nachwuchsdirigentin“ mit „Lust auf neue musikalische Perspektiven“ wagte sie sich mutig ans Pult. Ganz im Sinne der Vereinsphilosophie – Förderung der Jugend – durfte sie unter der Leitung von Celine Wilke zwei Stücke dirigieren, darunter das Eröffnungswerk „Andante festivo“. Und während sich manch einer im Publikum fragte, ob ihm eher der Schweiß oder die Rührung in die Augen stieg, überzeugte Tchoffo mit sicherer Hand.
Musikalisch bot der Abend alles, was das erhitzte Herz begehrt: Tango, Walzer und jazzige Klänge sorgten für eine heitere, beinahe beschwingt-schwitzige Atmosphäre. Die beiden Orchester spielten abwechselnd in Blöcken und lieferten dabei nicht nur Musik, sondern auch unterhaltsame Hintergrundinformationen – locker moderiert von den jeweiligen Dirigenten. So blieb das Publikum geistig ebenso in Bewegung wie körperlich.
Zum großen Finale vereinten sich beide Klangkörper für die Zugabe: den „Second Waltz“ von Dmitri Schostakowitsch. Spätestens hier war klar: Wenn schon schwitzen, dann bitte im Takt. Mit diesem gemeinsamen Höhepunkt endete ein Abend, der bewies, dass man selbst bei tropischen Temperaturen Haltung bewahren kann – zumindest musikalisch.
Und so gingen Musiker wie Zuhörer schließlich nach Hause – erschöpft, durchgeschwitzt, aber glücklich. Ganz wie nach einem richtig guten Saunagang.
