Heimat Info Logo
Im Gespräch mit unserem Wassermeister Michael Kanzler: Warum zählt jetzt jeder Tropfen?
Unser Mühlhausen - regionale Informationen
04.08.2026, 18:00
Bilder (1)

Heißere Sommer und vor allem die immer häufigeren, lang anhaltenden Hitzephasen verlangen unserer Wasserversorgung alles ab. Wenn der Regen wochenlang ausbleibt, stößt das Netz in Mühlhausen an seine Grenzen, weil zu viel Wasser gleichzeitig entnommen wird. Wir haben bei unserem Wassermeister Michael Kanzler nachgefragt, wie es aktuell um unser Trinkwasser steht, warum ein kurzes Umdenken nicht reicht und wie die Gemeinde für die Zukunft vorsorgt.

 

Unser Mühlhausen: Hallo Herr Kanzler! Die heißen Tage werden intensiver, die Hitzephasen spürbar länger. Haben wir in Mühlhausen ein akutes Problem mit dem Trinkwasser oder ist der jüngste Sparaufruf eine reine Vorsichtsmaßnahme?

 

Michael Kanzler: Hallo! Ein akutes Problem im Sinne von „morgen bleibt der Hahn trocken“ haben wir noch nicht. Aber wir müssen uns klarmachen, wie viel Arbeit in unserem Trinkwasser steckt: Es wird extrem aufwendig gefördert, aufbereitet und streng kontrolliert. Dieses kostbare Gut ist einfach viel zu schade, um auf irgendeinem Rasen zu landen!

 

Normalerweise verbrauchen wir in der Gemeinde etwa 700 bis 750 Kubikmeter Wasser am Tag. Seit der letzten Hitzephase liegt der Verbrauch aber konstant bei über 1.000 Kubikmetern. Das ist dauerhaft einfach zu viel. Die komplette Wasserversorgungsanlage mit all ihren Brunnen, Pumpen und Speichern läuft unter dieser Dauerlast ständig am Anschlag. Wenn wir so weitermachen, riskieren wir Schäden an der gesamten Technik, die eigentlich geschont werden muss.

 

Unser Mühlhausen: Um die Versorgung langfristig zu sichern, investiert die Gemeinde ja kräftig. Ein großes Projekt ist der neue Tiefbrunnen 3. Warum wurde dieses Projekt überhaupt nötig?

 

Michael Kanzler: Hier zeigt sich einfach, dass unser Erster Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer, die Verwaltung und der Gemeinderat extrem vorausschauend geplant haben. Die ersten Planungen für den Tiefbrunnen 3 wurden bereits in der Gemeinderatssitzung im Oktober 2024 beschlossen. Die Verwaltung hat hier damals sehr vorsorglich gehandelt und die weiteren Planungen entschlossen angeschoben, um uns für die kommenden Jahrzehnte krisenfest aufzustellen.

Unsere beiden bestehenden Brunnen leisten seit Jahrzehnten treue Dienste, stoßen aber an ihre natürlichen Grenzen:

·         Tiefbrunnen I (Baujahr 1956) ist rund 50 Meter tief und liefert etwa 5,5 Liter pro Sekunde.

·         Tiefbrunnen II (Baujahr 1970) reicht 155 Meter tief und liefert rund 10,5 Liter pro Sekunde.

 

Obwohl wir die Brunnen regelmäßig regeneriert und gepflegt haben, sind sie einfach nicht mehr so leistungsfähig wie früher. Das Problem ist der gesunkene Betriebswasserspiegel. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Tiefenwassers beim Abpumpen. Diese erhöhte Geschwindigkeit reißt im Laufe der Zeit winzige Sedimente mit und lagert sie in der feinen Filterschicht des Brunnens ab. Dadurch setzt sich der Brunnen über die Jahre schleichend zu, und die Leistung nimmt kontinuierlich ab. Genau deshalb brauchen wir dringend das neue, dritte Standbein, das damals auf den Weg gebracht wurde.

 

Unser Mühlhausen: Wie ist denn der aktuelle Stand beim Bau des neuen Tiefbrunnens 3 und wann geht er ans Netz?

 

Michael Kanzler: Da haben wir gute Nachrichten! Wir haben beim Bohren mittlerweile die Endtiefe von ca. 240 Metern erreicht – wir gehen also deutlich tiefer als bei den alten Brunnen, um an absolut sauberes und geschütztes Tiefenwasser zu kommen. Auch die ersten Pumpversuche waren bereits erfolgreich, derzeit laufen die Wasseranalysen. Als Nächstes steht der weitere technische Ausbau (Filter, Leitungen, Verrohrung) sowie die Brunnentechnik (Brunnenstube, Maschinen- und Elektrotechnik sowie das Prozessleitsystem) an.

 

Wenn alles nach Plan läuft, rechnen wir mit einer Fertigstellung frühestens im Frühjahr 2027.

 

Unser Mühlhausen: Das heißt, wenn der neue Brunnen 2027 läuft, können wir wieder unbesorgt wässern und die Rasensprenger laufen lassen?

 

Michael Kanzler: Ganz klares Nein. Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen: Auch mit dem neuen Brunnen müssen wir in Zukunft sorgsam mit unserem Wasser umgehen. Tiefbrunnen 3 sichert unsere Versorgung und gibt uns die dringend benötigte technische Sicherheit und Entlastung. Aber das ändert nichts daran, dass sauberes Trinkwasser ein extrem kostbarer Rohstoff ist.

 

Der Klimawandel mit seinen langen Trockenperioden zeigt uns deutlich, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind. Wir können uns schlichtweg nicht mehr den Luxus erlauben, wertvolles, tiefes Grundwasser unbedacht zu verschwenden. Wassersparen bleibt auch in Zukunft eine Daueraufgabe für uns alle.

 

Unser Mühlhausen: Das heißt, wir müssen beim Verbrauch dauerhaft umdenken. Viele Bürger gießen ja extra erst spät abends oder nachts. Hilft das denn nicht?

 

Michael Kanzler: Nur bedingt. Natürlich verdunstet nachts weniger Wasser als in der Mittagshitze. Aber das löst das Grundproblem nicht: Es bleibt aufwendig gewonnenes Trinkwasser.

 

Unser Mühlhausen: Was können wir also konkret tun, um das System und Ihr Team dauerhaft zu entlasten?

 

Michael Kanzler: Wir müssen unseren Gesamtverbrauch dauerhaft nach unten schrauben. Das geht mit ganz einfachen Verhaltensregeln, wie zum Beispiel:

·         Gartenbewässerung einschränken: Ein brauner Rasen im Sommer erholt sich beim nächsten Regen von ganz allein. Bitte nutzt für Blumen und Gemüsebeete Regenwasser aus Zisternen oder Regentonnen statt Trinkwasser aus der Leitung.

·         Fahrzeugwäsche hinterfragen: Muss das Auto wirklich schon wieder gewaschen werden?

·         Kein Zurück zu alten Gewohnheiten: Das ist mir besonders wichtig. Selbst wenn es mal einen kräftigen Regenschauer gibt, dürfen wir nicht sofort wieder in das altgewohnte Muster zurückfallen. Der Boden und unsere Wasserspeicher brauchen viel länger, um sich wirklich zu erholen.

 

Unser Mühlhausen: Zum Schluss: Was ist Ihre persönliche Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger in Mühlhausen?

 

Michael Kanzler: Trinkwasser ist unser wichtigstes Gut. Wir alle müssen lernen, wieder bewusster damit umzugehen – heute genauso wie in Zukunft. Nur wenn wir den Gesamtverbrauch dauerhaft senken, lassen wir auch der nächsten Generation genug Trinkwasser, um gut leben zu können.

Bis der neue Tiefbrunnen 3 in Betrieb geht – und auch darüber hinaus – müssen wir alle an einem Strang ziehen. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Mithilfe!

 


Bilder (4)
Beschreibung

👋 Willkommen bei „Unser Mühlhausen“ – dem ultimativen Anlaufpunkt für alle, die sich über das Leben, die Neuigkeiten und die Ereignisse in unserer wunderbaren Gemeinde informieren wollen. Ob du ein langjähriger Einwohner bist, der stets auf dem Laufenden bleiben möchte, oder ein Neuankömmling, der die Gegend erkunden will – „Unser Mühlhausen“ bietet dir alles, was du wissen musst.