Elisabeth Benzing (Geschäftsführung Kiss Mittelfranken) verabschiedet sich in den Ruhestand und Darja Schneider (Kontaktstellenleitung Kiss Nürnberg/Fürth) wechselt die Stelle.
Was war das Besondere in der Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen?
Elisabeth
Ich habe immer sehr, sehr viel Wertschätzung von den Teilnehmenden aus den Selbsthilfegruppen erfahren – egal, ob es ein Seminar war, eine große Veranstaltung, ein Gruppentreffen, ein Online-Austausch, ob in Nürnberg, in Ulm, in Hof oder in Heilbronn, immer gab es positive Rückmeldungen. Und immer waren die Menschen offen für neue Impulse, waren neugierig auf das, was Teilnehmende aus anderen Gruppen erzählten, und brachten sich gegenseitig viel Respekt entgegen.
Darja
Das Herausragendste war für mich all die starken, herzlichen Persönlichkeiten, die sich nicht durch ihre Erkrankungen oder Lebensschicksale unterkriegen lassen. Durch den Kontakt mit den Selbsthilfegruppen habe ich lernen dürfen, welche Kraft in der Selbstermächtigung liegt – Berge können eben manchmal doch versetzt werden, im Großen wie im Kleinen. Und es lohnt sich immer, für sich selbst und die eigenen Themen einzustehen. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich in den Jahren als Selbsthilfeunterstützerin nicht nur beruflich, sondern auch persönlich für mich mitnehmen konnte.
Wie bleibt dir das Team Kiss Mittelfranken in Erinnerung?
Elisabeth
Das große Plus in der Arbeit bei Kiss ist das Bewusstsein aller Kolleg*innen, dass die Vorhaben in der Unterstützungsarbeit für die Selbsthilfegruppen in Mittelfranken nur im MITEINANDER gut gelingen. Das wird überall im täglichen Tun spürbar. Selbstverständlich springt jede*r ein, wenn personeller Notstand „ausgerufen“ wird, selbstverständlich werden Abend- oder Wochenendtermine übernommen. Und all die Krisen der letzten Jahre hat Kiss nur dadurch so gut bewältigt, weil gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde und jede*r bereit war, auch bei sich selbst zurückzustecken.
Darja
Unser Team verkörpert für mich in besonderer Weise die Vielfalt und Lebendigkeit der Selbsthilfelandschaft. In der gemeinsamen Arbeit haben wir die zentralen Werte der Selbsthilfe stets authentisch gelebt: Empowerment, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Akzeptanz und Offenheit. Besonders beeindruckt hat mich die große Bandbreite an Kompetenzen und Persönlichkeiten im Team, die sich im Miteinander bereichern und stärken. Diese Vielfalt ist aus meiner Sicht die größte Stärke von Kiss Mittelfranken und prägt die Qualität der Unterstützung, die Menschen hier erfahren. Ebenso wertvoll war die Art, wie wir Herausforderungen gemeinsam angegangen werden – mit Professionalität, gegenseitigem Vertrauen und nicht zuletzt mit einer guten Portion Humor, der auch in schwierigen Momenten Leichtigkeit ermöglicht hat. Für diese Zusammenarbeit und die vielen bereichernden Erfahrungen bin ich sehr dankbar.
Was wünscht du der Selbsthilfe für die Zukunft?
Elisabeth
Ich wünsche mir, dass all diejenigen, die Kiss Mittelfranken und die Selbsthilfegruppen finanziell unterstützen, sich immer der gesellschaftlichen Tragweite der Selbsthilfegruppen bewusst bleiben. Die Attraktivität einer Kommune steigt, wenn sie eine gesundheitsfördernde Lebensgrundlage aufweisen kann. Zweifelsohne ist die Selbsthilfe ein wichtiger Bestandteil davon.
Ich wünsche mir, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe zunehmend als eine wichtige Säule für eine funktionsfähige demokratische Gesellschaft wahrgenommen wird. Hier finden Menschen einen Weg aus der Einsamkeit, hier findet ein wertschätzender Austausch statt, hiervon geht ein Signal aus in die Gesellschaft: Gemeinsam können wir es schaffen!
Darja
Auch ich kann mich Elisabeths Worten vollkommen anschließen. Ein besonderes Herzensprojekt für mich war der weitere Ausbau der muttersprachlichen Selbsthilfe. Ich wünsche der Selbsthilfelandschaft, dass sie weiterwächst, Menschen verschiedenster Herkunft einen Ort des Austausches unter Gleichgesinnten bietet und sich noch viele weitere muttersprachliche Gruppen gründen.
Möge die Selbsthilfe auch in Zukunft ihre grundlegenden Werte bewahren – gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen spürbarer werden. Sie ist und bleibt ein wichtiger Schutz- und Begegnungsraum in einer zunehmend individualisierten Welt.
Magst du zum Abschluss noch eine Anekdote aus deiner Zeit bei Kiss erzählen?
Elisabeth
Ich erinnere mich gerne an die Feier zum 30jährigen Jubiläum, bei der wir als Team die Zukunft der digital programmierten telefonischen Beratung als Sketch darstellten. Noch antworten bei Kiss „echte“ Berater*innen und KI hat die Beratungsgespräche bei uns nicht erobert, aber vor rund 12 Jahren haben uns die digitalen Ansagen der allgegenwärtigen Callcenter inspiriert, uns eine neue Form der Beratung in der Selbsthilfeunterstützung auszudenken und wir hatten viel Spaß dabei.
Darja
Meine Anekdote zieht sich über stolze acht Jahre: Unser Selbsthilfemobil in Form einer Piaggio Ape.
Mein erster Projektantrag bei Kiss 2017 wurde direkt bewilligt – und plötzlich war ich „Mama“ einer flotten kleinen „Biene“ (Ape = Biene auf Italienisch). Und wie das mit Kindern so ist: Sie hat mein Leben bereichert… und mir dabei auch das eine oder andere graue Haar beschert.
Die Begegnungen mit ihr bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen oder im Straßenverkehr waren pures Entertainment: von strahlendem Lächeln, Daumen hoch, genervtem Anhupen über irritierte Blicke bis hin zu „Was ist das denn?!“ war wirklich alles dabei. Selbst Bürgermeister*innen, ein Landrat, Selbsthilfeaktive und Geschäftsführer*innen haben, ohne zu zögern auf der Ape Platz genommen – und dabei gegrinst wie Honigkuchenpferde.
Unsere „Biene“ hat mich viele Nerven gekostet, aber mindestens genauso viele unvergessliche Glücksmomente geschenkt. Und wie alle Kinder irgendwann flügge werden, durfte auch mein „Kiss-Baby“ weiterziehen – in die liebevollen Hände von Kiss Regensburg. Ich könnte mir kein besseres Zuhause für sie wünschen.
Der Beitrag Gedanken zum Abschied zweier Kolleginnen erschien zuerst auf Kiss Mittelfranken.
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