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Landl - Museumsleiter Ludwig Schiller sorgt sich um die ev. Kirchengemeinde Sulzbürg
Landl-Pfarrei - Kirchengemeinden Sulzbürg - Mühlhausen - Bachhausen
04.03.2026, 19:11
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Ausverkauf von Kultur und Geschichte

Es beginnt schon wieder! Im Jahr 1756, nach dem Tod von Auguste Frederike von Wolfstein, versuchten die Wittelsbacher, die Sulzbürger Schlosskirche in ihren Besitz zu bringen und sie zu rekatholisieren. Doch aufgrund des großen Widerstands der Bevölkerung wurde dieses Vorhaben schließlich aufgegeben.

Nun, im Jahr 2026, nachdem der Absolutismus eigentlich überwunden ist, soll unsere ehrwürdige Marktkirche verkauft werden – und das nicht von auswärtigen Herrschern, sondern von unserer eigenen Kirche. Hierbei zeigt man keinerlei Kenntnis oder Respekt vor der Historie und unseren Vorfahren. Sulzbürg, das erste evangelische Dekanat in Altbayern, wurde nach dem Aussterben der Wolfsteiner nach Sulzkirchen verlegt, dann nach Pyrbaum, und fand erst nach 1900 seinen jetzigen Platz in Neumarkt. Ohne Sulzbürg und ohne den Widerstand zum Erhalt ihrer Kirchen wäre Frau Murner heute in einem rein katholischen Landstrich, und in Neumarkt gäbe es kein Dekanat.

Historische Bedeutung der Marktkirche:

An den gotischen Turm unserer Marktkirche wurde 1688 ein neues Kirchenschiff errichtet. Seit Menschengedenken existiert in der Engelgasse ein Friedhof mit einer Kirche, auch schon vor der Reformation. In der Kirche selbst sind hohe Wolfsteiner Beamte beigesetzt. Auch ein Pfarrer fand hier seine letzte Ruhe. Es war für die Bediensteten des Grafen eine Ehre, in der Marktkirche beerdigt zu werden.

Ein Verkauf der Kirche würde bedeuten, dass auch diese Toten mitveräußert werden. Man würde rücksichtslos über die Gräber hinweggehen. Zudem müsste die Kirche vor dem Verkauf entweiht werden, was bedeutet, dass die Beigesetzten in nicht geweihter Erde liegen würden – wie damals die Selbstmörder und Hingerichteten. Die Wolfsteiner und unsere Vorfahren würden sich im Grabe umdrehen.

Als Dekanin sollte Frau Murner den Text aus Matthäus 6,24 kennen: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Sollte sie sich nicht mehr um ihre seelsorgerischen Aufgaben kümmern als um ihren Aufstieg in der Landeskirche? Denn ganz nebenbei sollen auch die Kirchenvorstände in der Landlpfarrei entmachtet werden. Alle wichtigen Aufgaben sollen in „Profihände“ gelegt werden. Dies ist eine schallende Ohrfeige für alle, die ein Ehrenamt begleiten.

Alle Kirchenvorstände, die jemals an einer Kirchenrenovierung beteiligt waren, haben dies mit viel Herzblut und tausenden von kostenlosen Arbeitsstunden getan. Werden die sogenannten Profis dies auch tun? Einerseits will man mit dem Kirchenverkauf Geld sparen, andererseits wird es für die sogenannten Profis zum Fenster hinausgeworfen.

Um sicherzustellen, dass unsere Dekanin wieder auf den Weg Gottes zurückfindet, möchte ich ihr einen Auszug aus Epheser 1,17-18 mit auf den Weg geben: „Ich bitte den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu geben.“

Ich hoffe und bete, dass unsere historische Kirchengemeinde mit seiner besonderen geschichtlichen Vergangenheit, keinen Schaden nimmt

Ludwig Schiller, Sulzbürg Hinterer Berg

Museumsleiter des Landlmuseums


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Beschreibung

Herzlich Willkommen in der Landl-Pfarrei Wir leben als evangelische Christen im "Landl" in der westlichen Oberpfalz. Dieses Gebiet rund um den weit sichtbaren Sulzbürger Höhenrücken südlich von Neumarkt beherrschten die Reichsgrafen von Wolfstein. In den fünf überschaubaren Kirchgemeinden zeigt sich bis heute eine lebendige Mischung aus Traditionen und vielen Innovationen.