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Eine Wahl mit Folgen? Gäste aus Tansania am Partnerschaftssonntag in Feucht.
Evang.-Luth. Kirchengemeinde Feucht
16.06.2026, 10:13

Eine Wahl mit Folgen?

Am 29. Oktober 2025 hatte die tansanische Bevölkerung die Wahl: Zwischen der Chama Cha Mapinduzi (CCM) mit der bisherigen Präsidentin Samia Suluhu Hassan und – tja, mit wem eigentlich? Diese Frage war wohl einer der Gründe für massive Proteste und Unruhen in Tansania, die während und nach der Wahl im Oktober 2025 eskalierten und durch massive Polizeigewalt eingedämmt wurden.

Tansania hatte lange Jahre den Ruf eines stabilen und friedlichen Multi-Ethnien-Staates. Der Gründer der heutigen Republik Tansania, Julius Nyerere hatte etwas geschaffen, das es nur in wenigen sogenannten Vielvölkerstaaten gab: Eine Menge verschiedener Menschen mit verschiedener Herkunft, Traditionen und Sprache fand zusammen und formte den neuen Staat Tansania – über Stammes- wie auch über Sprach- und Religionsgrenzen hinweg. Und offensichtlich tat dies dem ostafrikanischen Land gut: Es prosperierte im Rahmen seiner wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten.

Und doch: Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wächst in den letzten Jahren die Zahl derer, die die seit 1977 amtierende CCM eben nicht mehr als „ihre“ Vertretung sehen. Seit vielen Jahren mehren sich im Zusammenhang mit Wahlen und Opposition auch die Berichte von politischen Verhaftungen, körperlicher Gewalt gegen Oppositionelle und möglicher Wahlmanipulation¹ unter den verschiedenen Regierungen Tansanias.

Auch im Oktober 2025 wird von sehr unruhigen Tagen aus Tansania berichtet, von Ausgangssperren, Tränengas, Internetabschaltung, abgeschaltetem Mobilfunk, ja sogar von Schüssen, sowie vielen Toten und Verletzten². Es verwundert kaum, dass gerade die die Wahl verloren habende Opposition hier die alte und neue Regierung anklagt, von Unterdrückung und Wahlmanipulation spricht. Umgekehrt wirft die tansanische Regierung den Demonstranten vor, hier für einen teilweise aus dem Ausland unterstützten Putschversuch gesorgt zu haben, der die Unruhen erst befeuert hat³.

Normalerweise feiert Tansania am 9. Dezember seinen Unabhängigkeitstag. Diesmal allerdings wurden von der Regierung die offiziellen Feiern wohl aus den Bedenken heraus abgesagt, dass es erneut zu massiven Protesten kommen könnte. Und tatsächlich rief die Oppositionspartei Chadema auch wieder zu Demonstrationen auf. Polizei und Politik verboten jegliche Demonstrationen am Unabhängigkeitstag, bereits vorher wurde von der Präsidentin gedroht, Zuwiderhandlungen mit aller Härte zu ahnden⁴. Aufgrund dieser Androhung scheint der Feiertag relativ ruhig verlaufen zu sein.

Im April 2026 endlich präsentierte die von Präsidentin Samia Suluhu Hassan beauftragte Untersuchungskommission ihren Bericht zu den Wahlunruhen, der leider nicht komplett öffentlich zugänglich zu sein scheint. Darin werden über 500 Todesopfer an den Tagen der Wahl und danach genannt⁵. Offensichtlich scheint im Moment jedoch die Angst vor Polizeigewalt die Menschen in Tansania zur Ruhe zu mahnen. Hoffentlich ist dies keine „Ruhe vor dem Sturm“. Ich jedenfalls will glauben, dass es aus dieser verfahrenen Situation einen Ausweg geben wird, der ohne massives Blutvergießen auskommt.

Sind Sie an diesem und anderen Themen der Partnerschaftsarbeit interessiert? Dann lade ich Sie herzlich zu unserem diesjährigen Partnerschafts-Gottesdienst
am 12. Juli um 10:00 Uhr in St. Jakob Feucht, Hauptstraße 54, 90537 Feucht
und anschließender Möglichkeit zum Gespräch ein. Als besondere Gäste begrüßen wir Reverend Deogratius M. Msanya, den stellvertretenden Bischof der Norddiözese der Evang.-Luth. Kirche in Tansania, zu der auch unser Partnerdekanat Karatu gehört und voraussichtlich Jane Mkimbo, Generalsekretärin der Süd-Ost-Diözese der Evang.-Luth. Kirche von Tansania. Sie werden uns aus erster Hand berichten können.

(Markus Horn)

 

Fußnote (Quellenangaben):

1 https://www.dw.com/de/tansania-w%C3%A4hlt-parlament-und-pr%C3%A4sidenten-unter-m%C3%BChen/a-55422565

² https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/tansania-wahl-proteste-100.html

³ https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gewalt-in-tansania-mit-voller-haerte-gegen-die-jugend-110796987.html

https://mission-einewelt.de/tansania-polizei-verhaengt-demonstrationsverbot-internationale-appelle-fordernrueckkehr-zu-demokratie-und-rechtstaatlichkeit/

http://www.hrw.org/news/2026/05/05/missed-opportunity-on-tanzania-election-violence


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