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ENERGIENACHMITTAG am 24. Januar in den Schulungsräumen der Fa. ACP in Hauzenberg
ödp Ortsverband Hauzenberg
27.01.2026, 20:55
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Viele Hausbesitzer treibt die Frage um, welches Heizsystem sie wählen sollen, wenn sie ihre Heizung erneuern wollen, außerdem sollen wir bis 2045 klimaneutral werden. In Presse und sozialen Medien geistern viele Horrorszenarien bzgl. Kosten und Möglichkeiten z.B. von Wärmepumpen herum. Deshalb haben die ÖDP/Aktiven Bürger einen Informationsnachmittag zu dieser Thematik im Gebäude von ACP – Solutions (vormals SWS) organisiert und dazu 3 Experten mit praktischen Erfahrungen zu Vorträgen eingeladen. ÖDP -Vorsitzender und Stadtrat Robert Zoidl konnte dazu zahlreiche Besucher begrüßen.

 Der erste Referent Bapist Resch stellte seine Firma „Wir Wärmen KG“ vor. Neben seinem Sägewerk in Neureichenau betreibt die Firma mit 40 Mitarbeitern mit Beginn vor 20 Jahren mehrere Heizkraftwerke mit Nahwärmenetzen, 2  größere in Neureichenau und Freyung  mit 8500 bzw 12500 MWh und weitere kleinere in Röhrnbach, Jandelsbrunn, Büchlberg, Grafenau und Waldkirchen, insgesamt zusammen 30 GWh, was einer Heizölersparnis von ca. 4 Mio Litern entspricht. Die Eigenschaften von Nahwärme lassen sich mit 3 Worten beschreiben, sie ist regional, einfach und fair, d.h. das Geld bleibt in der Region, sie ist bezahlbar, langfristig planbar und ohne größere Preisschwankungen. Die Anschlußkosten der letzten Maßnahme lagen bei 9500 € netto pro Haus, wobei 1/3 bei Baubeginn, 1/3 nach Fertigstellung und 1/3 nach Inbetriebnahme fällig war. Die laufenden Kosten belaufen sich z.B. bei einem vorherigen Verbrauch von 2000l Heizöl/Jahr auf 2728 €/Jahr (Stand 2023). Der Neubau von Nahwärmenetzen bzw. der Anschluß daran wird sowohl auf Betreiberseite als auch auf Abnehmerseite staatlich gefördert. . Die Wärmenetze- Heizwerk, Leitungen bis ins Haus incl. Übergabestation- werden alle in Eigenregie errichtet. Für die Versorgungssicherheit und Wartung gibt es einen 24h- Service. Erstverträge hatten eine Laufzeit von 20 Jahren, in Zukunft werden deutlich kürzere Erstlaufzeiten angeboten, Nachfolgeverträge haben i.d. Regel eine Laufzeit von 1 Jahr. Die Heizwerke werden mit Hackschnitzeln aus den Wäldern der Umgebung betrieben, lt. seinen Aussagen ist auch im Gemeindegebiet von Hauzenberg genügend  Holz für den Betrieb weiterer Nahwärmenetze vorhanden.

Sobald die Wärmeplanung für die ILE-Gemeinden fertig erstellt ist, bietet sich die Möglichkeit, anhand der ermittelten Daten zu prüfen, in welchen Bereichen von Hauzenberg weitere Nahwärmenetze möglich sind.

Max Reischl, Inhaber des Ingenieurbüros für Versorgungs- und Energietechnik aus Hauzenberg referierte über Wärmepumpen. Er erklärte Funktion und Bauweisen von Wärmepumpen, wobei er Luft-Wasser- Anlagen favorisierte.  Mit Wärmepumpen sind Vorlauftemperaturen je nach System bis 70 Grad möglich. Auch bei den momentanen Minustemperaturen ist deren Betrieb problemlos möglich. Idealerweise werden Heizungen in Neubauten mit Fußbodenheizungen kombiniert, Wand – und Deckenheizungen bieten außerdem die Möglichkeit der Kühlung im Sommer. Diese Systeme können je nach Bauart des Hauses auch nachträglich eingebaut werden. Auch Altbauten können mit einer Wärmepumpe beheizt werden, mit Fußbodenheizung problemlos, ansonsten ist  in der Regel  dazu ein Tausch der Heizkörper notwendig, Einsparungen können auch mit zusätzlichen Wärmedämmmaßnahmen bzw. Fenstertausch erreicht werden, diese Maßnahmen werden staatlich gefördert. Persönliche Erfahrungen dazu konnte Urban Mangold, ÖDP-SR aus Passau beitragen, der einen Altbau mit Wärmepumpe beheizt, er präsentierte dazu seine Verbrauchszahlen.

Den dritten Teil des Nachmittags bestritt Josef Gold, ÖDP-Energieexperte, aus Kirchroth bei Straubing. Seine Firma GSW (Gold Solar Wind) beschäftigt sich seit 1993 mit erneuerbaren Energien. Die Firma betreibt und verwaltet zur Zeit 60 Photovoltaikanlagen und 70 Windenergieanlagen und beschäftigt 50 Mitarbeiter, inzwischen sind auch seine 2 Kinder in das Unternehmen eingestiegen. Die Unternehmensphilosophie sei der Ausbau der erneuerbaren Energie  und dabei idealerweise die Verbindung von Ökologie und Ökonomie.

In seinem Vortrag skizzierte er die weltweite Energiesituation,  er nannte die momentane Situation die 4. Energierevolution, den Einsatz von Elektrischer Energie. Zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045, die in Deutschland auf Druck des Bundesverfassungsgerichts beschlossen wurde, ist eine Energiewende dringender den je.  Vor allem bei der Mobilität führe am Einsatz von elektrischer Energie kein Weg vorbei. Weltweit seien bereits ca. 90% der neu errichteten Kraftwerke erneuerbar.  Spitzenreiter sei China, wo allein die 2025 errichteten Solar- und Windanlagen so viel Strom produzieren wie 60 Atomkraftwerke. China will in nächster Zeit den Anteil elektrisch angetriebener LKWs auf 60% steigern. Die Propagation von Wasserstoff, e-fuels und Kernfusion als Kraftstoffe der Zukunft nannte er die drei Lügen. Strom habe beim Antrieb von Autos und Wärmepumpen die geringsten Verluste, Wasserstoff sei in der Herstellung zu energieintensiv und in Zukunft eher für die Chemie-Industrie von Bedeutung, außerdem wie e-fuels in den nächsten Jahren nicht ausreichend verfügbar. Zum Vergleich: Mit 1ha Photovoltaikstrom beträgt die E-Autoreichweite 6 MIo km, mit Wasserstoff 2 Mio km, mit e-fuels  0,85 Mio km und mit Bio-Methan aus Silomais 85.000 Tsd km.

Der optimale Energiemix bestehe aus 2 Dritteln Windstrom und 1 Drittel Photovoltaik ergänzt mit Biomasse und Wasserkraft. Windkraft und Photovoltaik ergänzen sich saisonal optimal.  Die neueren Windräder haben eine Nabenhöhe von etwa 160 m bei einem Rotordurchmesser von 150m, und erzielten eine Nennleistung von über 7 Megawatt. Rotorblätter werden nach Nutzungsende in der Zementindustrie verbrannt, die Fa. Siemens bietet seit neuestem recycelbare Rotorblätter an. Wichtig sei für den Betrieb eines Windrads ein wirtschaftlicher Standort mit einer Windgeschwindigkeit von mind. 5,7m/sec. Geldgeber bzw. Banken haben inzwischen  ihre eigenen  Experten, die die Wirtschaftlichkeit einer Anlage einer genauen Überprüfung unterziehen. Für ein Windrad muß als Rückbaugarantie eine Einlage von 350.000€ hinterlegt werden, sollte der Betrag nicht reichen, ist der Grundstückseigentümer in der Pflicht, die Kosten können also nicht auf die Allgemeinheit übertragen werden. 90 % der Gewerbesteuer bleiben bei der Gemeinde, 10%  beim Firmenstandort. Eine wichtiger Weg zur Akzeptanz von Erneuerbaren ist nach Gold  die Bürgerbeteiligung, ein Großteil der Anlagen seiner Firma sind mit Bürgerbeteiligung entstanden. Gemeinden können lt. Gesetz die Bürgerbeteiligung  an Windkraft bzw. Freiflächenphotovoltaikanlagen  in ihren Richtlinien festsetzen. Das wollte auch die ÖDP-Fraktion im Hauzenberger  Stadtrat, was jedoch die große Mehrheit der anderen Stadträte ablehnte.            Immer wichtiger werde, daß der Ausbau der Stromnetze forciert und digitalisiert und der Bau von chemischen Großspeichern(große Batteriespeicher) forciert wird. Dadurch ergeben sich Einsparungen beim Netzausbau und Solarstrom kann über Nacht gespeichert werden.

Wie bei den anderen Rednern entspannte sich nach den Referaten eine intensive Diskussion, die zeigte, daß die Themen von aktueller Bedeutung sind und die Bürger beschäftigen und Informationen aus fachkundiger Quelle wichtiger denn je sind. Die nächste Möglichkeit zur weiteren Diskussion ergibt sich bei einem ÖDP-Stammtisch am 4.2.2026 um 19.30 Uhr beim Kai in Hauzenberg.