Heimat Info Logo
Pflegebedarfsplan: Wie sich der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen für die Zukunft rüsten will Donaukurier - 29.03.2025
Seniorenbeirat
08.06.2026, 09:09

Der Kreistag hat den Pflegebedarfsplan gebilligt. Der zeichnet eine schwierige Zukunft. Da man stationäre Pflege im künftig nötigen Maß nicht mehr zahlen kann und auch Personalmangel besteht, sollen Menschen befähigt werden, länger daheim zu leben. Und die Gemeinden werden in die Pflicht genommen.

Pflege ist ein Thema, das in Zukunft immer mehr Menschen betreffen wird. Die Zahl derer, die auf Hilfe angewiesen sind, wird in den kommenden Jahren stark ansteigen und damit muss die Personaldecke anwachsen – oder mehr Menschen müssen daheim leben können. Da macht der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen keine Ausnahme. Der Kreistag hat in seiner aktuellen Sitzung nun den Pflegebedarfsplan abgesegnet. Konkrete Maßnahmen, wie auf die kommenden Herausforderungen zu reagieren ist, enthält dieser aber nur bedingt.

2029 kommt der Kipppunkt

Unsere Zeitung hatte bereits vor einem Monat ausführlich über die Fakten berichtet, welche sich in dem Zahlenwerk von Christian Kutz verbergen. Kutz ist Leiter des Sachgebiets „Senioren und Betreuung“ am Landratsamt in Neuburg und stellte den Mitgliedern des Kreistags den Bericht vor. Demnach versorgen im Kreis aktuell 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter ungefähr 66 Menschen im nichterwerbsfähigen Alter, bis zum Jahr 2042 wird die Zahl auf 81 Menschen ansteigen. Richtig auf den Kreis durchschlagen, so Kutz, werde das Pflegethema in den Jahren nach 2033. Etwa 2029 komme man an den „Kipppunkt“. Was man dagegen tun könne, wollte Reinhardt Reißner (CSU) wissen. Kutz sagte deutlich, diesen Punkt werde man als Landkreis nicht verhindern können. Man müsse mehr Menschen in die Pflegeausbildung bringen. Bis 2050 werde es demnach 6000 Pflegebedürftige im Landkreis geben. 830 sogenannte Vollzeitäquivalente würden dann benötigt, um alle versorgen zu können. Im Jahr 2020 waren dies noch 526.

Das Problem sei laut Kutz jedoch, dass entgegen dieser Notwendigkeit des Aufbaus neuer Kräfte derzeit noch mehr Pflegerinnen und Pfleger aus dem Beruf scheiden als neue hinzukommen. Dabei sei es „so attraktiv wie noch nie, in der Pflege zu arbeiten“, so Kutz. 

„Sehr gute Analyse“, die Richtung steht

Wie will man auf die Herausforderungen nun reagieren? In konkreten Maßnahmen kann man das noch nicht beschreiben – was Werner Widuckel (SPD) zu dieser Analyse brachte: „Ich habe die Befürchtung, dass wir hier eine sehr gute Analyse haben, aber in drei bis vier Jahren sagen, wir hätten mehr tun müssen.“

Die Richtung ist derweil sehr wohl klar. „Bleiben die Strukturen so, wie sie sind, würden wir einen rasanten Anstieg der stationären Pflege brauchen – 1500 Plätze wären bis 2050 notwendig“, so Kutz. Und das ist nicht finanzierbar und das Personal dazu fehlt ohnehin. Man möchte daher versuchen, mehr Menschen in die Pflegeausbildung zu bekommen, zugleich aber die Rahmenbedingungen derart setzen, dass so viele Menschen wie möglich so lange wie möglich im eigenen zuhause bleiben können.

Wie schafft man es also, allen Bedürftigen eine gute Pflege zukommen zu lassen? Widuckel fasst es wie folgt zusammen: „Wir versuchen hier die Quadratur des Kreises. Es läuft auf mehr Hilfen für die häusliche Pflege hinaus.“ Fachmann Kutz umschrieb es vor dem Plenum im Sitzungssaal noch drastischer: Manchmal scheitere das Leben daheim schon an einfachen Dingen – etwa dem Einkauf: „Wir müssen verhindern, dass die Menschen einen Pflegeplatz brauchen, nur weil sie die Hauswirtschaft nicht mehr allein schaffen.“ So könne man beispielsweise über Einkaufsdienste nachdenken.

Häusliche Pflege und Tagesangebote

Da kommen dann spätestens auch die ehrenamtlichen Pfleger ins Spiel – also etwa Angehörige. Sie leisten derzeit gut 110 000 Stunden Pflegearbeit im Landkreis pro Jahr, doch die Tendenz ist sinkend. Ein wichtiger Schlüssel könnte die Tagespflege werden, wie es sie beispielsweise bereits in Oberhausen gibt oder in Burgheim geplant wird. Derzeit sind 73 Plätze im Landkreis verfügbar – ausbaufähig. Sowohl Gesundheitsreferent Shahram Tabrizi (FW) als auch Widuckel sehen hier die Kommunen am Zug. „Die Bürgermeister müssen Lösungen finden“, sagte Tabrizi mit Blick auf Tagespflegen. „Wir als Altersmediziner können da sicher helfen“, meinte der Fachmann, der im entsprechenden Feld im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen tätig ist.

Das rief Burgheims Bürgermeister Michael Böhm (CSU) auf den Plan, der, wie eben erwähnt, im Moment mit seiner Verwaltung an einem Tagespflegeangebot in der Marktgemeinde arbeitet. Es sei schön, dass man an die Gemeinden denke. Aber er brauche auch Strukturen, „die mir die Umsetzung ermöglichen“. Der Staat halte die „Förderkarotte“ hin, doch „krepiere“ man oft auf dem Förderweg. Dieses System sei „maximal bürokratisiert“. Kutz bekräftigte aber die vorherigen Aussagen, wonach die Kooperation mit den Kommunen wichtig sei. „Ohne sie können wir nichts.“

 Mini Forster-Hüttlinger sagte, Pflege sei ein Riesenthema, dass der Kreis angehen müsse. Man solle die Kommunen stärken und ein „seniorenpolitisches Gesamtkonzept“ erstellen. Das liege nicht immer am Geld, sagte die SPD-Politikerin. Martin Wendl (Grüne) meinte mit Blick auf die Gemeinden, die Pflege müsse vor Ort gesteuert werden, um ein langes Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Kutz stellte zudem noch die Vorgaben vor, welche man bei allen Maßnahmen beachten will: Reha gehe beispielsweise vor Pflege. Und ambulant stehe vor stationär. Das decke sich auch mit den Wünschen der älteren Bevölkerung.


Beschreibung

1. Der Seniorenbeirat hat die Aufgabe, sich für die Mitwirkung der älteren Menschen am Leben in der Gemeinschaft einzusetzen und damit der Gefahr der Isolierung im Alter ent-gegenzuwirken. 2. Als ältere Menschen sind auch Personen anzusehen, die zwar das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, jedoch Rentner, Pensionäre oder Vorruheständler sind. 3. Der Seniorenbeirat unterstützt die Interessen von Senioren gegenüber Behörden und Institutionen, führt aber keine Rechtsberatung durch, sondern verweist solche Ratsuchenden an die zuständigen Stellen und hält Kontakt mit diesen.