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Pressemitteilung des AELF: Wenn Wiesen und Felder weniger blühen: So werden Hausgärten im Juli zur Bienenweide
Gemeinde Missen-Wilhams
08.07.2026, 10:53

Wenn im Juli viele Wiesen gemäht und manche Kulturen verblüht sind, werden Gärten, Balkone und kleine Grünflächen für Bienen besonders wertvoll.

 

Kempten – Im Frühling summt es überall: auf Obstbäumen, Wiesen und blühenden Ackerkulturen. Doch im Juli wird es für Bienen vielerorts schwieriger. Viele Pflanzen sind verblüht, Wiesen gemäht und erste Flächen abgeerntet. Das Angebot an Nektar und Pollen wird knapper. Genau dann gewinnen Hausgärten, Balkone und kleine Grünflächen an Bedeutung. In Bayern machen Hausgärten zusammen rund 135.000 Hektar Fläche aus.

 

„Gerade im Hochsommer zählt jede blühende Fläche. Wenn auf Wiesen und Feldern weniger Nahrung zu finden ist, können Hausgärten eine wichtige Lücke schließen“, erklärt Gerti Epple, Fachlehrerin am AELF Kempten. Für Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten können solche Flächen im Hochsommer wichtige Rückzugsräume und Nahrungsquellen sein.

 

Bestäuber brauchen nicht nur im Frühling Blüten, sondern während der gesamten Saison. Nektar liefert Energie und Pollen ist wichtig für die Aufzucht der Brut. Fehlen über mehrere Wochen passende Blüten, entsteht eine sogenannte Trachtlücke: Bienen finden dann zu wenig Nahrung in Form von Nektar und Pollen.

 

Ein bienenfreundlicher Garten muss weder groß noch perfekt gestaltet sein. Entscheidend ist eine vielfältige Bepflanzung mit Arten, die auch im Juli und August blühen. Besonders wertvoll sind offene, ungefüllte Blüten. Bei stark gefüllten Zierformen können Insekten oft kaum an Nektar und Pollen herankommen.

Nicht jede Blüte ist automatisch bienenfreundlich. Viele klassische Balkonpflanzen wie Geranien oder Petunien sehen zwar farbenprächtig aus, bieten Bienen aber kaum verwertbare Nahrung. Oft liefern sie nur wenig Nektar und Pollen oder die Insekten erreichen diese kaum. Wer Balkonkästen, Kübel oder Beete bepflanzt, sollte deshalb bewusst Arten wählen, die nicht nur schön aussehen, sondern auch ökologisch wertvoll sind.

 

Wertvolle Blüten im Hochsommer

Lavendel, Katzenminze und Wiesen-Salbei gehören zu den Pflanzen, die im Juli viel Leben in den Garten bringen. Sie bevorzugen sonnige Standorte, blühen ausdauernd und werden gerne von Bienen angeflogen. Auch Kornblumen, Echtes Johanniskraut und Ysop passen gut in naturnahe Beete und liefern im Hochsommer Nahrung für verschiedene Insekten.

Besonders wertvoll sind zudem Kräuter wie Gewöhnlicher Dost, auch Wilder Majoran genannt. Seine Blüten sind bei Bienen, Hummeln und Schmetterlingen beliebt und die Pflanze kann zugleich in der Küche verwendet werden. Wilde Malve, Himbeersträucher und Acker-Witwenblume ergänzen das Angebot und bringen Struktur und Farbe in den Garten.

Für kräftige Akzente bis in den Spätsommer sorgen Sonnenhut-Arten. Der Garten-Sonnenhut mit gelben Blüten und der Rote Sonnenhut mit rosafarbenen bis roten Blüten werden von vielen Insekten besucht.

 

Naturnahe Pflege hilft zusätzlich

Es kommt nicht nur auf die Pflanzenauswahl an, sondern auch auf den Umgang mit dem Garten. Wer nicht jede verblühte Staude sofort abschneidet, lässt Samenstände und Rückzugsorte stehen. So finden Vögel später Nahrung und Insekten nutzen die Stängel und Pflanzenreste als Schutzraum.

„Ein bienenfreundlicher Garten entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Vielfalt und etwas Gelassenheit“, sagt Epple. „Wer ungefüllte Blüten pflanzt, wilde Ecken zulässt und nicht alles gleichzeitig mäht, hilft Bienen und anderen Insekten oft sehr.“ Schon ein Kräuterbeet oder ein blühender Balkonkasten kann im Hochsommer eine wertvolle Ergänzung sein.

Eine flache Wasserstelle ist an heißen Tagen zusätzlich hilfreich. Eine Schale mit Steinen oder Moos bietet Bienen, Hummeln und Schmetterlingen die Möglichkeit zu trinken, ohne zu ertrinken. Das Wasser sollte regelmäßig erneuert werden.

 

Fünf einfache Tipps für mehr Bienenfreude im Juli

 

  1. Hochsommerblühende Stauden und Kräuter pflanzen, etwa Lavendel, Alant, Dost, Katzenminze, Wiesen-Salbei oder Malve.
  2. Ungefüllte Blüten wählen, damit Insekten gut an Nektar und Pollen gelangen.
  3. Nicht alles auf einmal mähen, sondern einzelne blühende Bereiche stehen lassen.
  4. Auf chemische Pflanzenschutzmittel möglichst verzichten.
  5. Den Garten so planen, dass von Frühjahr bis Herbst immer etwas blüht.

 

Wenn auf Wiesen und Ackerflächen im Juli weniger Nahrung zu finden ist, können Hausgärten einen wichtigen Beitrag leisten. Ein einzelner Balkon ersetzt keine Landschaft. Doch viele blühende Vorgärten, Kräuterbeete, Balkonkästen und naturnahe Ecken zusammen bilden ein wertvolles Netz für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. So können auch kleine Flächen sichtbar zur Artenvielfalt beitragen.

Text: Gerti Epple/Eva Herz

Auch beim Mähen lässt sich viel für Insekten tun: Wer erst ab Juli und dann abschnittsweise mäht, erhält blühende Kräuter wie Klee, Gänseblümchen oder Löwenzahn länger. Solche kleinen Bereiche können im Sommer eine wichtige Ergänzung sein.

Statt auf chemische Pflanzenschutzmittel sollte man im Hausgarten auf robuste Pflanzen, Vielfalt und natürliche Kreisläufe setzen.


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