
Heute Nacht endete die Mondumrundungsmission Artemis II der NASA mit der Wasserung der Orion-Kapsel "Integrity" vor der US-Westküste.
Herzlichen Glückwunsch an die Astronauten Christina Koch, Reid Wiseman, Victor Glover und Jeremy Hansen und alle Beteiligten rund um den Globus zu diesem herausragenden Erfolg!
Zeit für ein paar Reflexionen aus (raumfahrt-)historischer Perspektive.
Es ist fast 54 Jahre her, seit im Dezember 1972 mit Apollo 17 zum letzten Mal Menschen zum Mond geflogen sind. Und es ist fast 58 Jahre her, dass mit Apollo 8 an Weihnachten 1968 zum ersten Mal überhaupt Menschen auf eine solche Reise geschickt wurden.
Unser Museum schätzt sich sehr glücklich, einen während des Fluges von Apollo 8 im All benutzten Kugelschreiber des damaligen Missionskommandanten Frank Borman in der Sammlung zu haben. Borman schenkte ihn später Hermann Oberth zum Dank für dessen bahnbrechende theoretische Vorarbeit, ohne die - so Borman - der Flug um den Mond nicht möglich gewesen wäre.
Oberth hatte schon 1923 in seinem Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" festgestellt, dass der Besuch fremder Weltkörper hohen wissenschaftlichen Wert hätte. In "Wege zur Raumschiffahrt" untersuchte er 1929 in einem ganzen Kapitel Zweck und Nutzen von "Reisen auf fremde Weltkörper". Oberth darin zu Mondreisen u.a.: "Wir könnten daraus geologische Erkenntnisse von unabsehbarer Tragweite schöpfen".
Kein Zufall also, dass der erste Wissenschaftsastronaut überhaupt 1972 im Rahmen der Mission Apollo 17 ein Geologe war: Dr. Harrison Schmitt. Und auch jetzt bei Artemis II konnte man am Tag der Mondumrundung ein ausgiebiges, siebenstündiges geologisches Beobachtungs- und Fotografieprogramm mitverfolgen, für das die Astronauten intensiv von Geologen theoretisch und bei Feldtrainings in Kanada und auf Island vorbereitet wurden.
Dennoch war das Space Race der 1960er Jahre eben vor allem dies: Ein Wettlauf in der Konkurrenz der Weltmächte USA und UdSSR um die Vorherrschaft ihrer jeweiligen Weltanschauung.
Heute erleben wir wieder Elemente eines solchen Wettlaufs, unter anderem mit China als neuem starken und sehr ambitionierten Player.
Aber gerade das Artemis-Programm ist auch ein Beispiel für eine sehr tief gehende internationale Kooperation: Ein Kanadier war Teil der Artemis II-Crew und das Servicemodul, das dem Orion-Raumschiff als Antriebssystem und als Elektrizitätsversorger und den Astronauten zur Lebenserhaltung (Wasser, Atemluft, Temperaturkontrolle) dient, kommt von der ESA aus Europa. Es basiert auf Technologien und Erfahrungen, die beim Spacelab, dem Columbus-Modul auf der ISS und insbesondere dem Automated Transfer Vehicle (ATV) gemacht wurden. Hauptauftragnehmer ist Airbus in Bremen. Beteiligt sind an Entwicklung und Bau Experten und Unternehmen aus (neben Deutschland) Italien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Belgien, Spanien, Dänemark, Schweden und Großbritannien.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Flug und dem Artemis-Programm an sich ist vermutlich - neben allen technischen Errungenschaften - der Wert von Kooperation: Wo Menschen friedlich zusammenarbeiten ist kein Ziel zu weit.
Darüber hat sich übrigens auch Hermann Oberth schon 1957, zu Beginn des Wettlaufs ins All, seine Gedanken gemacht. Er schrieb vor fast 70 Jahren:
"Die Frage nach der Zukunft der Raumfahrt ist im Grunde ein Teil der Frage nach der Zukunft der menschlichen Kultur überhaupt. Geht diese in die Brüche, dann wird es auch keine Raumfahrt mehr geben! Forschung und Fortschritt werden, je länger je mehr, nur noch möglich sein, wenn die menschliche Gemeinschaft sie zu würdigen weiß und wenn alle zusammenstehen, statt ihre Kräfte im Zank um Sprache, Religion, Parteien, Regierungssysteme, Kunden und Absatzmärkte zu zersplittern und ihre Kenntnisse und Erfahrungen vor anderen Teilen der menschlichen Gemeinschaft ängstlich geheimzuhalten. Hat aber die Menschheit denn in dieser Hinsicht überhaupt noch eine Zukunft? Ich glaube: Ja!"
Herzlichen Glückwunsch an die Astronauten Christina Koch, Reid Wiseman, Victor Glover und Jeremy Hansen und alle Beteiligten rund um den Globus zu diesem herausragenden Erfolg!
Zeit für ein paar Reflexionen aus (raumfahrt-)historischer Perspektive.
Es ist fast 54 Jahre her, seit im Dezember 1972 mit Apollo 17 zum letzten Mal Menschen zum Mond geflogen sind. Und es ist fast 58 Jahre her, dass mit Apollo 8 an Weihnachten 1968 zum ersten Mal überhaupt Menschen auf eine solche Reise geschickt wurden.
Unser Museum schätzt sich sehr glücklich, einen während des Fluges von Apollo 8 im All benutzten Kugelschreiber des damaligen Missionskommandanten Frank Borman in der Sammlung zu haben. Borman schenkte ihn später Hermann Oberth zum Dank für dessen bahnbrechende theoretische Vorarbeit, ohne die - so Borman - der Flug um den Mond nicht möglich gewesen wäre.
Oberth hatte schon 1923 in seinem Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" festgestellt, dass der Besuch fremder Weltkörper hohen wissenschaftlichen Wert hätte. In "Wege zur Raumschiffahrt" untersuchte er 1929 in einem ganzen Kapitel Zweck und Nutzen von "Reisen auf fremde Weltkörper". Oberth darin zu Mondreisen u.a.: "Wir könnten daraus geologische Erkenntnisse von unabsehbarer Tragweite schöpfen".
Kein Zufall also, dass der erste Wissenschaftsastronaut überhaupt 1972 im Rahmen der Mission Apollo 17 ein Geologe war: Dr. Harrison Schmitt. Und auch jetzt bei Artemis II konnte man am Tag der Mondumrundung ein ausgiebiges, siebenstündiges geologisches Beobachtungs- und Fotografieprogramm mitverfolgen, für das die Astronauten intensiv von Geologen theoretisch und bei Feldtrainings in Kanada und auf Island vorbereitet wurden.
Dennoch war das Space Race der 1960er Jahre eben vor allem dies: Ein Wettlauf in der Konkurrenz der Weltmächte USA und UdSSR um die Vorherrschaft ihrer jeweiligen Weltanschauung.
Heute erleben wir wieder Elemente eines solchen Wettlaufs, unter anderem mit China als neuem starken und sehr ambitionierten Player.
Aber gerade das Artemis-Programm ist auch ein Beispiel für eine sehr tief gehende internationale Kooperation: Ein Kanadier war Teil der Artemis II-Crew und das Servicemodul, das dem Orion-Raumschiff als Antriebssystem und als Elektrizitätsversorger und den Astronauten zur Lebenserhaltung (Wasser, Atemluft, Temperaturkontrolle) dient, kommt von der ESA aus Europa. Es basiert auf Technologien und Erfahrungen, die beim Spacelab, dem Columbus-Modul auf der ISS und insbesondere dem Automated Transfer Vehicle (ATV) gemacht wurden. Hauptauftragnehmer ist Airbus in Bremen. Beteiligt sind an Entwicklung und Bau Experten und Unternehmen aus (neben Deutschland) Italien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Belgien, Spanien, Dänemark, Schweden und Großbritannien.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Flug und dem Artemis-Programm an sich ist vermutlich - neben allen technischen Errungenschaften - der Wert von Kooperation: Wo Menschen friedlich zusammenarbeiten ist kein Ziel zu weit.
Darüber hat sich übrigens auch Hermann Oberth schon 1957, zu Beginn des Wettlaufs ins All, seine Gedanken gemacht. Er schrieb vor fast 70 Jahren:
"Die Frage nach der Zukunft der Raumfahrt ist im Grunde ein Teil der Frage nach der Zukunft der menschlichen Kultur überhaupt. Geht diese in die Brüche, dann wird es auch keine Raumfahrt mehr geben! Forschung und Fortschritt werden, je länger je mehr, nur noch möglich sein, wenn die menschliche Gemeinschaft sie zu würdigen weiß und wenn alle zusammenstehen, statt ihre Kräfte im Zank um Sprache, Religion, Parteien, Regierungssysteme, Kunden und Absatzmärkte zu zersplittern und ihre Kenntnisse und Erfahrungen vor anderen Teilen der menschlichen Gemeinschaft ängstlich geheimzuhalten. Hat aber die Menschheit denn in dieser Hinsicht überhaupt noch eine Zukunft? Ich glaube: Ja!"
