Etwa 50 naturinteressierte Personen versammelten sich bei optimalen Wetterbedingungen auf der Wiese, darunter auch erfreulich viele Kinder. Neben dem regen Austausch der Gäste war ein dreiteiliges „Natur-Bildungsprogramm“ angeboten.
(1) Stellen wir uns mit Blick auf die aktuelle Weltlage einmal vor, wir könnten nichts mehr einkaufen; alle Lebensmitteldiscounter wären von einem Tag auf den anderen geschlossen. Könnten wir dann auf “Wiese“ umschalten?
Jupp Schröder, unser Pflanzenexperte, widmete sich der Frage: Kann man von einer wilden Wiese leben, sie gar als „Genussregion“ bezeichnen? Seine Antwort lautet sinngemäß: „Ja, wenn man sich auskennt.“ Er hatte dazu als Anschauungsmaterial etliche essbare Wildpflanzen mitgebracht, die er dem andächtig lauschenden Zuhörerkreis in Bezug auf ihre Anwendungsgeschichte, ihre gesundheitlichen Qualitäten und auch hinsichtlich der Verwechslungsgefahren mit unbekömmlichen oder sogar schwer giftigen Pflanzen vorstellte. Beim anschließenden Gang durch die Wiese spürte er zusammen mit seinen mit seinen Gästen jede Menge Essbares und Schmackhaftes im Gelände auf.
(2) Auch Schmetterlinge leben nicht nur von Luft und Sonne, sondern müssen fressen, um bunt und stark zu werden. Aber wovon leben sie eigentlich?
Das war das Thema von Roland Kraus, der einer Gruppe von naturbegeisterten Kindern an Hand eines improvisierten Herbariums zeigte, welche pflanzlichen Vorlieben die Raupen von Schmetterlingen haben. Jede Art hat ihre Lieblingspflanzenarten, manche sind sogar auf eine oder ganz wenige angewiesen. Bietet eine Wiese viele Arten von Futterpflanzen, gibt es auch viele Arten von Schmetterlingen.
Die Kinder mit ihrem Blick für Details hatten keine Mühe, beim Ausschwärmen ins Wiesengelände die gerade kennengelernten Futterpflanzen aufzuspüren.
(3) Auf einer Wiese gibt es nicht nur bunte Schmetterlinge oder Wildbienen. Sowohl was den Artenreichtum wie auch die Individuenzahl ist eigentlich unter den Insekten die Gruppe der Fliegen die bedeutsamste. Allein in Deutschland gibt es geschätzt 10000 Fliegenarten. Leider haben sie bei den meisten Leuten ein „Igitt!“-Image, welches verhindert, dass ihnen mit unbefangener Neugier begegnet wird.
Josephin Römer konzentrierte sich in ihrem begeisternden Vortrag über dieses geheimnisvolle Reich die Gruppe der Raupen- oder Schmarotzerfliegen vor, von denen es in Mitteleuropa ca. 500 Arten gibt. Auch auf unserer Wiese sind verschiedene Arten immer wieder anzutreffen, darunter die spektakuläre Igelfliege (Tachina fera), die bei oberflächlicher Betrachtung mit einer Hummel verwechselt werden kann. Gäbe es die Schmarotzerfliegen nicht, würden sich manche Arten von Insekten in geradezu furchterregender Weise ausbreiten. In einem gesunden artenreichen Ökosystem kann das kaum passieren; da halten sich die Arten immer gegenseitig im Gleichgewicht,
Nach etwa zwei Stunden war die Zeit leider schon wieder herum. Wir trennten uns wieder – voll mit neuen Erkenntnissen über Naturzusammenhänge.
Jürgen Klapprott
