Mit der ARCHIV-POST berichtet das Stadtarchiv als zentrale Gedächtniseinrichtung aus der Alltagsarbeit, aus der Geschichte oder auch von besonderen Fortschritten, Archivalien oder anderem.
Nr. 07/26: Hochwassergeschädigte Akten im Wiederaufbau: Was nach der Trocknung folgt
Wie in Archiv-Post 05/2026 berichtet, wurden kürzlich drei Paletten mit Archivunterlagen probeweise getrocknet. Nun beginnt damit die Sichtung und Aufbereitung der hochwassergeschädigten Unterlagen.
Die Prüfung des Zustands ergibt größtenteils ein positives Bild. Wie bei der Bergung wahrgenommen, hat das Wasser die Unterlagen durchnässt und überwiegend nur oberflächlich verunreinigt. Durch das sofortige Abwaschen des Schlamms haftet den Unterlagen, vor allem den Mappen, nur ein dünner Schleier und wenige Krusten von Schlamm an. Die Aktenmappen, hier blau vom Historischen Archiv und orange vom Bauaktenbestand, werden nicht gereinigt, sondern entfernt. Nur die eigentlichen Dokumente werden von Anhaftungen befreit und dann in neue Mappen eingeheftet.
Geringe Mengen oder nur wenig verschmutzte Akten können im Stadtarchiv selbst bearbeitet werden. Für die großen Mengen, die noch folgen werden, ist die Reinigung und Restaurierung bei größeren Schäden in spezialisierten Papierrestaurierungswerkstätten vorgesehen. Dabei können Risse, Knitterungen und schwerwiegende Schädigungen entfernt werden. Die Aktenblätter selbst sind gewöhnlich, wie sich zeigte, nicht verblockt oder verklebt und können nun bereits problemlos geblättert werden. Wellungen im Papier, die der Feuchte geschuldet sind, werden nicht entfernt und sind künftig Teil der Objektbiografie: Ihre Geschichte als hochwassergeschädigtes Archivgut werden die Stolberger Unterlagen für immer behalten.
Erfreulich ist die Beobachtung, dass die meisten Schriften, ob mit Tinte, Schreibmaschine, Bleistift oder gedruckt aufgetragen, ziemlich unbeeinträchtigt das Wasser überstanden haben. Tinten sind öfters etwas ausgeblutet, aber meist ohne dass der Inhalt nicht mehr identifizierbar ist. Lesbar sind die allermeisten Dokumente, und das ist das Wesentliche bei Archivalien. Manche Stempelfarben sind bis zur Unkenntlichkeit ausgewaschen. Insofern ist nicht nur der äußerliche Zustand, sondern auch der Erhaltungsgrad des textlichen Inhalts auf die Umstände bezogen erfreulich. Besonders gut erhaltene Dokumente, denen man eine Wasserschädigung nicht ansieht, sind dabei ebenso zu verzeichnen wie erheblich verschmutzte und physisch deformierte Unterlagen, wo der Wiederherstellungsaufwand größer sein wird.
Ein frühzeitig erkannter Lerneffekt sind die wasserlöslich angebrachten Etiketten. Um durch Klebstoffe keine Fremdstoffe und schädlichen Säuren ans Archivgut zu bringen, wurden Etiketten von Mappen und Kartonagen standardmäßig mit solchen Etiketten bezeichnet. Das Stadtarchiv setzt nun grundsätzlich auf Stempel und Beschriftungen mit wasserfester, unschädlicher Tinte, damit im Havariefall keine aufwändigen Identifizierungen mehr notwendig würden. Der überwiegend verhältnismäßig gute Zustand bewirkt insgesamt eine schnellere Bereitstellung an Nutzer/innen sowie eine kürzere und günstigere Wiederherstellung des Archivguts.
Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und ‚Gedächtnis der Stadt‘ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Haben Sie Fragen rund um Geschichte und Archivwesen, ein Forschungsprojekt oder möchten uns historische Dokumente oder Erinnerungsstücke, wie Fotos, Videos, Berichte oder Objekte anbieten, kontaktieren Sie das Stadtarchiv unter 02402/13364 oder 13313 oder stadtarchiv@stolberg.de!
Bild: Christian Altena (Kupferstadt Stolberg)
Bildunterschrift: Archivakte mit Schlamm und abgelöstem Etikett, Blick in eine getrocknete Archivakte, Umschlag einer geschädigten Bauakte, Stempel auf neuer Aktenmappe
