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Stellungnahme zur Schließung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Witzenhausen
Bürgermeister
23.07.2026, 15:53

Mit großem Unverständnis habe ich die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Kenntnis genommen, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Witzenhausen zu schließen und künftig über den Standort Eschwege abzuwickeln. Eine offizielle Nachricht hierzu hat mich heute erst erreicht.

 

Besonders enttäuscht bin ich über die Art und Weise der Kommunikation. Von einer Entscheidung dieser Tragweite habe ich zunächst über Bürgerinnen und Bürger sowie aus der Berichterstattung der HNA erfahren. Erst heute erreichte mich dann ein offizielles Schreiben (als E-Mail) der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Ich halte es für selbstverständlich, dass betroffene Kommunen frühzeitig informiert und in einen Dialog eingebunden werden. Dies ist hier nicht geschehen.

 

Die Schließung des Standorts Witzenhausen ist aus meiner Sicht ein erheblicher Rückschlag für die medizinische Versorgung unserer Region. Sie betrifft nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern schwächt auch die zahlreichen medizinischen Einrichtungen vor Ort – von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten über unsere Apotheken bis hin zum Klinikum selbst. Eine wohnortnahe Versorgung außerhalb der regulären Sprechzeiten ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge.

 

Ich teile ausdrücklich nicht die Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung, dass die Verlagerung nach Eschwege den Werra-Meißner-Kreis insgesamt stärkt. Wer die Strukturen unseres ländlichen Raums kennt, weiß, dass sich Patientinnen und Patienten künftig nicht ausschließlich nach Eschwege orientieren werden. Vielmehr ist zu erwarten, dass sich die Patientenströme verstärkt nach Kassel und Göttingen verlagern. Damit wird nicht nur Witzenhausen geschwächt, sondern letztlich auch das Klinikum Werra-Meißner als Ganzes.

 

Besonders kritisch sehe ich, dass bei der Begründung der Entscheidung vor allem auf organisatorische Abläufe und gesetzliche Vorgaben verwiesen wird. Die Lebensrealität der Menschen im ländlichen Raum darf dabei jedoch nicht aus dem Blick geraten. Versorgung lässt sich nicht allein anhand von Erreichbarkeitsradien, Karten oder theoretischen Planungsmodellen bewerten.

 

Ich weise zudem die Formulierung zurück, der Einsatz für den Erhalt eines Bereitschaftsdienststandortes sei möglicherweise politisch motiviert. Mich leitet dabei keine parteipolitische Überzeugung, sondern meine Verantwortung als Bürgermeister für die Menschen in unserer Stadt. Es ist meine Aufgabe, mich für eine verlässliche und wohnortnahe Gesundheitsversorgung einzusetzen.

 

Ich werde mich auch weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Witzenhausen als Gesundheitsstandort nicht weiter geschwächt wird. Gleichzeitig erwarte ich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen künftig einen frühzeitigen, offenen und respektvollen Dialog mit den betroffenen Kommunen. Entscheidungen dieser Tragweite dürfen nicht zuerst über die Presse oder aus der Bevölkerung bekannt werden.

 

Die Menschen in Witzenhausen haben Anspruch auf eine starke medizinische Versorgung – und sie haben ebenso Anspruch darauf, dass über ihre Zukunft nicht ohne sie entschieden wird.


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