Dieses „Gemeinsam“, das letzte Woche in der Gruppe so sehr spürbar war, hallt noch immer in mir nach. Eine Teilnehmerin hatte beim letzten Treffen erwähnt, dass sie in schweren Momenten oft an die Gruppe denken muss und an das, was wir dort besprechen. Auch ich komme immer wieder in Situationen, die mich herausfordern. Situationen, die mich in alte Muster fallen lassen. Situationen, die mich unsicher werden lassen. Situationen, die ich am liebsten vermeiden würde. Aber ich habe in der letzten Zeit viel über mich gelernt – sowohl in meinen Therapiestunden als auch in der Gruppe. Die Situationen, die ich früher gemieden habe und auch heute noch am liebsten meiden würde, nutze ich heute aktiv, um zu wachsen. Ich spreche an, wenn mir etwas ungerecht erscheint, oder ich anderer Meinung bin. Meistens habe ich dann wacklige Beine und fang an zu schwitzen, weil es für mich etwas Neues und Ungewohntes ist. Was mich dabei motiviert ist der Gedanke, dass ich beim nächsten Treffen stolz von dieser Situation berichten und andere aus der Gruppe ermutigen kann, das Gleiche zu tun. Jedes Mal, wenn ich für meine Meinung einstehe und sogar mal anderen widerspreche, fühle ich mich befreiter. Fühle mich größer, fühle mich beachtet und gesehen. Nicht nur mein Selbstbewusstsein wächst, sondern auch meine Selbstwirksamkeit.
Diese Veränderung kam nicht über Nacht und auch die bloße Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe führt nicht zu ganz neuen Verhaltensweisen. Bei mir gibt es mehrere Gründe: Begonnen hat alles in dem Moment, in dem ich bei Kiss angerufen habe, um mich nach einer Selbsthilfegruppe zu erkundigen. Ich wurde aktiv und habe mich getraut einer fremden Person von meinem Thema zu erzählen. Beim ersten Treffen habe ich gemerkt, dass ich mit meinem Thema gar nicht allein bin. Das gegenseitige Bestärken, Mut machen und einfach verstanden fühlen gibt mir am meisten das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Ich darf zeigen, wer ich bin!
Der Beitrag Mein Weg in die Selbsthilfe – Teil 7 erschien zuerst auf Kiss Mittelfranken.
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