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Vortrag der Kürnacher GRÜNEN: Einblicke in Geschichte, Kultur und Gegenwart der baltischen Staaten
Bündnis 90/ Die Grünen
10.05.2026, 17:26
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Vortrag der Kürnacher GRÜNEN: Einblicke in Geschichte, Kultur und Gegenwart der baltischen Staaten
Kürnach – Im Rahmen einer gut besuchten Veranstaltung luden die Kürnacher GRÜNEN zu einem informativen Vortrag über die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen ein. Referent war Michael Gutsche aus Kürnach, der die Gäste mit einem bebilderten Reisebericht auf einen facettenreichen Ausflug durch Geschichte, Kultur und Gegenwart dieser drei Länder mitnahm.
Zu Beginn des Vortrags wurden die historischen Gemeinsamkeiten der baltischen Staaten beleuchtet. Neben der Erfahrung von Fremdherrschaft, die bis ins Mittelalter zurückreicht, war die Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie die anschließende Eingliederung in die Sowjetunion besonders prägend. Diese Phase hinterließ tiefe Spuren in Politik, Gesellschaft und kollektiver Erinnerung der Länder. Auch aktuelle Parallelen, etwa im Hinblick auf sicherheitspolitische Herausforderungen und die inzwischen feste Einbindung in die Europäische Union, wurden thematisiert.
Im weiteren Verlauf ging der Referent auf zentrale Unterschiede zwischen Estland, Lettland und Litauen ein. Ein anschauliches Beispiel kultureller Vielfalt sind die Sprachfamilien: Während Litauisch und Lettisch die Gruppe der beiden baltischen Sprachen bilden und zu den indoeuropäischen Sprachen gehören, ist Estnisch Teil der uralischen Sprachenfamilie und damit näher mit dem Finnischen verwandt.
Um den Zuhörenden ein besseres Gefühl für Dimensionen zu vermitteln, zog der Referent anschauliche Vergleiche mit deutschen Bundesländern. Litauen ist z. B. flächenmäßig etwas kleiner als Bayern, dort wohnen aber nur 2,8 Mio. Menschen, während Bayern über 13 Mio. Einwohner hat. Insgesamt sind die baltischen Staaten also relativ dünn besiedelt.
Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Hauptstädten der baltischen Staaten und ihrer kulturellen Besonderheiten. Vilnius beeindruckt durch seine reiche Geschichte,
So ging der Referent auf die Jesuiten als Gründer der Universität ein, aber auch auf die Bedeutung der Stadt als "Jerusalem des Nordens", die einst ein bedeutendes Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit und Kultur war. Auch die sogenannte Literatengasse, ein kreativer Erinnerungsort für Schriftsteller unterstreichen die kulturelle Lebendigkeit der Stadt.
Mit Bildern und Hörsequenzen vom Johannisfest im nahegelegenen Kernavė veranschaulichte der Referent die Pflege typischer Bräuche und Gesänge bei diesem Fest. Darüber hinaus ging er auf kulinarische Besonderheiten ein, wie der kalten Rote-Beete-Suppe und dem gebratenem Knoblauchbrot.
Riga, die Hauptstadt Lettlands, wurde architektonisches und kulturelles Zentrum vorgestellt. Hervorgehoben wurden die imposante Nationalbibliothek, das historische Gebäude der Schwarzhäuptergilde sowie das Okkupationsmuseum, das sowohl die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg behandelt, aber auch die Sowjetzeit, die durchweg als Besatzung empfunden wurde, dokumentiert. Auch die symbolträchtige „Straße der ukrainischen Unabhängigkeit“ bei der Russischen Botschaft wurde als Ausdruck aktueller politischer Solidarität thematisiert.
Tallinn schließlich besticht durch sein mittelalterliches Flair und eine lebendige Kulturszene. Anhand des Beispiels Estlands schilderte der Referent auch eindrucksvoll die sogenannte „Singende Revolution“, die friedliche Protestbewegung der baltischen Staaten, die maßgeblich zur deren Unabhängigkeit beitrug. Musik und gemeinschaftliches Singen wurden dabei zu einem kraftvollen politischen Instrument.
Abgerundet wurde der Vortrag durch die Vorstellung des „Bergs der Kreuze“ in Litauen – ein einzigartiger Ort der Spiritualität und des stillen Widerstands, der bis heute tausende von Kreuzen beherbergt und als Symbol für Glauben und nationale Identität gilt.
Die Veranstaltung und die nachfolgende Diskussion bot den Teilnehmenden nicht nur fundierte Informationen, sondern auch zahlreiche Denkanstöße und neue Perspektiven auf eine Region, die trotz geografischer Nähe oft wenig im Fokus steht. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kerstin Celina, die den Vortrag an ausgewählten Stellen durch kenntnisreiche Vergleiche mit Entwicklungen in der Region einordnete. Viele der Gäste nahmen sich die baltischen Fähnchen, die als Dekoration dienten, zur Erinnerung mit nach Hause.

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Beschreibung

Der Kürnacher Ortsvorstand (v.l.n.r.): Dr. Lea Nachtigall, Roswitha Schmidt, Kerstin Celina, und Ingrid Schreiner (Fotograf Michael Gutsche)