Freystadt. Der erste Kirchenverkauf im Landkreis Neumarkt ist in trockenen Tüchern. Die Sebastiani-Kirche in Freystadt, fertigstellt im Jahr 1617, ist veräußert. Dass es im Zuge von Sparmaßnahmen der evangelischen Kirche auch im Landkreis Neumarkt zu Verkäufen kirchlicher Gebäude kommen würde, war bereits in den letzten Monaten deutlich geworden. Wie es zum Verkauf der Freystädter Kirche kam, erklären die Beteiligten in dem Kaufgeschäft.
Das Gotteshaus war im Jahr 1986 als Schenkung des katholischen Bistums Eichstätt an die evangelische Kirchengemeinde Sulzkirchen veräußert worden und war bis 2022 der Treffpunkt evangelischer Christen in Freystadt. Jetzt gehört sie nicht mehr der evangelischen Kirche. Pfarrer Alexander Proksch hat am Dienstagmorgen nach dem Notartermin und der Unterzeichnung des Kaufvertrags einen symbolischen Schlüssel an die Käufer Christian und Wolfgang Sachs von der Sachs Immobilien GmbH mit Sitz in Berngau übergeben.
Sanierung und kulturelle Nutzung ist vorgesehenIm Beisein von Kirchenpfleger Hans-Jürgen Leuthel und dem Vertrauensmann des Kirchenvorstands von Sulzkirchen, Dr. Michael Meier, besiegelte Proksch damit den Verkauf. Der Geistliche freue sich, das Gotteshaus an Menschen zu übergeben, die ihre Heimat schätzen und die Kirche als kulturellen und religiösen Treff erhalten und einer würdigen Nutzung zuführen wollen. Auch Kirchenpfleger und Kirchenvorstand sind glücklich über diesen Verkauf – er sei eine nachvollziehbare und gute Lösung. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Aber die Käufer betonten: „Wir sind beide geborene Freystädter und als wir gelesen haben, dass das Gotteshaus zum Verkauf steht, haben wir uns zum Kauf entschlossen. Wir wollen dieses historische Gebäude weiter nutzen und beleben.“ Christian und Wolfgang Sachs werden nun mit dem Denkmalschutz Kontakt aufnehmen, um sich über die Möglichkeiten der Gestaltung abzustimmen.
Sakrale Gegenstände werden in andere Kirchen gebracht
Geplant seien Räumlichkeiten, „in denen Kunst und Kultur, aber auch der Mensch seinen Platz haben wird.“ Ausstellungen, Vorträge, Seminare, aber auch ein Platz für Trauungen an historischer Stätte sind die Ideen, die beide für das Gebäude haben. Dazu bedarf es aber aufwendiger Sanierungsarbeiten. Die Vertreter der Sulzkirchener Kirchengemeinde waren sich einig, dass man mit der Immobilienfirma die perfekte Lösung gefunden habe. Die Käufer garantieren, im Sinne der Verkäufer zu handeln. Die Entwidmung des Gotteshauses wird am 7. Juni in Anwesenheit von Regionalbischof Klaus Stiegler und Dekanin Christiane Murner stattfinden. Dann wird es nur noch als ganz normales Gebäude geführt. Bis dahin sind allerdings noch viele Handgriffe nötig. Laut Proksch werden fast alle sakralen Gegenstände eine neue Verwendung finden. So werden der Taufstein und die Gesangbücher in die Spitalkirche verbracht, die seit der Schließung der nun verkauften Kirche das Domizil der evangelischen Christen in Freystadt ist. Die beiden Glocken sind für hilfsbedürftige Pfarreien in Osteuropa vorgesehen. Die Parament haben in einer Kapelle in Erlangen ihre neue Heimat und das Mobiliar wird nach Sulzbürg verbracht. Die Sebastiani-Statue wird der katholischen Pfarrei Freystadt zurückgegeben. Für den Altar gebe es noch keinen Abnehmer.
Die Sebastiani-Kirche in Freystadt Bau: wurde fertiggestellt im Jahre 1617 zusammen mit dem heute bereits aufgelassenen Friedhof. Abbruch: 1974 wurde sogar ein Abbruch des Gotteshauses in Erwägung gezogen. Der wurde aber durch ein Veto der Bürgerinnen und Bürger verhindert. Nach Gesprächen von Pater Dagobert und dem evangelischen Dekan Peter Smolka wurde am 17. Dezember 1986 eine Schenkungsurkunde unterzeichnet. Mit einem Betrag von 600 000 Mark wurde die Kirche saniert und am 26. November 1989 von Pfarrer Holger Bischof feierlich eingeweiht.
Schließung: Bauliche Mängel zwangen die Kirchenverantwortlichen, das Gotteshaus 2022 zu schließen. Nun ist die Kirche verkauft. (ngl)
