Ergoldsbach. (ndo) Bei einer Exkursion über den Golfplatz in Leonhardshaun erlebten Naturinteressierte staunend und mit offenen Augen, welche Artenvielfalt auf dem Golfplatzgelände herrscht. Die Entdeckungstour stand unter dem Motto „Zusammenspiel von Natur, Freizeit und Artenvielfalt am Golfplatz“. Sie förderte eine Vielzahl an Überraschungen von seltenen Pflanzen zu Tage. Stefan Haschke, der sich als 2. Vorstand im Bund Naturschutz Ortsgruppe Ergoldsbach-Neufahrn-Bayerbach-Postau engagiert, hatte die Idee zu der Tour. Da er am Golfplatz die Funktion des Greenkeepers bekleidet, war es für ihn einfach, in Kooperation mit Golfplatzbesitzer Markus Neumüller den Rundgang auf dem Gelände zu organisieren. Die Teilnehmer waren zunächst etwas skeptisch, ob Golfvergnügen, Artenvielfalt und nachhaltige Nutzung zusammenpassen.
Die Frage nach der nachhaltigen Nutzung klärte Neumüller schnell auf, als er darauf verwies, dass ein Drittel des Golfplatzareals aus Ausgleichsflächen unter anderem mit Blüh- und Streuobstwiesen besteht. Auf den Streuobstwiesen stehen rund 150 Obstbäume. Ehemalige Ackerflächen bekamen außerdem eine Umwidmung in landwirtschaftliche Grünflächen, die für Silage und Heu sorgen. Diese Flächen sind seit über zehn Jahren ungedüngt und naturbelassen. Diese Strategie nutzt die Flora, sind immer wieder neu zu erfinden und neue Arten anzusiedeln. Da fühlen sich unter anderem Rot- und Hornklee, Kamille und Schafgarbe wohl, worüber sich laut Neumüller auch Rehe, Hasen und Dachse freuen. Die Blühflächen und Streuobstwiesen sind laut Haschke prädestiniert für die Nutzung als Imkerflächen. Daher böte er Areale gerne Imkern an, damit sie dort ihre Bienenstöcke aufstellen.
Bei der Anlage des Golfplatzes blieben schon ewig vorhandene Weiher mit ihren Schilfgürteln erhalten. Das führte einen Teilnehmer zu der Frage, wie es die Golfplatzbetreiber mit der Bewässerung der Anlage halten. „Entgegen der landläufigen Meinung bewässern wir nur Abschlag und Grün“, so der leidenschaftliche Greenkeeper. Dass die anderen Flächen unterschiedliche Grünfärbungen aufweisen, liege an den wechselhaften Bodenstrukturen wie Lehm- oder Kiesböden, die Wasser unterschiedlich speichern, so Haschke.
Beim Finden und Bestimmen seltener Pflanzen war Biologin Anja Knopp behilflich. Es war erstaunlich, was sie alles mit zielsicherem Blick an beindruckender Vielfalt im hohen Gras entdeckte. Das reichte von Kuckucks-, weißer und roter Lichtnelke über Wiesen-Platterbse bis Flockenblumen und Wiesen-Kümmel. Den besuchen verschiedene Schwebfliegenarten gerne. Sie war selbst überrascht, als ihr entlang einem bei der Flurbereinigung gesetzten Windschutzstreifen eine größere Fläche an gelbem Flügelginster ins Auge stach. Sie erwähnte zudem, dass Insekten ultraviolette (UV) Töne wahrnehmen. Viele Blüten besitzen für Insekten markante UV-Muster. Diese Kontraste weisen den Weg direkt zur Blütenmitte und zum Nektar. „Manche Pflanzen färben ihre Blüten nach der Bestäubung um“, so Knopp, „um den Insekten zu signalisieren, hier gibt es nichts mehr zu holen“.
Zu holen gibt es bleibende Eindrücke. Denn die Feldwege am Golfplatz sind für die Allgemeinheit zugänglich, sodass jeder mit offenen Augen die überraschende Vielfalt der Natur entdecken kann.
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