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16K3 Marsch in Ortenburg – Erinnerung, Tradition und Gemeinschaft
Reservistenkameradschaft Ortenburg
05.04.2026, 16:10
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Der K3 Marsch ist mittlerweile ein Traditionsmarsch in der Erinnerungs- und Gedenkkultur der Bundeswehr, des Reservistenverbandes mit ihren Soldaten und Soldatinnen, Reservisten und Reservistinnen sowie interessierten Bürgern. Zum Gedenken an das sogenannte Karfreitagsgefecht 2010, wurde dieser Gedenkmarsch durch das Veteranennetzwerk „NATOVET“ und der Institution „Café Viereck“ privat initiiert und 2020 erstmalig als „10K3 Marsch“ durchgeführt.

 

Seit vier Jahren unterstützt die Reservistenkameradschaft (RK) Ortenburg diese Erinnerungs- und Gedenkkultur und führt daher als Verbandsveranstaltung des Reservistenverbandes den K3 Marsch im Landkreis Passau durch. Bisher konnte von Jahr zu Jahr die Gesamtteilnehmerzahl gesteigert werden, so dass mittlerweile weltweit deutschen Soldaten, Reservisten und deren NATO-Partnern sich daran beteiligen. Bei dem K3 Marsch geht es um das gemeinsame Gedenken und Erinnern an die gefallenen Kameraden Stabsgefreiter Robert Hartert, Hauptfeldwebel Nils Bruns und Hauptgefreiter Martin Augustyniak und das Stärken des Zusammenhalts.

 

Zudem dient der Marsch auch zum Sammeln von Spendengeldern für soziale Zwecke der Soldatenhilfe und zivilen Hilfe. Seit dem ersten Gedenkmarsch 2020 können alle Teilnehmer mit dem Kauf des jährlichen Patch Spendengelder generieren. Kurze Erklärung zu dem Patch - 2026 liegt das Karfreitagsgefecht nun sechzehn Jahre zurück – daher die 16 im Patch. Das K steht für Karfreitag und die rote Drei steht für die drei gefallenen Kameraden. Der Erlös der Patches wird dieses Jahr durch Café Viereck an die Soldaten- und Veteranenstiftung (SVS), an den Verein „Krebskranke Kinder Mainz e.V.“ und an die „Deutsche Wildtier Stiftung“ gespendet. 

 

Am 4. April trafen sich die Reservisten am Meldekopf am Schloss Ortenburg. Nach der Registrierung erfolgte um 08:00Uhr durch den Leitenden des Marsches, Oberstabsgefreiter (OStGefr) d.R. Michael Samereier die Begrüßung und Marscheinweisung. Als besondere Gäste konnte OStGefr d.R. Samereier den stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksgruppe Niederbayern, Stabsfeldwebel (StFw) d.R. Hans-Martin Sailer, den stellvertretenden Landrat Klaus Jeggle und den Bürgermeister des Markt Ortenburg Stefan Lang (Hauptgefreiter d.R.) begrüßen.

 

StFw d.R. Sailer dankte im Namen der Bezirksgruppe Niederbayern der RK Ortenburg und persönlich OStGefr d.R. Samereier für die Organisation und Durchführung des Marsches sowie der gesamten Marschgruppe für die Teilnahme. Stellv. Landrat Jeggle und Bürgermeister Lang bedankten sich ebenfalls für das Engagement der Reservisten und für das hochalten der Flagge im wahrsten Sinne. Sie betonten, wie wichtig in Zukunft die Reservisten und Reservistinnen im Rahmen des Zivilschutzes wieder werden und das es sehr positiv ist das die Reservisten und Reservistinnen in der Öffentlichkeit wieder mehr gesehen werden. Abschließend hoben beide die Wichtigkeit des Gedenkens an die gefallenen der Bundeswehr, und an diesem Tag besonders des Karfreitagsgefecht hervor. Bürgermeister Stefan Lang überreichte im Namen des Markt Ortenburg einen Spendencheck an die RK Ortenburg für ihr Engagement im Bereich der Reservistenarbeit sowie der gesellschaftlichen Arbeit.

 

Bevor es auf den Marsch ging, wurden den drei gefallenen Kameraden gedacht. OStGefr d.R. Samereier führte mit seiner Rede und dem Einsatzbericht (siehe unten) allen Anwesenden nochmal vor Augen was unsere Soldaten und Soldatinnen an diesem Tag durchmachen mussten.

 

Nach einer Schweigeminute startete der Marsch am Schloss Ortenburg bei leichten Regenwetter Richtung Ortenburger Marktplatz und Volksfestplatz. Über die Mooshammer Spange ging es weiter, vorbei am Freibad Unteriglbach, zum Wanderweg am Stausee. Höhe des Ortenburger Kreisverkehr führte die Marschstrecke weiter auf den Feldwegen parallel zur Staatsstraße 2119 Richtung Neustift. Über Neustift ging es auf dem Geh- und Radweg zurück nach Söldenau und schlussendlich hoch Richtung Schloss Ortenburg ins Ziel. Am 16K3-Marsch der RK Ortenburg haben insgesamt 18 Reservisten und ein aktiver Soldat teilgenommen und erhielten als Erinnerung eine besondere Teilnehmerurkunde. Alle Teilnehmer waren vom Ablauf, der Strecke und der Organisation dieses Marsches begeistert. 

 

Durch die mittlerweile weltweite Teilnahme am K3 Marsch wurden beim 16K3 Marsch unglaubliche 26.449 Marschteilnehmer registriert. Durch diese Anzahl konnten die Organisatoren eine Gesamtspendensumme in Höhe von 221.152,00€ sammeln. Davon gegen 100.000,00€ an die Soldaten- und Veteranenstiftung (SVS) und zu je gleichen Teilen 60.576,00€ an den Verein „Krebskranke Kinder Mainz e.V.“ und an die „Deutsche Wildtier Stiftung“. 

 

 

Rede zum K3-Marsch

Es ist der 02.04.2010 – Karfreitag. Deutsche Soldaten stehen in einem kleinen Dorf in Kundus im Gefecht. Bei der Ortschaft Isa Kehl waren sie in einen Hinterhalt von afghanischen Aufständischen geraten. Die Geschehnisse dieses Tages gingen als Karfreitagsgefecht in die deutsche Geschichte ein.

 

Um ca. 09:30 Uhr afghanischer Ortszeit war eine Patrouille von Seedorfern Fallschirmjägern der 1. Infanteriekompanie des Provincial Reconstruction Team Kunduz in Isa Kehl auf einer Aufklärungs- und IED-Mission. Dabei stürzte die Aufklärungsdrohne MIKADO in einem Weizenfeld ab. Im Zuge dessen wurde aus der Kompanie ein Spähtrupp zusammengestellt mit dem Auftrag die Drohne zu bergen.

 

Gegen 13:00 Uhr Ortszeit geriet der Spähtrupp in einen Hinterhalt, etwa 80 Aufständische griffen mit Handfeuer- und Panzerabwehrhandwaffen an. Der Spähtruppführer, Oberfeldwebel Adebahr, gab den Befehl unter Deckungsfeuer sich vom Feind zu lösen und auszuweichen. Beim Ausweichen wurde Oberfeldwebel Adebahr mehrmals im rechten Bein getroffen. Er erlitt einen Streifschuss an der Ferse, einen Durchschuss unter dem Knie und einen Durchschuss im Oberschenkel. Er stürzte zu Boden und war bewegungsunfähig. Ein schneller Rückzug war nun unmöglich. Er meldete über Funk noch seine Verletzung und das der Trupp unter direktem Feuer steht, bevor die Funkverbindung abriss. Es waren bereits 15 Minuten seit den ersten Schüssen vergangen und der Feind konnte bereits auf 20 Meter herankommen. Aufgrund der Verletzung von Oberfeldwebel Adebahr übernahm Oberstabsgefreiter Maik Mutschke das Kommando. Unter Feindfeuer lief er direkt auf eine Feindstellung zu, schoss aus der Hüfte, bis er die Außenmauer des Gehöfts erreichte. Von dort warf er eine Granate in die Feinstellung und lief weiter zurück, um beim Zugführer eine Lagemeldung abgeben zu können sowie einen Rettungstrupp zu holen.

 

Der Rettungstrupp kämpfte sich zu den eigenen Kameraden in ca. 500 Meter Entfernung vor. Gegen 13:30 Uhr konnte Oberfeldwebel Adebahr unter Deckungsfeuer vom Rettungstrupp, unter Leitung von Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf, gerettet werden. Bei der Rettung von Oberfeldwebel Adebahr wird um ca. 13:45 Uhr im Feuergefecht Stabsgefreiter Robert Hartert schwer verwundet und bricht zusammen. Er wird unter Feindfeuer und laufender Reanimation in den rückwärtigen Raum gebracht, wo ein beweglicher Arzttrupp die Versorgung übernahm. 

 

Pilot Chief Warrant Officer 3 Jason La Cross von der United States Army wurde im Feldlager Kunduz über Funk Zeuge des Gefechts und das es bereits zwei Verwundete gab. Er stellte unmittelbar den Antrag bei seinen Vorgesetzten, seinem Team den Auftrag zur Unterstützung und Rettung der deutschen Kameraden zu erteilen. Kurz darauf erfolgte der Einsatzbefehl für zwei Hubschrauber Typ Black Hawk und innerhalb von 7 Minuten waren diese in der Luft. Ein Black Hawk, unter dem Kommando von Chief Warrant Officer 3 La Cross, diente als Rettungshubschrauber. Der zweite Black Hawk war der bewaffnete Geleitschutz.

 

Der deutsche Fliegerleitoffizier teilte den Piloten mit das die derzeitige Landezone zu heiß zur Landung war. Doch Pilot La Cross war der Meinung das für ihn die Landezone „Cold enough“ ist und setzte zur Landung an. Aufgrund von Beschuss mussten die Hubschrauber doch nochmal abdrehen. In der Luft erhielt La Cross über Funk dann den Befehl den Einsatz abzubrechen, da dieser zu gefährlich sei. Doch er täuschte Probleme mit der Funkverbindung vor und widersetzte sich so dem Befehl. Pilot La Cross landet trotzdem mit seinem Geleithubschrauber in der Luft wartend unter Beschuss in einer sog. „heißen“ Landezone, lädt Stabsgefreiter Hartert ein und fliegt ihn ins Feldlazarett nach Kunduz aus. Stabsgefreiter Hartert erlag später im Feldlazarett seinen Verletzungen, er ist der erste Gefallene des Karfreitagsgefechts.

 

Die 1. Infanteriekompanie befand sich weiter in schweren Gefechten. Gegen 14:24 Uhr begann der Golf-Zug unter Einsatz einer Nebelwand aus dem Hinterhalt auszubrechen. Um Deckungsfeuer zu ermöglichen, mussten die Soldaten neben den rückwärtsfahrenden Fahrzeugen herlaufen.

 

Um ca. 14:50 Uhr geriet ein geschütztes Fahrzeug des Typs Dingo in eine Sprengfalle. Die Fahrzeuginsassen waren kaum verletzt. Schlimmer traf es die nebenherlaufenden Kameraden. Oberstabsgefreiter Maik Mutschke wurde von der Explosion erfasst und erlitt schwere Wunden im Gesicht, Schulter-, Arm- und Hüftbereich und schwebte in Lebensgefahr. Er verlor sein linkes Auge und der linke Arm blieb gelähmt. Auch Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf, der zuvor als Rettungsassistent Oberfeldwebel Adebahr das Leben gerettet hatte, wurde von der Explosion erfasst und erlitt schwere Verletzungen im Gesicht, am Oberkörper und in der Lunge. Er verlor später sein linkes Auge. Der stellvertretende Zugführer des Golf-Zug, Hauptfeldwebel Nils Bruns wurde durch die Explosion gegen eine Mauer geschmettert. Ein herbeigeeilter Sanitäter konnte nur noch seinen Tod feststellen. Hauptgefreiter Martin Augustyniak wurde durch die Explosion über eine ca. 4 Meter hohe Mauer geschleudert. Er wurde durch die Detonation sofort getötet. Seine Kameraden fanden ihn erst später ein einem angrenzenden Innenhof eines Gehöfts. 

 

Alle drei gefallenen waren Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf. Die Einheit stand weiterhin unter Feindfeuer und kämpfte mit weiteren acht zum teils schwerverletzten ums Überleben. 

 

Am Ende des Tages waren die Hubschrauber der United States Army, unter Führung von Chief Warrant Officer 3 Jason La Cross viermal unter Beschuss gelandet, um insgesamt zehn verwundete und drei gefallene deutsche Soldaten auszufliegen. Das Gefecht dauerte fast neun Stunden.

 

Genau diesem Ereignis gedenken wir, für die Bundeswehr in einer nie dagewesen Art und Weise, mit dem sogenannten K3-Marsch. 

 

Oberleutnant d.R. Pierre Lindholm wartete 2020 vergebens auf eine Äußerung oder Gedenkkultur seitens der Bundeswehr. Er wollte nicht länger warten und legte selbst für diese neue Tradition den Grundstein. 6 Jahre später kann nun auf eine etablierte Veteranen- und Erinnerungskultur zurückgeblickt werden. Leutnant d.R. Catherina Lehmann wurde für diese Aktion um Unterstützung gebeten. So konnte von Jahr zu Jahr die Teilnehmerzahl weiter gesteigert werden.

 

2020               10K3 Marsch                        1.900

2021               11K3 Marsch                        3.473

2022               12K3 Marsch                        5.068

2023               13K3 Marsch                        9.969

2024               14K3 Marsch                        16.050

2025               15K3 Marsch                        21.300

2026               16K3 Marsch                        26.449

 

Ihr alle seid Teil der 26.449.

 

Erinnerung braucht Erzählung.
Identität braucht Tradition.
Veränderung braucht Gemeinschaft.


Für unsere Kameraden Nils, Robert & Martin


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Beschreibung

Die Reservistenkameradschaft Ortenburg ist Mitglied im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) gegründet am 10.12.1976. Instagram: @rk.ortenburg Facebook: @reservistenkameradschaft.ortenburg