Das Thema hatte sich offensichtlich schon herumgesprochen. Der kleine Rathaus-Saal in Wachenroth war mit zahlreichen Gästen voll besetzt. Kämmerer Andreas Kram, der das Projekt im Gemeinderat vorstellte, schien vom großen Interesse nicht überrascht, nachdem die Gemeinde schon Anfang September erste Gespräche mit Grundstückseigentümern gesucht hatte. Gerade diese Vorgespräche seien auch ein Grund gewesen, warum man das Vorhaben bereits in dieser frühen Phase öffentlich vorstellen wolle. „Wir möchten hier mit größtmöglicher Transparenz vorgehen und alle Fakten auf den Tisch legen“ verspricht Kram. Die Gespräche seien erst einmal positiv verlaufen ohne fundamentale Ablehnung.
Vor dem Hintergrund der sehr angespannten Haushaltslage (wir berichteten) müsse Wachenroth aktiv werden und Optionen zur Generierung von Einnahmen prüfen, betont auch Bürgermeister Reiner Braun. Man sehe angesichts des bundesweit stark steigenden Bedarfs an Rechenleistung durch Cloud-Anwendungen, Digitalisierung und KI gerade in der Digitalwirtschaft eine aussichtsreiche Option für die Gemeinde. Letztendlich ist so ein Rechenzentrum eine Digitalfabrik und damit die moderne Form der Gewerbeansiedlung. Nach Angaben der Verwaltung bietet das rund 59 Hektar große Areal beste Voraussetzungen, darunter eine bestehende Datenanbindung, gute Energiepotenziale durch Windkraft, Photovoltaik und Biomasse sowie eine gesicherte Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur. Konkret handelt es sich dabei um die beiden Flurstücke „Große Stücke“ und „Ochsenmarter“ südlich der A3 und östlich der Rastanlage „Steigerwald Süd“.
Das Vorhaben – Arbeitstitel „Green IT ERH“ - passt, wie Kram betont, zur aktuellen Digital- und Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung und des Freistaats Bayern. Diese sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz sowie Hochleistungsrechnen deutlich auszubauen. Dabei sollen neue Standorte auch außerhalb der großen Ballungsräume erschlossen und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. In den bisher stattgefundenen Gesprächen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Invest in Bavaria“, mit Landrat Alexander Tritthart, dem Landtags-Abgeordneten Walter Nussel, der Regierung von Mittelfranken und den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden habe man sehr viel Zustimmung erfahren. Im August informierte sich auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Konrad Körner, der zudem Mitglied des Digital-Ausschuss ist, vor Ort über das Projekt.
Während es aus der „großen Politik“ also breite Unterstützung gibt, so wurde das Vorhaben im Gemeinderat durchaus kontrovers diskutiert. Jürgen Gumbrecht (CSU) und Stefan Christel (LoK) lobten die Kreativität der Verwaltung und die rasante Umsetzung der Idee. Laut Christel habe der Standort viele Vorteile. Egal ob man nun durch klassische Gewerbeansiedlung, Logistik-Zentren oder eben dieses Projekt die Gemeindefinanzen aufbessern wolle, überall müsse man auch Nachteile und Risiken in Kauf nehmen. Diese Risiken stellten Tanja Swarat und Felix Knorr (beide HWG) heraus. „Ich habe durchaus Angst vor der Größe des Projekts und Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen für die Gemeinde“, so Swarat. Für Knorr sind die Belastungen der Bürger zu hoch. Man habe bereits die Autobahn mit der Raststätte und einige Windräder vor der Tür. Nun drohe weitere Flächenversiegelung und ein notwendiges Umspannwerk zwischen Horbach und Schirnsdorf. Zudem sei der Wasserverbrauch von Rechenzentren enorm und vor dem Hintergrund des Klimawandels problematisch.
Was die Belastungen insbesondere für Weingartsgreuth betrifft, pflichtete Wolfgang Knorr (UWW) den Aussagen bei. „Ich bin hier aber durchaus in einem inneren Konflikt, weil ich eben auch die wirtschaftlich prekäre Lage im Kopf habe.“ Ein Konflikt der den Gemeinderat in den nächsten Jahren begleiten könnte.
Kämmerer Kram betonte die Chance für Wachenroth, sich als Standort einer zukunftsorientierten digitalen Infrastruktur zu positionieren. Neben erheblichen Investitionen könnten langfristig neue Arbeitsplätze entstehen und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen generiert werden. Gerade vor dem Hintergrund einer aktuell geplanten Reform, die Rechenzentren aufgrund der Rechenleistung besteuern will, sei hier schätzungsweise ein siebenstelliger Betrag möglich. Was die Umweltbelastungen betrifft, könne man auf neueste wassersparende Technologien setzen und Abwärme auch gewerblich nutzen. Die Gemeinde bevorzuge auch keinen internationalen Großkonzern wie Google und Co. sondern möglichst regionale Investoren. Die Fläche könnte zudem „skalierend“ entwickelt werden, sodass zunächst nur ein kleineres Areal betroffen ist.
Ohnehin ist nun abzuwarten welche Investoren Interesse bekunden. Erst dann kann konkreter über das Projekt diskutiert werden. Für die Weiterverfolgung der Standortoffensive gab es aus dem Gemeinderat jedenfalls eine breite Zustimmung mit 13:1 Stimmen. Nur Felix Knorr blieb bei seiner ablehnenden Haltung.
