Untersteinbach, 10. August 2026
PM 074/2026; Autor: Michael Will
Wo sonst das Klappern von Kaffeetassen zu hören ist, angeregte Gespräche geführt werden und Gäste gemeinsam ihren Tag verbringen, herrschte am Mittwochnachmittag (5. August) eine ganz besondere Betriebsamkeit. Im Eingangsbereich der neuen BRK-Tagespflege in Untersteinbach meldeten sich Menschen zur Blutspende an, medizinisches Personal bereitete die Spenderinnen und Spender auf ihre gute Tat vor und ehrenamtliche Helfer sorgten dafür, dass sich jeder willkommen fühlte.
Es war ein Tag, auf den viele gehofft hatten. Denn zum ersten Mal wurde in den neuen Räumlichkeiten der BRK-Tagespflege ein Blutspendetermin angeboten – und schon die Premiere machte deutlich, welches Potenzial in diesem Standort steckt.
Schon beim Blick auf die Teilnehmerliste - im Vorfeld hatten sich online bereits 73 Frauen und Männer angemeldet - zeichnete sich ab, dass dieser Nachmittag mehr werden würde als ein gewöhnlicher Blutspendetermin. Immer wieder füllte sich der Anmeldebereich, immer wieder nahmen Menschen auf den Spenderliegen Platz – junge Erwachsene ebenso wie langjährige Stammspender. Manche kannten sich seit Jahren, andere betraten zum ersten Mal überhaupt einen Blutspendetermin.
Am Ende des Tages stand eine Zahl, die aufhorchen ließ: 104 Spenderinnen und Spender waren nach Angaben von Martina Kern, Gebietsreferentin Terminorganisation beim BRK-Blutspendedienst Wiesentheid, erschienen. Besonders bemerkenswert: Elf von ihnen spendeten zum ersten Mal Blut.
Eine solche Zahl an Erstspenderinnen und Erstspendern ist alles andere als selbstverständlich. Während viele langjährige Blutspender ihrer Einrichtung oft über Jahrzehnte treu bleiben, wird es zunehmend schwieriger, junge Menschen oder bisher Unentschlossene für die erste Blutspende zu gewinnen. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten darüber, dass sich gleich elf Menschen erstmals für diesen wichtigen Schritt entschieden.
Denn jede Erstspende ist weit mehr als eine einzelne Blutkonserve. Sie ist der Beginn einer möglichen jahrelangen Bereitschaft, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Wer einmal erlebt hat, wie unkompliziert und gut organisiert eine Blutspende abläuft, kommt häufig wieder.
Dass ausgerechnet Untersteinbach dafür ein so erfolgreicher Ort wurde, überrascht viele Einheimische vielleicht gar nicht. Schließlich blickt die Gemeinde auf eine lange Blutspende-Tradition zurück.
Über viele Jahre gehörten die Blutspendetermine in der örtlichen Grundschule fest zum Jahreskalender. Damals kamen regelmäßig mehr als 100 Spenderinnen und Spender zu den Terminen. Für viele Menschen war das Blutspenden längst zur Selbstverständlichkeit geworden – genauso wie das Treffen mit Bekannten oder das anschließende gemeinsame Essen.
Doch auch vor Untersteinbach machten gesellschaftliche Veränderungen nicht Halt. Die Zahl der Spenderinnen und Spender ging über Jahre hinweg kontinuierlich zurück. Irgendwann musste der BRK-Blutspendedienst schweren Herzens die Konsequenz ziehen und den Standort aufgeben. Seit 2023 fanden keine Blutspendetermine mehr in Untersteinbach statt.
Für viele treue Spender bedeutete dies längere Fahrten zu Terminen in den Nachbargemeinden. Immer wieder wurde deshalb der Wunsch laut, das Angebot irgendwann wieder zurückzubringen.
Mit der neuen BRK-Tagespflege ergab sich nun eine einmalige Gelegenheit. Die Einrichtung wird normalerweise von Montag bis Freitag tagsüber von Gästen besucht. Bis zu 15 Menschen verbringen hier ihren Tag in einer wohnlichen, familiären Atmosphäre. Freundlich gestaltete Gemeinschaftsräume laden zum Austausch ein, gemütliche Rückzugsorte bieten Raum für Ruhe und Entspannung. Der Garten eröffnet Möglichkeiten für Bewegung und gemeinsame Aktivitäten im Freien.
Doch die Tagespflege versteht sich nicht nur als Ort der Betreuung. Sie möchte Menschen zusammenbringen. Begegnungen zwischen den Generationen gehören ebenso zum Konzept wie die enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindergärten, dem Seniorenkreis und regionalen Geschäften. Die Einrichtung ist bewusst offen für das Leben in der Gemeinde.
Genau deshalb passte der erste Blutspendetermin so gut an diesen Ort. Aus Räumen der Begegnung wurde für einige Stunden ein Ort gelebter Solidarität.
Passender hätte Ingrid Böllner, Leiterin der BRK-Servicestelle Ehrenamt und für den Bereich Blutspende im Landkreis Haßberge mitverantwortlich, diesen besonderen Standort kaum beschreiben können: „Blutspenden, wo andere Urlaub machen.“
Mit einem Augenzwinkern brachte sie damit auf den Punkt, was viele Besucher an diesem Tag empfanden. Eingebettet in die reizvolle Landschaft des Steigerwalds besitzt Untersteinbach eine besondere Atmosphäre. Wer hierher kommt, verbindet den Besuch oft mit Natur, Ruhe und Erholung. Dass ausgerechnet in dieser Umgebung nun wieder Blut gespendet werden kann, verleiht dem neuen Standort einen ganz eigenen Charme.
Doch hinter dem sympathischen Motto steckt ein ernstes Anliegen. Blut wird jeden Tag gebraucht. Nach schweren Unfällen, bei komplizierten Operationen, während Krebstherapien oder bei vielen anderen Erkrankungen sind Patientinnen und Patienten auf Blutkonserven angewiesen. Da Blut künstlich nicht hergestellt werden kann und nur begrenzt haltbar ist, muss ständig neu gespendet werden. Jeder einzelne Termin trägt deshalb dazu bei, Leben zu retten.
Der große Zuspruch in Untersteinbach blieb nicht ohne Folgen. Noch während der Nachbereitung des Termins fiel beim BRK-Blutspendedienst eine wichtige Entscheidung. Aufgrund der erfreulich hohen Beteiligung soll es an dem neuen Standort nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleiben.
„Wir haben unbürokratisch entschieden, es künftig wieder mit zwei Blutspendeterminen pro Jahr zu versuchen“, berichtet Martina Kern. Der nächste Termin steht bereits fest: Mittwoch, 23. Dezember 2026. Für das Jahr 2027 sind bereits zwei weitere Blutspendeaktionen vorgesehen – jeweils im August und im Dezember.
Ganz ohne Bedingungen ist diese Zusage allerdings nicht. Damit Untersteinbach dauerhaft wieder Blutspendestandort bleiben kann, müssen die Besucherzahlen stabil bleiben. Nach Mitteilung des BRK-Blutspendedienstes sollten künftig mindestens 80 erschienene Spenderinnen und Spender pro Termin erreicht werden.
Nach der erfolgreichen Premiere erscheint dieses Ziel durchaus realistisch. Die Marke wurde gleich beim ersten Termin deutlich übertroffen. Noch wichtiger ist jedoch, dass viele Menschen offensichtlich bereit sind, den Standort langfristig zu unterstützen.
Davon würden alle profitieren. Die Bürgerinnen und Bürger aus Rauhenebrach und den umliegenden Gemeinden müssten künftig nicht mehr weite Strecken zurücklegen, um Blut zu spenden. Das Bayerische Rote Kreuz könnte einen traditionsreichen Standort mittelfristig sichern und die Versorgung mit dringend benötigten Blutkonserven weiter stärken.
Auch die Verantwortlichen der Gemeinde Rauhenebrach verfolgen diese Entwicklung mit großer Zustimmung. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung war in Gesprächen deutlich geworden, wie wichtig eine wohnortnahe Möglichkeit zur Blutspende für viele Bürgerinnen und Bürger ist.
So bleibt nach diesem ersten Termin weit mehr zurück als die erfreuliche Bilanz von 104 Spenderinnen und Spendern. Es bleibt die Hoffnung, dass Untersteinbach wieder zu einem festen Punkt auf der Blutspendelandkarte des Landkreises Haßberge wird.
Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Moderne Räumlichkeiten, engagierte Ehrenamtliche, ein motiviertes Organisationsteam – und eine Bevölkerung, die eindrucksvoll gezeigt hat, dass Zusammenhalt keine Floskel ist, sondern gelebt wird.
Oder, wie es Ingrid Böllner mit einem Lächeln formulierte: „Blutspenden, wo andere Urlaub machen.“ Nach diesem ersten Termin könnte dieser Satz schon bald weit über die Grenzen Untersteinbachs hinaus bekannt werden – als Synonym für einen Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort ist, sondern zur Herzenssache wird.
Eine Herzenssache ist Blutspenden für Stephan Bäuerlein aus dem benachbarten Geusfeld schon lange. Bereits 37-mal hat er bereits Blut gespendet. Und an dieser Tradition möchte er festhalten – am allerliebsten bei künftig weiteren Terminen in Untersteinbach. Denn seit es das Blutspenden in der Gemeinde nicht mehr gegeben hat, musste er weitere Wege nach Gerolzhofen oder Haßfurt auf sich nehmen, um das lebensrettende Elixier spenden zu können.
Marion Bates, die am Mittwoch zum ersten Mal auf einer Spenderlieger lag, hat eine ganz besondere Beziehung zu Untersteinbach. Sie arbeitet hier im Team der Tagespflege und betreut mit viel Fürsorge die Tagesgäste. Um sich bei den hochsommerlichen Temperaturen ein wenig Luft zuzuwedeln, hat sie sich eine Fliegenklatsche mitgebracht. Zumindest scheint dieser ungewöhnliche Fächer seinen Zweck erfüllt zu haben, denn nach der anfänglichen Aufregung vor der ersten Blutspende lacht Marion Bates mit der Sonne um die Wette und hat einen kühlen Kopf bewahrt: „War alles ganz easy, ich hatte mir das schlimmer vorgestellt“, erzählt die Erstspenderin am Ende mit ein wenig Stolz über ihren eigenen Mut.
Blutspenden hier in der Tagespflege ist für sie „wirklich super“. Erstens wird Blut tagtäglich massenhaft für Kranke und Verletzte benötigt und zweitens lernen die Menschen aus der Region bei einem solchen Termin auch mal die Tagespflege kennen. Einen Ort, an dem man sich in der angenehmen Atmosphäre beim Blutspenden rundum wohlfühlen kann.
„Respekt vor der Nadel“ hatte Alina Estenfelder. Die junge Frau aus Untersteinbach ist einer der Erstspenderinnen, die ganz entspannt auf einer der Liegen Blut spendet. Ihre Schwester hat sie zum Spenden ermutigt, und das war ein guter Tipp. Für die junge Frau bleibt nicht nur der Eindruck, mit ihrer Spende wirklich etwas Gutes getan zu haben, sondern auch die ansprechenden Räumlichkeiten und die Atmosphäre haben ihr gefallen. Deshalb soll’s auch nicht bei der Erstspende bleiben: „Ich komme wieder“, sagt sie.
Wiederkommen will auch das Ehepaar Gerstenkorn aus Koppenwind. Sie haben ihre beiden Kinder mitgebracht, die dem Papa bei der Anmeldung und den Vorbereitungen zum Blutspenden neugierig über die Schulter schauen. „Es ist schön, wenn man vor Ort Blut spenden kann“, sagt der Familienvater. Über 40-mal hat er schon gespendet. Zuletzt, nachdem es vor Ort keine Möglichkeit dazu mehr gab, hat er das Blutspenden nicht einfach beendet, sondern hat auch weitere Wege nach Volkach, Burgebrach, Bamberg oder Ebelsbach auf sich genommen, um Mitmenschen weiterhin helfen zu können.
Denn Blutspenden ist für den Koppenwinder eine wichtige Angelegenheit, die nach seinem Wunsch viele weitere Nachahmer finden sollte. „Jeder sollte spenden“, sagt er, „denn man könnte ja auch selbst vielleicht mal auf Blutspenden angewiesen sein.“ Für das Ehepaar Gerstenkorn ist Blutspenden deshalb eine Selbstverständlichkeit – und, wie für viele andere an diesem Tag, auch eine Herzensangelegenheit.
Bildunterschriften:
(1) Gut lachen haben die beiden Erstspenderinnen (von rechts) Alina Estenfelder und Marion Bates, die vor dem Blutspenden ein wenig aufgeregt waren, anschließend aber nur lobende Worte haben und künftig weiterhin Blut spenden wollen. Julia Bulheller, Pflegedienstleiterin der BRK-Tagespflege (stehend), sorgte mit ihrem Team für freundliche Atmosphäre während des Termins.
(2) Familie Gerstenkorn freut sich darüber, dass sie jetzt wieder in Untersteinbach Blut spenden konnten. Sie hoffen, dass sich das Angebot künftig wieder fest in der Gemeinde Rauhenebrach etabliert.
(3) 104 Spenderinnen und Spender waren zum Blutspenden nach Untersteinbach gekommen. An der Anmeldung wurden sie von BRK-Mitarbeiterin Simone Gilley registriert.
Fotos: Michael Will / BRK
