Die religiöse Vielfalt prägte Sulzbürg über Jahrhunderte hinweg. Katholische, evangelische und jüdische Mitbürger lebten hier bereits Mitte des 19. Jahrhunderts friedlich miteinander – ein Zusammenleben, das bis heute Teil der Identität des Ortes ist. Besonders die jüdische Geschichte nimmt in der Erinnerungskultur unseres Landls einen herausragenden Platz ein.
Ein beeindruckendes Zeugnis dieser Vergangenheit ist der jüdische Friedhof an der Engelgasse. Von hier aus geht ein Projekt aus, das weit über die Region hinaus von Bedeutung ist: Auf Initiative von Prof. Dr. Heide Inhetveen wurde 2022 beim Aktionsbündnis Oberpfalz – Mittelfranken eine Förderung für die wissenschaftliche Katalogisierung und Erklärung der 361 Grabsteine beantragt. Mit Erfolg.
Im Rahmen einer gut besuchten Veranstaltung im Landlmuseum Sulzbürg wurden nun die ersten Ergebnisse der Judaistin Christiane Müller präsentiert. In ihrer Begrüßung machte Johanna Bär von REGINA Neumarkt deutlich, wie wichtig die aktive Auseinandersetzung mit Geschichte sei: „Erinnerungen wach zu halten, heißt auch, Verantwortung zu übernehmen.“
Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer betonte den hohen Stellenwert, den die Gemeinde Mühlhausen der Pflege und Vermittlung ihrer Geschichte beimisst: „In Sachen jüdische Vergangenheit und dem Judenfriedhof legen wir großen Wert auf eine gelebte Erinnerungskultur. Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit der Israelitischen Kultusgemeinde München zusammen, in deren Auftrag unser Bauhof auch die Pflege des Friedhofs übernommen hat.“
Die Inschriften der Grabsteine berichten eindrucksvoll von den Werten, dem Leben und der Frömmigkeit der Sulzbürger Juden – bis zur gewaltsamen Auslöschung der Gemeinde durch die Nationalsozialisten. Christiane Müller hat bislang die Inschriften bis zum Jahr 1870 dokumentiert, die restlichen sollen bis September folgen. Ab Oktober werden die gesammelten Daten öffentlich über das Onlineportal „epidat“ zugänglich sein.
Im Anschluss an den Vortrag begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Prof. Inhetveen und Christiane Müller auf den jüdischen Friedhof. Dort wurden unter anderem der älteste Grabstein (Nr. 1) und das letzte Grab aus dem Jahr 1938 – jenes von Johanna Wertheim – besichtigt. „Dieser schlichte Stein steht sinnbildlich für die Verarmung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung ab 1938“, erklärte Prof. Inhetveen.
Das Landlmuseum Sulzbürg versteht sich als Ort der Bewahrung, aber auch der aktiven Auseinandersetzung mit Geschichte. Dass Projekte wie dieses in Sulzbürg möglich sind, ist dem langjährigen Engagement vieler Einzelner zu verdanken – und ein starkes Zeichen dafür, dass Erinnerung hier nicht in der Vergangenheit endet, sondern in die Zukunft wirkt.