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Tourismus in Peiting - Beginn des Massentourismus - KdF - Urlauber
Arbeitsgemeinschaft Peitinger Heimatfreunde
04.02.2026, 13:12

Arbeitsgemeinschaft Peitinger Heimatfreunde

 

Zur Geschichte des Tourismus in Peiting

„Kraft durch Freude-KdF“ – Urlauber

Nationalsozialistische Zeit (1933-1945)

 

Die Geschichte des Tourismus in Peiting ist noch nicht geschrieben. Die Arbeitsgemeinschaft Peitinger Heimatfreunde erforscht diesen Gegenstand. Die Anfänge in unserer Region liegen wohl um 1756, als der „Pfaffenwinkel“ (Anguli Monachorum, „Ecke der Mönche“) erstmalig erwähnt wurde. (Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfaffenwinkel, 2026-01-30). Damals waren es Mönche, Pilger und Geschäftsleute, die im Pfaffenwinkel zwischen den vielen Klöstern hin und her reisten, wohl auch aus touristischen Zwecken.

Da neue Postkarten zu „Beginn des Massentourismus“ aus der NS-Zeit in Peiting aufgetaucht sind, beginnen wir mit einer kurzen Darstellung aus der nationalsozialistischen Zeit.

„Wenn die KdF - Urlauber kamen, mussten wir Kinder den Schlafraum räumen und auf der Besucherritze im elterlichen Bett schlafen“, so erinnert ein Zeitzeuge seine Erfahrungen. Da wurde nicht diskutiert, Vater ordnete das an. Die Urlauber bezahlten ja eine Reichsmark pro Tag für eine Übernachtung, es war für die betroffenen Familien eine willkommene Einnahme.

Die Urlauber wurden am Anreisetag am Bahnhof-Ost abgeholt mit „Tschingderassa bum“, also mit der Knappschaftskapelle. Der Bürgermeister und viele wichtige Leute waren dabei. Peiting als Urlaubsort! Es war damals erstmalig, dass arbeitende Menschen in Urlaub fahren konnten, so steht es in der Peitinger Chronik. Eine 8-tägige Fahrt an die Nordsee kostete 45,- Reichsmark, in die Lüneburger Heide 36,- Reichsmark.

 

Abb. 1, oben: Damalige NS-Funktionäre am Ostbahnhof bei der Abholung der Urlauber. Foto. Postkarte. Photo-Burkhard, Peiting

Abb.: 2, unten: Die KdF-Urlauber am Ostbahnhof warten auf den Abmarsch. Foto: Photo-Burkhard, Peiting

Tourismus zum Zwecke der Erholung entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zunächst war es „ein Vorrecht privilegierter gesellschaftlicher Gruppen“ kann man im historischen Lexikon Bayerns lesen. Urlaub fand zunächst nur in den Sommermonaten statt, später auch in den Wintermonaten. Durch die Eisenbahn wurde das Reisen ab 1880 schneller und billiger. In der Zeit der Weimarer Republik setzten die Sozialdemokraten Arbeitszeitverkürzungen durch, 48 Stunden pro Woche. Nun konnten auch „einfache Leute“ erstmals in Urlaub fahren, es waren die Voraussetzungen für Massentourismus geschaffen. Örtliche und überörtliche Vereine schufen die Infrastruktur (Übernachtungen, Fahrten etc.).

Bis dahin waren es eher „Sommerfrischler“ oder begüterte Städter, die einige Zeit in Peiting verbrachten. Dazu gehörte z.B. die Familie Lentner, die bekanntermaßen das „Lentnerhaus“ an der Schongauer Straße in den Sommermonaten bewohnten. Das war um 100 Jahre vor der NS-Zeit.

Dann aber erscheint der Nationalsozialismus. Alle Fremdenverkehrsvereine wurden am 27.11.1933 verstaatlicht. Sie wurden jetzt als „NS-Gemeinschaft, Kraft durch Freude (KdF)“ bezeichnet und als Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront (DAF)“ geführt. Ihr Ziel war es, „die Deutschen mit Sport und Freizeitgestaltung in die NS-Volksgemeinschaft zu integrieren“. Deshalb hatten Bürgermeister und andere Funktionsträger die Urlauber am Bahnhof-Ost in Peiting abzuholen. Das Foto zeigt den Empfang von KdF-Urlaubern in Peiting-Ost mit Funktionsträgern in Marschordnung.

       

Abb. 3, oben: Die Knappschaftskapelle „spielt“ die Gäste vom Bahnhof bis ins Dorf. Foto: Ankunft der KdF. – Urlauber am 1.7. 1938. Foto u. Verlag Josef Feldmeir, Peiting

Abb. 4, unten: Ankunft der KdF. – Urlauber aus dem Gau Kurmark am 15.7.1938

Die nationalsozialistische Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) war eine Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF). Ihre Ziele waren: Anbindung der Arbeiter an den Nationalsozialismus, Leistungsbereitschaft fördern, kriegsvorbereitende Maßnahmen (Produktionssteigerung) durchführen, parteiorganisierte Freizeitangebote schaffen.

In München befand sich das KdF zunächst am Karolinenplatz 6, in einem jüdischen Anwesen, das sich die Nazis „unter die Nägel rissen“, später in der Brienner Straße, heute Nr. 26. Die Planungen der KdF sahen vor, 3.000 Wohneinheiten in Sendling zu schaffen. Dazu kam es an 1939 nicht mehr. (Vgl.: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/kraft-durch-freude-459 )

Text: HN26, Fortsetzung folgt

Kontakt: Franz Bleichner, Unterfeldweg 9, Peiting

 

 


Beschreibung

Wissenschaftsorientierte Erforschung der Geschichte Peitings. Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen. Kommunikation mit der Bevölkerung. Enge Kooperation mit dem Museum Peiting.