Katholischer Arbeiterverein Hettstadt
Im Pfarrhaus hängt im Treppenhaus die große Fahne eines Vereins, den es nicht mehr gibt:
Die Fahne des Arbeitervereins Hettstadt.
Über den Verein selbst ist in Hettstadt kaum noch etwas bekannt. Nur die Fahne erinnert noch an seine Existenz.
Die 1870er Jahre waren in ganz Deutschland die Zeit der Gründung der katholischen Arbeitervereine. Sie verstanden sich als Gegenbewegung sowohl zum Protestantismus als auch der zunehmend kritischen Sozialdemokratie.
Vorsitzender eines solchen Vereins war in der Regel der Ortspfarrer. Der Vorstand wurde nicht gewählt, sondern setzte sich immer aus angesehenen Persönlichkeiten aus dem Ort zusammen.
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1891, wie die Stickerei auf der Fahne zeigt.
Im Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen wird der Verein im Jahr 1894 erstmals erwähnt. Eine weitere Erwähnung findet sich im Jahr 1902, als dem Verein ein Zuschuss von zehn Mark für seinen Jahrtag bewilligt wird.
Die Vereinsfahne wurde im Jahr 1909 gestiftet. Darauf weisst der Wimpel der Ehrenjungfrauen hin, der an der Fahnenstange befestigt ist.
Ab 1932 gab es immer weniger Nachwuchs in diesen Vereinen. Gleichzeitig nahm die Überalterung innerhalb der Vereine zu.
Während der Zeit des Nationalsozialismus standen die Katholischen Arbeitervereine unter starkem Druck. Mitglieder mussten mit Nachteilen rechnen und es gab mehrere Versuche die Vereine zu verbieten. Erste Maßnahmen erfolgten bereits 1935, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Vereine endgültig aufgelöst.
Wann der Arbeiterverein in Hettstadt genau aufgelöst wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus fehlen - wie in vielen andern Orten auch.
In Deutschland sind die Katholische Arbeiter Bewegung KAB die Nachfolger. In Hettstadt übernahm nach dem Krieg, die Kolpingfamilie die Aufgaben des aufgelösten Vereins.