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Der Ahnvater der deutschsprachigen Liturgiewissenschaft stammt aus Unterroth: Valentin Thalhofer
Gemeinde Unterroth
28.04.2026, 17:25
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Am 21. Januar 1825 wurde in Unterroth, das damals 89 Häuser und circa 520 Einwohner zählte, Valentin Thalhofer (1825-1891) geboren. Bei ihm handelt sich um den Priester und Theologieprofessor, der im 19. Jahrhundert die Liturgiewissenschaft in Deutschland möglicherweise
am markantesten und nachhaltigsten geprägt hat. Dabei war es sein Verdienst, sie nicht bloß als bloße Vermittlung von Vorschriften und deren korrekter Ausführung in der Liturgie betrachtet und betrieben zu haben. Vielmehr war sein Blick auf den kirchlichen Gottesdienst, auf seine Sakramente und Opferfeier einerseits von geschichtlichem, andererseits von systematisch-dogmatischem Interesse angetrieben und geleitet. So wird er denn auch gerne als Vorläufer heutiger Liturgiewissenschaft in Anspruch genommen, und doch gilt das leider zunehmend höchstens noch für die historische Ausrichtung des Fachs.

 

Valentin Thalhofers Lebensthema

Die große Faszination seines Lebens als Priester und seiner Überzeugung als Theologe war für Thalhofer die Thematik des Opfers, insbesondere der Vorbildcharakter der Opfer des jüdischen Tempels zu Jerusalem während des Alten Testamentes und zur Zeit Jesu, die im Kreuzestod Jesu
Christi, als dem einen welterlösenden Kreuzesopfer, ein für allemal ihre reale Erfüllung fanden. Sein charakteristischer Eigenakzent ist dabei die Schlüsselrolle, die der Hebräerbrief und das Opfer des jüdischen Hohepriesters am Versöhnungstag, am Jom Kippur, für das Verständnis und die Erklärung der heiligen Messe als des eucharistischen Opfers spielen. Die Kernstelle bildet dabei für ihn Kapitel 8 und darin die Verse 1-4.

 

Dieses thematische Kontinuum bei Thalhofer zeigt sich in der inneren Entwicklung seiner Gedanken und hauptsächlichen Publikationen. Seine theologische Doktorarbeit von 1848 fasste „Die unblutigen Opfer des mosaischen Cultes: ihre Liturgie, ihre symbolisch-typische und dogmatische Bedeutung“ ins Auge, 1855 gefolgt von der Schrift „Die Opferlehre des Hebräerbriefes und die katholische Lehre vomhl. Meßopfer“. 1870 erschien „Das Opfer des alten und des neuen Bundes mit besonderer Rücksicht auf den Hebräerbrief und die katholische Meßopferlehre exegetisch-dogmatisch gewürdiget“, ein Buch das als das ausgereifte, endgültige Stadium von Thalhofers Opferverständnis und seiner Anwendung auf die Messe und auf deren Liturgie angesehen werden könnte. Gleichwohl muss zusätzlich sein „Handbuch der katholischen Liturgik“ in dessen erster Auflage und insbesondere in dessen Band I von 1883 ebenfalls noch hinzugezogen werden, denn darin geht er auf Einwände ein und entkräftet sie überzeugend, die seiner Auslegung des Hebräerbriefs und seiner daraus entwickelten Messopfertheorie besonders nach 1870 begegnet waren.

 

Band II der Liturgik trägt zwar merkwürdigerweise das Erscheinungsjahr 1890, war aber tatsächlich erst seit 1893 verfügbar und teils aus nachgelassenen Aufzeichnungen soweit möglich vervollständigt worden. Dennoch war der zweite Band Fragment geblieben, war doch Professor Thalhofer bereits am 17. September 1891 während eines längeren Erholungsurlaubes, während dem er im Pfarrhaus von
Unterroth geweilt hatte, verstorben. Ein bemerkenswertes Zusammentreffen besteht darin, dass der 17. September 1848 der Tag gewesen war, an dem Valentin Thalhofer als Neupriester in seinem Heimatort Primiz, seine erste feierliche heilige Messe, gefeiert hatte.

 

In München, wo Thalhofer als Direktor eines Seminars für Priesteramtskandidaten verschiedener bayerischer Diözesen und als Professor an der Universität gewirkt hatte, gibt es bereits seit 1927 eine nach ihm benannte Straße.
In Unterroth, dem Geburts- und Sterbeort Valentin Thalhofers, sollte es eigentlich auch einen solchen Erinnerungsort geben. Eine schöne Möglichkeit, dauerhaft das Gedenken an den großen Sohn der Gemeinde wachzuhalten, wäre es, auch hier eine Straße oder einen Platz etwa im
Neubaugebiet nach ihm zu benennen, an einem zentralen, geeigneten Ort eine Stehle mit seiner Büste aufzustellen, die vielleicht auch als Brunnen gestaltet werden könnte. Wenigstens sollte das Geburtshaus in der Mühlbachstraße 11 (eine frühere Hausnummer war 42, das Anwesen trägt den alten Hausnamen Beim Studer) wieder mit einer Gedenktafel ausgestattet werden, die bereits einmal vorhanden war, im Zuge von Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten heute aber leider verschollen ist. Eine neu angebrachte Inschrift würde sicherlich das Geschichtsbewusstsein der heutigen Bewohner und der ganzen Ortsgemeinde fördern.


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