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Eineinhalb Leben für einen Verein
Ski-Club Artelshofen e.V.
08.05.2026, 13:47
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EHRENAMT
Norbert und Walter Steger sind zusammen seit 120 Jahren mit dem Ski-Club Artelshofen verbunden.

Sie mögen es eigentlich gar nicht so, im Mittelpunkt zu stehen; wenn die Brüder Norbert und Walter Steger über ihren Einsatz für den Ski-Club Artelshofen erzählen, klingt es fast nach einer Selbstverständlichkeit. Doch 70 Jahre im Verein beim 76-jährigen Norbert Steger und 50 Jahre als SCA-Vorsitzender bei seinem 72-jährigen Bruder sind das nicht, wie auch ein vereinsinterner Festakt zur Würdigung der beiden deutlich machte.

Jedoch sind die beiden sozusagen damit aufgewachsen: „Unser Papa war 1952 Gründungsmitglied und hat sich über 28 Jahre um die Kassenverwaltung gekümmert“, erinnert sich Norbert Steger. Und sein Bruder ergänzt: „Wir hatten bei Wettbewerben in Skispringen und Langlauf daheim oft das Wettkampfbüro und Mama hat die Leute verköstigt.“ So seien alle in den Verein eingebunden gewesen. Und die Stegers seien natürlich auch von Anfang an auf Skiern gestanden, Wettkämpfe inklusive.

Für die Jungs in Kindheit und Jugend die Chance, fortzukommen. „Im Dorf war der Skisport außer Fußball der einzige Sport“, blickt Norbert Steger zurück. Lehrgänge führten die beiden zum Beispiel nach Garmisch und Reit im Winkl zur Winklmoosalm, eine Teilnahme an der bayerischen Meisterschaft nach Inzell. „Das waren für uns damals Highlights“, schwärmt Walter Steger noch heute. Dem Verein mal den Rücken zu kehren oder das ehrenamtliche Engagement einzustellen, daran verschwendeten die Brüder kaum einen Gedanken. „Ich bin immer dabei geblieben, einfach weil es Spaß gemacht hat“, sagt Norbert Steger ohne zu zögern und aus voller Überzeugung.

Walter Steger grübelt dagegen durchaus darüber nach, ob es vielleicht nötig gewesen wäre, den Posten als Vorsitzender, den er 1976 nach zwei Jahren als Vize übernommen hat, früher abzugeben. „Es hat sich keiner vorgedrängt und es ist immer alles gut gelaufen.“ Obwohl es schnell passiert sei, „in was neizutappen“. So habe er sich Sorgen gemacht, ob es eine Abmahnung wegen Namensrechten geben könnte, als im Jahr 2000 die Website „sca2000“ an den Start ging. Mit der Homepage sei man damals früh dran gewesen, ebenso mit einer digitalen Mitgliederverwaltung Anfang der 90er und auch einem Loipenspurgerät, ist Walter Steger stolz auf die Zukunftsorientierung und Innovationskraft des Vereins.

Für den hofft er, einen Nachfolger für sich zu finden, was angesichts der wachsenden Bürokratie gar nicht so leicht sei. „Wenn ich dem eine Liste gebe mit meinen Aufgaben, dann sagt der doch, das mach ich net!“ Er schreibt jetzt dennoch schon mal Karteikärtchen mit all seinen vielen Routinen wie Wasser-Absperren oder Mail-Abrufen zu Reservierungen des Tennisplatzes. Apropos Tennisplatz: Er ist sichtbarer Ausdruck für den Wandel des SCA ab den 70ern weg vom Wintersport wegen des zunehmenden Schneemangels hin zu vielen anderen sportlichen Angeboten. „Wir haben versucht, auf jede Welle aufzuspringen“, erklärt es Norbert Steger.

So gab es schon Basketball, Judo, Skiroller wurden mal angeschafft („Heute sind das Hightech-Dinger, bei uns damals Brettla mit Rollen dran“, lacht Norbert Steger), Inline-Skaten wurde praktiziert. Volleyball, Gesundheitssport, Zumba, Stepdance, Kinderturnen und nun auch Tennis in der Halle mit speziellen Bällen mit geringerem Sprungverhalten initiierte Norbert Steger. „Ich war auf vielen Lehrgängen und hole mir Inspiration dadurch, dass ich viel unterwegs bin.“ Sein Glück im Verein sei gewesen, dass er bei den sportlichen Dingen haben schalten und walten können, wie er es für richtig und angemessen hielt. „Es war und ist wichtig, dass jemand was macht.“ Fehlentwicklungen habe er selbst erkennen und berichtigen müssen.

Auch wenn der Tennisboom inzwischen lange vorbei ist, die Investition von 155.000 Euro 1988 in die beiden Tennisplätze am Bahnhof (heute wird noch einer gepflegt) habe sich für nun über 30 Jahre auf alle Fälle gelohnt und auch heute werde noch gerne hier gespielt. „Nein, wir bereuen nichts“, stimmen die beiden überein – weder die Anschaffung des Backofens und eines Festzelts, dessen reger Verleih Einnahmen bringe, noch die Ausrichtung des seit 40 Jahren bestehenden Pegnitztallaufs noch den seit 1975 existierenden dienstäglichen Lauftreff mit seiner „stabilen Truppe“.

Das Schöne in all den Jahren sei, dass es nie einen schweren Unfall gegeben habe und nie Querelen im 425 Mitglieder starken SC Artelshofen. „Es war immer harmonisch und das war für mich die Motivation“, sagt Walter Steger. Und sein Bruder Norbert pflichtet ihm bei: „Wenn es den Leuten gefällt und alles funktioniert, ist das Dank und Lohn genug.“

 

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Beschreibung

Der Verein wurde 1952 als Wintersportverein gegründet. Wir hatten von der Gründung bis ca. 2005 zahlreiche Skisprung- und Langlaufveranstaltungen ausetragen. Zahlreiche Meisterschaften wurden vor Ort ausgeführt. Seit 1988 besitzt der Verein eine kleine Tennisanlage mit einem Backofen. Hier finden Backofenfeste und Laufveranstaltungen statt. Der Verein bietet ein Ganzjahresprogramm für jedermann an. Bei einem Lauftreff können die Teilnehmer unser wunderschöne Umgebung neu kennenlernen. Mit dem Neustart einer Turnstunde für die kleinsten und den Vorschulkinder wollen wir bei den jüngsten ein Interesse am Sport wecken.