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Vereinsausflug 2026
Soldatenverein 1891 Vorra
28.04.2026, 10:05

Bier rettet Leben !

 

Warum das so ist, erfuhren die Teilnehmer bei dem diesjährigen Vereinsausflug

 

 

Sechzehn Mitglieder und Freunde des Soldatenvereins haben sich am letzten Samstag im April in Nürnberg zur Mittagszeit am Hauptmarkt eingefunden um Nürnberg einmal von einer anderen Seite und nicht nur zum Arbeiten und Einkaufen kennen zu lernen.

Unser I.Vorsitzender Markus Horst hat zu einer kurzweiligen Führung mit interessanten Details aus der Geschichte durch den Nürnberger Altstadtteil St. Sebaldus eingeladen. Anschließend sollte es im Burgviertel tief unter die Erde zur Erkundung der historischen Felsengänge gehen.

Unser Führer Christoph stellte sich mit den Worten: „Als Bewohner der Nürnberger Altstadt fühle ich mich jeden Tag so, als würde ich durch ein großes Freilandmuseum schlendern, hier sprüht es an jeder Ecke nur so von historischen Gebäuden, Gebräuchen und Geschichten. Den Gästen diese wunderschöne Altstadt auch unterirdisch näherzubringen, ist für mich ein unglaublich spannendes und unterhaltsames Erlebnis“ vor.

Unweit des Albrecht-Dürrer-Denkmals ging es beim „bombensicheren“ Zugang hinab in den Nürnberger Untergrund. Eingangs erwartete uns der, während des zweiten Weltkrieges Anfang der vierziger Jahren ausgebaute Luftschutzbunker.

Aber der Reihe nach:

Die erste urkundliche Erwähnung der Felsengänge war eine Verordnung des Rats der Stadt vom 11. November 1380 „wie einer ein hause haben sol, der schenkt“ also jeder, der Bier brauen und verkaufen wollte, musste demnach einen eigenen Keller haben, „zehen schuch tieff und sechzehen schuch weit….( ca. vergleichbar mit der heute noch bekannten Maßeinheit „Fuß“). Jede Brauerei hatte somit unter dem Hause in dem Sandstein einen Keller zu graben, der im Laufe der Jahre mit der Steigerung der Produktion bis zu vier Stockwerke tief und (mit Erlaubnis der angrenzenden Nachbarn) horizontal weitergetrieben wurde. Der Bau der Vielzahl von Gewölben und Gängen, die über eine Fläche von 25.000 m² aus dem Felsen geschlagen wurden und ein faszinierendes Labyrinth ergaben, wurde streng überwacht. Um die Standfestigkeit des Untergrunds nicht zu gefährden wurde etwaige Verstöße der Bauherrn oder der Steinmetze, dass beispielsweise die Ständer der darunterliegenden Etage nicht exakt übereinander lagen, vehement bestraft.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit gab es bis zu 42 Brauereien in der Stadt, welche die Bevölkerung mit einer ausreichenden Menge Bier versorgten. Zu der Zeit wurde beinahe die fünffache Menge an Bier gegenüber heute getrunken. Der Grund warum soviel Bier „gesoffen“ wurde ist ja allgemein bekannt: Wasser war ungenießbar, durch das Abkochen des Brauwassers war Bier keimfrei, und so trank jung und alt das gesündere Bier. Übrigens hatte das Bier damals einen wesentlich niedrigeren Alkoholgehalt als heute, so um 1% ! Womit schon das erste Argument erwähnt ist, dass Bier Leben rettete.

Ab Oktober 1940 begann deutschlandweit der Bau öffentlicher Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung. In diesem Rahmen wurde auch die Nutzung der unterirdischen Bierkelleranlagen in Nürnberg als Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung eingeleitet. Die vorhandenen Keller wurden mit bis zu 40 Meter langen Stichgängen verbunden. Die Felsengänge waren für 20.000 Personen ausgelegt – tatsächlich haben wohl doppelt so viele Nürnberger dort Schutz gefunden, während 90 % der Altstadt durch die Bombenangriffe der Alliierten in Schutt und Asche gelegt wurden. Somit hat auch hier das Bier vielen Menschen das Leben gerettet, da ohne Bier auch keine Keller !

Aber nicht nur zum Schutz der Bevölkerung wurden die Felsengänge während des Krieges benutzt. Die Firma Harrer durfte auch Sauerkraut in den Kellern herstellen. Die Sauerkrautproduktion wurde genehmigt, da Sauerkraut aufgrund seines hohen Gehaltes an Vitamin C als „kriegswichtiges Produkt“ eingestuft war – wichtig vor allem für die Marinesoldaten auf hoher See. So saßen während der Bombenangriffe viele Nürnberger zwischen oder auf den Krautfässern und überlebten die Luftangriffe.

Nach dem Krieg nutzte Harrer die Keller bis in die siebziger Jahre noch zur Essiggurkenproduktion.

Aktuell werden in den Felsengängen nur noch von der „Brauerei im Altstadthof“ ihre bekannten „Bierbrände“ hinter verschlossenen Eisengitter eingelagert.

Wieder zurück am Tageslicht wurde abschließend noch die Brauanlage der o.g. Brauerei und deren Whiskydestille samt Fasslager besichtigt.

In dem nahe gelegenen Gasthaus „Zur Schranke“ fand dann der Ausflug bei Nürnberger Köstlichkeiten und der Würdigung des Lebensretters „Bier“ in geselliger Runde seinen Ausklang.

 

ns-28.04.2026


Beschreibung

Der Sitz des Vereines ist in Vorra Postempfänger der I. Vorsitzende Markus Horst in Eckelshof 2