Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck würdigt jahrelanges Engagement für Bildung
DIETZHÖLZTAL. Was lange währt, wird endlich gut – so ließe sich zusammenfassen, was am 20. März Wirklichkeit wurde: Als 66. von 421 Kommunen in Hessen, erhält Dietzhölztal auf dem Ortsschild eine Zusatzbezeichnung: Hochschulgemeinde darf sich der 5500-Seelen-Ort nun offiziell nennen. In einem Festakt im Kronberg-Forum der Theologischen Hochschule Ewersbach würdigte Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck das jahrzehntelange Engagement für die Bildung. Gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Thomas und Stefan Scholl, dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, enthüllte er das erste neue Ortsschild.
Es sei sein erster Besuch in Dietzhölztal gestand der Minister, aber vermutlich nicht sein letzter: „Die Theologische Hochschule und das Nationale Automuseum haben den Ort weit über die Region und auch das Land hinaus bekannt gemacht“, benannte er die beiden Einrichtungen, die die Basis für die „alles andere als selbstverständliche Auszeichnung“ bilden. Beide seien Aushängeschilder der Gemeinde.
Und was Roman Poseck mit „intensive Prüfung“ umschrieb, ist die mittlerweile zehn Jahre währende Bemühung, die Bezeichnung „Hochschulgemeinde“ zu erhalten. Daran erinnerte Bürgermeister Andreas Thomas, der mit den Gemeindegremien schon vor einem Jahrzehnt einen ersten Anlauf dazu unternommen hatte.
Auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht hatte ihn seinerzeit Prof. Dr. Andreas Heiser, Rektor der Theologischen Hochschule. „Es war nicht ganz einfach, das Ministerium von unserem Selbstbewusstsein zu überzeugen“, berichtet der Rathaus-Chef und wusste aber auch eine Person zu nennen, die die Bemühungen der Gemeinde unterstützt hat: Der Landtagsabgeordnete der CDU, Jörg Michael Müller, der in Wiesbaden hartnäckig für die Zusatzbenennung geworben hatte.
So hartnäckig wie die Gemeinde immer wieder in der Landeshauptstadt vorstellig geworden war, um ihr Anliegen zu einem Erfolg zu bringen. In der Sache hatten Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung dabei an einem Strang gezogen, alle nötigen Anträge und Beschlüsse einstimmig gefasst. Im vergangenen Herbst hatte dann die Nachricht das Ewersbacher Rathaus erreicht, dass die Anstrengungen erfolgreich waren.
Dietzhölztal und die Hochschule gehören zusammen, sie stehen für wissenschaftliche Exzellenz, betonte Roman Poseck. Es zeige zugleich, dass es Hochschulen nicht nur in großen Städten gebe.
Das hatte Andreas Heiser schon vor vielen Jahren bei einer Reise im Harz festgestellt, als das kleine Städtchen Clausthal-Zellerfeld sich als „Hochschulstadt“ schmückte. Es sei ein wenig Neid im Spiel gewesen, gestand er die Motivation, Dietzhölztals Bürgermeister auf diese Möglichkeit hingewiesen zu haben.
„Heute ist ein besonderer Tag für unsere Gemeinde“, erklärte der Rektor, werde doch nun öffentlich, „was seit Jahrzehnten Realität ist“. Damit spielte er darauf an, dass in Ewersbach schon nach dem Zweiten Weltkrieg mit der wissenschaftlichen Ausbildung der Pastoren in den Freien evangelischen Gemeinden begonnen worden war. 2011 war das Theologische Seminar dann staatlich anerkannte Hochschule geworden, in der heute 67 Studierende von sieben Professoren unterrichtet werden.
Unternehmer Prof. Dr. Friedhelm Loh unterstrich die Bedeutung, die Bildung für die Gemeinde habe. „Wir bilden Menschen für das Leben aus und auch für das, was darüber hinausgeht“, erklärte er. Mit der Hochschule Nürtingen-Geislingen entstehe im Automuseum ein neuer Bildungsort, der Technik, Geschichte und Zukunft verbinde.
„Die Auszeichnung ist ein Auftrag“, erklärte Andreas Heiser – für weitere Hochschulen, nach Dietzhölztal zu kommen.
Geigerin und Sängerin Jördis Tielsch, die derzeit in Steinbrücken wohnt, und Peter Schneider – „das Beste, was wir hier aufzubieten haben“, wie Andreas Thomas versicherte, sorgten für die musikalische Untermalung des Festakts, zu dem auch Landrat Carsten Braun und Henrik Otto, der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden gekommen waren.
Neben den Ortsschildern aller vier Ortsteile, die jetzt den Zusatz „Hochschulgemeinde“ erhalten, darf Dietzhölztal ab sofort überall statt „Gemeinde Dietzhölztal“ die neue Bezeichnung „Hochschulgemeinde Dietzhölztal“ verwenden. Damit wird die nördlichste Gemeinde im Lahn-Dill-Kreis deutlich aufgewertet.
Bilder: Jürgen Reichel
Text: Frank Rademacher
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Festliche Verleihung der Zusatzbezeichnung „Hochschulgemeinde“: (v. l.) Henrik Otto, Peter Schneider, Jördis Tielsch, Jörg Michael Müller, Stefan Scholl, Prof. Dr. Andreas Heiser, Prof. Dr. Friedhelm Loh, Prof. Dr. Roman Poseck, Carsten Braun, Andreas Thomas.
Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck lobte in seiner Festrede das jahrzehntelange Engagement für die Bildung in der Gemeinde Dietzhölztal.
Feierliche Enthüllung des neuen Ewersbacher Ortsschildes mit der Zusatzbezeichnung „Hochschulgemeinde“ durch (v. l.) Andreas Thomas, Stefan Scholl und Prof. Dr. Roman Poseck.
Henrik Otto, der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, lobte die Arbeit der Theologischen Hochschule.
Prof. Dr. Andreas Heiser, der Rektor der Theologischen Hochschule Ewersbach hat sich über Jahre für die Zusatzbezeichnung „Hochschulgemeinde“ eingesetzt.
Prof. Dr. Friedhelm Loh, hat in seinem Automuseum einen Bildungsort für Schüler und Studenten geschaffen.
Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck (l.) erhielt von Bürgermeister Andreas Thomas einen Präsentkorb mit Dietzhölztaler Spezialitäten.
Jördis Tielsch und Peter Schneider untermalten musikalisch den Festakt zur Verleihung.
